Musik kann helfen. Musik kann sich wie eine warme Umarmung anfühlen - wenn man allein ist. Die Musik von Adrian Gibowski, 24, zum Beispiel. Als Musiker nennt er sich fen. Sein Alternative-Pop ist ruhig, aber auch groovy. Die Melodien lassen einen von der untergehenden Sonne auf Bali träumen oder von einem Roadtrip in einem alten VW-Bus. Die Texte versprühen einen Hauch von Melancholie. Manchmal auch Zuversicht.
„Trying to find out how to write happy songs“, steht in seiner TikTok-Beschreibung. Und ja, sagt er dann, es falle ihm deutlich schwerer, happy songs mit Tiefgang zu schreiben. „Negative Gefühle wiegen so viel schwerer und sind dadurch einfacher zu fassen.“
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Ein Blick zurück, ins vergangene Jahr: Ein Haus an der Ostsee. In Polen. Fünf Tage, drei improvisierte Studios, sechs junge Menschen. Und mindestens ein neuer Song pro Tag. Adrian Gibowski organisierte das erste Mal ein richtiges Songwriting-Camp. Er wollte seine besten Freunde an einen Ort bringen und Musik machen. Weil er genau diese Momente liebt: gemeinsam Neues erschaffen, auf „Entdeckungsreise gehen und versuchen etwas zu finden, was noch keiner hat“, so nennt er das. Einen „großen Flickenteppich“ an Ideen zusammensetzen. Vielleicht, weil manche Dinge gemeinsam mehr Spaß machen. Vielleicht, weil sie in der Gruppe leichter fallen - wie auch „happy songs“ zu schreiben.
Musik war früh ein Rückzugsort für Adrian. Als Kind lernte er Gitarre zu spielen – etwas anderes als sein Bruder, der Klavier spielte. Im Grundschulalter schrieb er seinen ersten „super cheesy“ Song, auf Deutsch. Der erste und letzte. Danach wechselte er zur englischen Sprache. In einem kleinen Container im Kinderzimmer sammelte er stapelweise Noten von bekannten Songs, spielte Akkorde nach, bastelte daraus eigene Lieder. Als Teenager vor allem Heartbreak-Songs. „Meine Familie hat nicht wirklich viel verstanden“, sagt er. „Dadurch war das meine eigene kleine Welt.“
In einem Buch sammelt Adrian „schöne Wörter“. In einem zweiten hält er besondere Momente fest. Konzerte, Reaktionen, Gefühle. Beide hat er immer dabei. Das hilft ihm beim Schreiben seiner Songs. „Oft habe ich Melodien im Kopf, vielleicht Phrasen oder Textfetzen. Daraus kommt eine Strophe oder ein Refrain schnell aus mir heraus, ganz ohne nachzudenken.“
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Seine Musik versteht Adrian als Projekt. Alles darin hat eine Funktion, einen Sinn, ein Thema. Er möchte versuchen, „die Welt in Worte und Melodien zu ordnen“. Seine aktuelle EP „The Product of Growing Up“ kreist ums Aufwachsen, ums Erwachsenwerden – und darum, „familiäres Chaos aufzuräumen und etwas Gutes draus zu ziehen“.
Irgendwie passend, dass er Psychologie studiert. Seit einem Jahr wohnt er in Ismaning bei München, studiert aber an der Fernuni Hagen. München, weil er „ein kleiner Naturliebhaber“ ist. Das Studium, weil es ihm Sicherheit gibt, einen Plan B – auch wenn er sich darin manchmal gefangen fühlt. Die Online-Uni gibt ihm aber Flexibilität, überall zu wohnen, Zeit selbst einzuteilen und Musik zu machen. Denn am liebsten schreibt er, produziert, spielt Konzerte, arbeitet mit anderen Künstlerinnen und Künstlern zusammen.
Wie bei den Songwriting-Camps. Und wie jeden Montag im Münchner Lost Weekend. Dort gibt es eine Open Stage - und wenn der Abend vorbei ist, geht es weiter an die U-Bahn-Station an der Universität. Alle packen die Instrumente wieder aus, spielen Songs, Mash-Ups, improvisieren – alles ist erlaubt. „Das ist jedes Mal einfach magisch!“ Fen ist die Freude auch an den Tagen danach anzusehen.
Musik ist für Fen so was wie Therapie. Ein Ort, an dem er Worte sagt, die er sonst nicht aussprechen würde. Sich mit schweren Themen auseinander setzt, ohne darin zu versinken. Herausfindet, was ihn glücklich macht. „Das zählt doch am Ende.“ Vielleicht ist genau das die Bedeutung von happy songs.

