Solln:Vom Schleichverkehr genervt

Anwohner werfen der Stadt Untätigkeit vor und legen beim Mobilitätsreferat Fachaufsichtsbeschwerde ein

Von Jürgen Wolfram, Solln

Weil die Behörden gravierende Verkehrsprobleme in ihrem Viertel ignorierten und selbst eine zugesagte Analyse zum Thema unterblieben sei, haben Bürger aus Solln "Fachaufsichtsbeschwerde" beim Mobilitätsreferat eingelegt. Den Leuten um Sprecher Thomas Gilg geht es primär um die Zustände in den Wohngebieten südlich der Herterichstraße, zwischen Eberlestraße und Wolfratshauser Straße. Vor allem an der Bleibtreustraße, der Muttenthaler- sowie der Wilhelm-Leibl-Straße herrschten unzumutbare Verhältnisse. Diese seien allesamt Ortsstraßen, die mehr und mehr als überörtliche Durchgangsstraßen missbraucht würden, beklagen sich Gilg und seine Mitstreiter. Die Belastungen für die Anwohner seien "inakzeptabel". Ähnliches gelte für die Untätigkeit der Stadtverwaltung sowie deren "Fehlentscheidungen".

Vor allem das Ausbleiben eines längst versprochenen Verkehrsgutachtens für Teile Sollns empört die Beschwerdeführer. Hinweise, die Corona-Krise habe zu einem Stopp des Vorhabens geführt, weil das Virus das Mobilitätsverhalten beeinflusse, halten die Sollner schlicht für eine Ausrede. Denn die gesundheitliche Problematik sei erst Ende Februar 2020 relevant geworden. "In den mindestens acht Monaten davor ist offenbar nichts passiert", schreibt Thomas Gilg in seiner Beschwerde.

Mittlerweile hat das Mobilitätsreferat die Solln-Studie aus anderen Gründen auf Eis gelegt. Wegen der angespannten Haushaltslage sei die Finanzierung einer 70 000 Euro teuren verkehrstechnischen Untersuchung vorerst leider nicht drin, teilte die Behörde unlängst mit. Darauf haben nicht nur viele Sollner ungehalten reagiert, sondern auch der Bezirksausschuss. Denn auf unabsehbare Zeit kämen nun wieder keine "verkehrslenkenden Alternativen" in Sicht. Wobei Gilg stark auf eine Entlastung durch die Verlängerung der Drygalski-Allee setzt. Diese Variante hat die Kommunalpolitik jedoch wiederholt verworfen.

Ohne die dafür erforderlichen Voraussetzungen aufzuweisen, ist die Herterichstraße nach Einschätzung der Verwaltungskritiker zur Hauptverkehrsachse, ja "zum Autobahn-Südring-Ersatz" mutiert. Deren Hauptzubringer sei der Straßenzug Bleibtreu-, Muttenthaler- und Wilhelm-Leibl-Straße. Nach dem Scheitern des Durchstichs der Stäblistraße habe sich die Belastung dieser Verkehrsader weiter verstärkt. Auf all diese Probleme gebe das Verkehrskonzept der Stadt für den Münchner Süden keine Antworten, monieren Thomas Gilg und andere Sollner. Die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen des bayerischen Innenministeriums jedenfalls würden "in keiner Weise eingehalten", kritisieren sie.

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