UV-BelastungWie man sich am besten vor zu viel Sonne schützt

Lesezeit: 3 Min.

Verwendet man Sonnenschutz mit chemischen UV-Filtern, müssen diese schon 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, um die Haut optimal zu schützen.
Verwendet man Sonnenschutz mit chemischen UV-Filtern, müssen diese schon 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, um die Haut optimal zu schützen.
IMAGO/Westend61

Daniela Hartmann, Chefärztin der Dermatologie der München Klinik, räumt mit Mythen auf und gibt Tipps zum richtigen Verhalten bei großer Hitze mit entsprechend intensiver UV-Strahlung.

Von Nicole Graner

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Der Deutsche Wetterdienst hat für den Süden Bayerns Hitzewarnungen ausgegeben. Auch in München soll die Temperatur in den nächsten Tagen bei mehr als 32 Grad liegen. In den Nächten wird es sich nur wenig abkühlen. Der Wetterdienst warnt auch vor starken UV-Belastungen. Ob die kurze Mittagspause am Rinderbrunnen, ob an der Isar, ob im Biergarten – Daniela Hartmann, Chefärztin der Dermatologie der München Klinik (Mük), sagt klar: „Das Wichtigste ist jetzt, die Sonne nicht zu unterschätzen und die Haut richtig zu schützen.“ Die 44-Jährige nennt Tipps, worauf man achten muss, um Spätfolgen eines Sonnenbads wie Hautkrebs zu vermeiden.

Alarmstufe: rote Haut

Wenn die Haut rot wird, sei das ein SOS-Signal und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Auch wenn die Haut schon gebräunt sei, diene die Bräune zwar als leichter Lichtschutzfaktor, aber das sei „viel zu wenig“, sagt Hartmann. Sonnenbäder ohne Sonnenschutz sind gefährlich. Auch ohne Sonnenbrand. Außerdem addierten sich die negativen Folgen der Sonne über Jahre. Ohne Schutz würden UV-Strahlen „leicht in die Haut eindringen“. Eincremen lohne sich.

Fensterglas schützt nicht

Wer glaubt, im Büro oder im Auto sei man vor Sonneneinstrahlung geschützt, irrt. Denn laut Hartmann zeigten Studien, dass rund 74 Prozent der UVA-Strahlung nicht von Fensterglas abgehalten werde. Nur die UVB-Strahlung, die nicht so tief in die Haut eindringt, werde großteils durch Fensterglas blockiert. UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein und tragen besonders zur Hautalterung bei. „Bei sehr hohen Dosen können sie zudem bleibende Erbgutveränderungen verursachen und damit das Risiko für Hautkrebs erhöhen“, sagt Hartmann, die seit 2024 Chefärztin an der Mük ist.

Der richtige Sonnenschutz kann Hautkrebs vermeiden: Daniela Hartmann ist Chefärztin der Dermatologie der München Klinik.
Der richtige Sonnenschutz kann Hautkrebs vermeiden: Daniela Hartmann ist Chefärztin der Dermatologie der München Klinik.
Stephan Rumpf

Viel Creme ist gut

„An der Menge der Sonnencreme sollte man beim Auftragen nicht sparen“, sagt Hartmann. Die meisten Menschen benutzten nur ein Viertel bis zur Hälfte der erforderlichen zwei Milligramm Sonnencreme pro Quadratzentimeter Körperoberfläche. Für den ganzen Körper entspreche das laut Hartmann ungefähr der Größe eines Golfballs. Pro Körperpartie gilt: aus der Tube etwa zwei Fingerbreit Sonnencreme. Für Gesicht und Hals genügt ein Teelöffel, für den Körper etwa drei Esslöffel. Nur wer ausreichend auftrage, erreiche auch den auf der Packung angegebenen Lichtschutzfaktor. Zwei Tipps von Hartmann: Eine gute Sonnencreme muss nicht teuer sein. Und auf die Haltbarkeit der Produkte mit Lichtschutzfaktor (LSF)  müsse man achten. Das seien maximal drei Jahre.

Tagescreme mit Lichtschutzfaktor schützt

„Wer morgens eine Tagescreme mit LSF 30 oder höher aufträgt, hat einen guten Basis-Sonnenschutz“, erklärt die Chefärztin. Sie rät, täglich eine Sonnencreme mit mindestens diesem Faktor zu verwenden – und das bei jedem Wetter. „UV-Strahlen dringen auch durch Wolken“.

Zur rechten Zeit eincremen

„Der richtige Zeitpunkt beim Eincremen ist entscheidend“, sagt Hartmann. Produkte mit chemischen UV-Filtern müssten 20 bis 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien aufgetragen werden, da der Schutz Zeit benötige, um sich zu entfalten. Mineralische UV-Filter hingegen wirkten sofort. Nachcremen sei Pflicht. Spätestens alle zwei bis drei Stunden und nach jedem Bad. Wichtig zu wissen: Nachcremen erhöht laut Ärztin nicht die maximale Schutzzeit. Es sorge nur dafür, dass der bestehende Schutz aufrechterhalten bleibe. Ein Tipp: Nicht sofort nach dem Eincremen ins Wasser gehen. Erst nach einer Einwirkzeit von mindestens 20 Minuten nehme die Haut den LSF vollständig auf. Auch Schwitzen reduziere die Schutzwirkung der Sonnencreme.

Vitamin D versus Sonnencreme

Hartmann erklärt, dass die Sonnencreme die Vitamin-D-Aufnahme reduziere. Deswegen verzichteten viele Menschen aus Sorge um ihre Vitamin-D-Versorgung auf Sonnenschutz. Das aber sei „keine Lösung“, sagt sie. „Eine Vitamin-D-Synthese ist trotz Sonnencreme möglich.“ Sollte Vitamin-D-Mangel bestehen, könnten Vitamin D3-Präparate aus der Apotheke und eine ausgewogene Ernährung mit Vitamin-D-reichen Lebensmitteln helfen.

Feuchtigkeit und nochmals Feuchtigkeit

Nach dem Sonnenbad ist die natürliche Schutzbarriere der Haut geschwächt. Dann benötigt sie viel Feuchtigkeit. Laut Hartmann eignet sich am besten eine parfümfreie, wasserhaltige After-Sun-Lotion. Ein Tipp: Im Kühlschrank aufbewahrt, kühlt sie die Haut beim Auftragen besonders angenehm. Aloe-Vera-Gel sei bei Sonnenbrand gut geeignet. Normale Body-Lotionen können ähnlich wirken. „Wenn sie parfümfrei und wasserhaltig sind“, erklärt Hartmann. Von fettreichen Produkten rät sie bei akutem Sonnenbrand ab. Wer einen schweren Sonnenbrand mit Blasen, Pusteln oder offenen Wunden habe, sollte einen Arzt aufsuchen.

Sonnenschutz im Kleiderschrank

„Den besten Sonnenschutz im Freien bietet geeignete Kleidung“, betont Hartmann. Wie hoch der Schutz sei, hänge von Gewebetyp und Dichte ab. Gut seien dunkle und fest gewebte Stoffe. Materialien wie Polyester, Jeans und Wolle halten mehr UV-Licht ab als dünne Baumwollstoffe, Leinen, Seide oder Viskose. „Ein leichtes weißes T-Shirt erreicht einen Ultraviolett-Schutzfaktor von etwa zehn – das heißt, ein Zehntel der UV-Strahlung gelangt noch auf die Haut“, warnt die Dermatologin.

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