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Solln:Schuhe für die Mongolei

Großes Herz: In der Mongolei hilft Happy Bambini unter anderem einer jungen Frau, die in ihrer Jurte viele Kinder aufgenommen hat.

(Foto: Happy Bambini/oh)

Die Kinderhilfsorganisation "Happy Bambini" fördert Projekte in vielen Entwicklungsländern Asiens und Mittelamerikas

Von Jürgen Wolfram, Solln

Reisen bildet, öffnet die Augen für den Glanz und das Elend der Welt. Manuela Chersi schärfte ihren Blick auf weiten Reisen an der Seite ihrer entdeckungsfreudigen Eltern. Ihr Schlüsselerlebnis hatte sie als Jugendliche in Indonesien. Dort lernte sie eine Fischerfamilie kennen, die so arm war, dass sie sich nicht mal den Schulbesuch ihrer Kinder leisten konnte. Chersi, die in Rom groß geworden ist und seit 2007 in Solln lebt, zog aus der Begegnung Konsequenzen: Sie gründete die Hilfsorganisation "Happy Bambini". Der Verein fördert heute Projekte in Honduras, Nepal, Pakistan, Indonesien und in der Mongolei. Trotz pandemiebedingten Reisebeschränkungen und anderen Hindernissen hat er für das Krisenjahr 2020 eine beeindruckende Bilanz vorgelegt.

Ein Schwerpunkt der Aktivitäten von "Happy Bambini" lag in Mittelamerika, wo das Kinderhilfswerk eine Schulerweiterung vorantrieb, Möbel für den Unterricht beschaffte und eine Zisterne zur Wasserversorgung errichten ließ. "Wir haben da relativ viel gemacht", berichtet Manuela Chersi, "obwohl Corona und heftige Regenfälle schon bald nach Eröffnung des Schulbaus zu Schließungen führten."

Der 45-jährigen Juristin stehen zwölf ehrenamtliche Helfer zur Seite, und die hatten 2020 auch mit hohen Hürden bei ihren Bemühungen um ein Waisenhaus sowie um 200 arme Familien in der Mongolei zu kämpfen. Dennoch gelang die Versorgung mit Lebensmitteln. Als "großen Erfolg" verbucht der 2013 gegründete Verein der Kinder- und Jugendhilfe in Entwicklungsländern ferner die Rettung eines lebensgefährlich erkrankten Kindes. Diese Aktion war mit medizinischen, juristischen, logistischen Irrungen und Wirrungen verbunden wie keine zuvor. Doch am Ende gelang die entscheidende Operation in einer römischen Klinik, der kleine Mongole wird wieder gesund. "Hat mich persönlich sehr mitgenommen", sagt rückblickend Manuela Chersi, die selbst Mutter einer vierjährigen Tochter ist.

"Happy Bambini" hat seit seiner Gründung nicht allein in fernen Ländern, sondern auch in Solln immer wieder Flagge gezeigt. Mal veranstaltete der Verein Verlosungen, mal sammelte er Lebensmittelspenden. Dann wieder mehrte er seine Finanzen durch Kuchenverkauf oder hielt Vorträge über die Verhältnisse in den Regionen seiner Hilfsprojekte. Spektakulär war eine Aktion, bei der "Happy Bambini" in Kooperation mit einem Sollner Schuhgeschäft 800 Paar Schuhe einsammelte und in die Mongolei verschickte.

Drehscheibe solcher Aktivitäten ist die Wohnung von Manuela Chersi. "Weil wir kein Büro anmieten müssen, können wir Spenden so gut wie abzugsfrei für Projekte einsetzen", sagt sie. An der Notwendigkeit privaten Engagements gibt es für sie keinen Zweifel, erst recht nicht, seit sie in Nepal die Verwüstungen durch ein Erdbeben gesehen hat. Auch in dem Himalaja-Staat fördert "Happy Bambini" eine Schule und kann dabei auf treue Spender bauen. Diese kennt Chersi zum Teil noch aus früheren beruflichen Zusammenhängen. Sie war mal bei Bertelsmann beschäftigt, versteht sich also auf Öffentlichkeitsarbeit. Und wird nicht müde, für die Projekte ihres Vereins zu werben (www.happybambini.eu).

© SZ vom 05.01.2021
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