Sommerbilanz Das war der Münchner Sommer 2017

Am Eisbach ließ sich der Münchner Sommer bestens aushalten.

(Foto: Florian Peljak)

Meteorologen verzeichnen den drittheißesten Sommer in der Stadt. Die Biergartenwirte können zufrieden sein, manchen Menschen machte die Hitze jedoch schwer zu schaffen.

Von Thomas Anlauf

Zwei kräftige Windstöße genügen, dann bricht der Sommer in sich zusammen. Mit Platzregen und einem Temperatursturz von mehr als 30 Grad am Mittwoch auf 14 Grad am Freitag hat sich der meteorologische Herbstanfang in München ziemlich eindrucksvoll in Szene gesetzt. Noch vor wenigen Tagen genossen Tausende Münchner am Isarufer den Sommer, jetzt stehen dort Pfützen in den Wiesen. Aber: Der Sommer war groß.

Genauer gesagt war er der drittheißeste Sommer, seit der Deutsche Wetterdienst DWD der Landeshauptstadt die Temperatur misst. An 56 von 92 Tagen zwischen 1. Juni und 31. August hatte es in München 25 Grad oder mehr, ebenso wie im Sommer 2015. Vom Jahrhundertsommer 2003, an dem es 72 Sommertage gab, war die Stadt in diesem Jahr jedoch noch etwas entfernt.

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Sechs Dinge, die den Münchner Sommer prägten

Der Sommer bescherte den Münchnern nicht nur überdurchschnittlich viele heiße Tage und laue Nächte, sondern auch aufblasbare Liegestühle, schräge Vögel in Rosa und einen Dampfer auf dem Abstellgleis.

Tropische Temperaturen mit mehr als 30 Grad herrschten in München heuer an 20 Tagen, nur 2003 (29 heiße Tage) und 2015 (31) schwitzten die Münchner noch häufiger. Das Gleiche gilt für die Tropennächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken. 2017 waren es fünf, was wiederum Platz drei im Ranking ausmacht, 2015 waren es acht und 2003 neun tropische Nächte. Gerade die hohe Zahl an heißen Sommertagen ist für Uwe Zimmermann vom Regionalen Klimabüro des DWD "markant: Das ist schon sehr viel". In Hattstedt in Schleswig-Holstein wurden nur zwei Sommertage gemessen.

Am 1. August war es am heißesten

Am heißesten war es übrigens am 1. August: Da kletterte das Thermometer bei der Station des Deutschen Wetterdienstes auf 35,8 Grad und liegt damit auf Rang sechs der Hitzeliste. Am heißesten Tag, der je in München gemessen wurde, hatte es brütende 37,5 Grad, das war 1983.

Der trockenste Monat dieses Sommers war übrigens der Juni. Da regnete es etwa vierzig Prozent weniger als im Durchschnitts-Juni. Im Juli und August gab es dafür etwas mehr Niederschläge als im Mittel. Das bedeutet nicht unbedingt, dass dann seltener die Sonne scheint: Im August strahlte sie 111 Stunden länger als im Durchschnitt, im Juni waren es sogar 132 Stunden mehr. Lange Hitzeperioden wie etwa 2003 gab es in diesem Sommer nicht, dafür extreme Schwankungen: Auf heiße Tage folgten oft abendliche Gewitter und kühle Regenschauer, aber dann habe sich die Temperatur immer wieder schnell in Richtung 30 Grad bewegt, hat Wetterexperte Zimmermann beobachtet.

Nicht alle Münchner vertrugen die hohen Temperaturen

Die häufigen Wechsel von heißen und kühlen Tagen, dazu noch schwüle Luft in der Stadt hat auch Folgen für die Münchner gehabt. In der Notaufnahme der Klinik an der Ziemssenstraße waren es im Sommer im Vergleich zum restlichen Jahr ein Viertel mehr Menschen, die dort behandelt werden mussten. Besonders die Zahl der Patienten, die einen Hitzekollaps bekamen, sei "deutlich angestiegen", sagt Matthias Lanwehr, Sprecher des LMU-Klinikums der Universität München. Professor Markus Wörnle, Leiter der Notaufnahme am Campus Innenstadt, hatte in den vergangenen drei Monaten aber auch mehr Patienten, die wegen Nierenversagens behandelt werden mussten. Davon betroffen waren häufig ältere Menschen, aber auch Patienten, die ohnehin chronisch nierenkrank sind - oder Sonnenbader, die bei großer Hitze schlicht zu wenig getrunken haben.

Das wiederum lag wohl nicht am vermeintlichen Bierengpass Anfang August, als eine Münchner Zeitung schrieb: "Bier wird knapp!" Denn die Brauereien kamen durchaus mit dem Brauen hinterher, wie sich herausstellte. Es gab vielmehr lediglich einen Mangel an Flaschen, weil die Münchner im Sommer mehr Biertragerl einkauften und sie erst später wieder zum Getränkemarkt zurückbrachten. In den Münchner Biergärten zumindest kam es nicht zu Engpässen an Bier, und auch mit der Zahl der Gäste können die Wirte sicherlich zufrieden sein in diesem Supersommer.

Darum hatten Förster im Sommer 2017 viel Arbeit

Die vielen heißen Tage bescherten den Wirten zwar einen guten Umsatz, den Förstern dafür viel Arbeit. Denn nicht nur Menschen leiden, wenn sie nichts zu trinken bekommen, auch Bäume. Besonders die Wälder rund um München stehen im Sommer zunehmend auf dem Trockenen. "Wir haben durch den Klimawandel eine höhere Durchschnittstemperatur, das bedeutet, dass die Bäume auch schneller austrocknen", sagt Jan Linder, Betriebsleiter bei der städtischen Forstverwaltung. Selbst die Regenschauer haben vielen Bäumen im abgelaufenen Sommer kaum Erholung gebracht.

Denn die Waldböden der Münchner Forstgebiete zwischen Holzkirchen und München sind durchschnittlich nur zwischen 30 und 70 Zentimetern tief; dort kann im Vergleich zu tieferen Böden viel weniger Wasser für heiße Tage gespeichert werden. Und hitzegestresste Bäume sind auch anfälliger für einen Borkenkäferbefall. In diesem Jahr seien "wahnsinnig viele Borkenkäfer unterwegs", sagt Linder. Er befürchtet, dass etwa die Hälfte der regulär gefällten Bäume in den städtischen Wäldern vom Borkenkäfer geschädigt sind. Seit Monaten sind die Münchner Förster mit zusätzlich engagierten Experten unermüdlich im Wald, um nach Käfern zu suchen. "Das ist schon ein bisschen Sisyphusarbeit", sagt der Betriebsleiter der Münchner Forstverwaltung.

Wie die Strafarbeit aus der griechischen Mythologie muss auch den Müllsammlern manchmal ihr Einsatz im Sommer an der Isar vorkommen. In der Vergangenheit mussten sie frühmorgens nach heißen Wochenendnächten bis zu 4000 Kilogramm achtlos weggeworfenen Müll aufklauben. Das dürfte mittlerweile deutlich weniger geworden sein, seit die Stadt im vergangenen Jahr ihre Kampagne "Wahre Liebe ist . . ." zur Reinhaltung der Isarufer gestartet hat. Die Mehrzahl der Flussfreunde kennt mittlerweile die Kampagne und hält sich auch oft daran, und nimmt den Müll entweder wieder mit nach Hause oder entsorgt ihn in den Containern. Ob der Müll an der Isar in diesem Sommer wirklich weniger geworden ist, vermag das Baureferat auf Nachfrage noch nicht zu beantworten, die Saison sei noch nicht vorbei. Grundsätzlich aber "beeinflussen unterschiedliche Faktoren das Müllaufkommen, insbesondere das Wetter", heißt es lakonisch.

Stimmt schon, auf das Wetter kommt es in München meistens an. Deshalb an dieser Stelle die Aussichten: Es wird wieder wärmer, aber der Sommer ist vorbei.

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