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Solln-Prozess:2,16 Promille?

Auch Brunners ehemalige Lebensgefährtin ist sich sicher: "Er hatte keine gesundheitlichen Probleme." Oskar Brunner, der Vater des Verstorbenen, sagte, sein Sohn sei "kerngesund" gewesen.

Die junge Frau im Zeugenstand zeichnet das Bild einer harmonischen Beziehung. Zusammen seien sie ins Kieser-Fitnesstraining gegangen - es war Claudia M.s Vorschlag, weil sie Verspannungen im Rücken hatte und Dominik sei einfach mitgekommen. Sie seien zwei Jahre lang einmal pro Woche zum Training gegangen. Dominik Brunner habe zudem zwei Mal in der Woche sieben bis zehn Kilometer gejoggt und sei jedes zweite Wochenende zum Schwimmen gegangen. Vom Schwimmen kam der Geschäftsmann auch an jenem 12. September 2009.

Am S-Bahnhof Solln ist er nach einer Attacke durch die beiden Angeklagten zusammengebrochen - nachdem er Jugendlichen helfen wollten, die von Sebastian L. und Markus Sch. "abgezogen" werden sollten. Die Angeklagten sollen auf den am Boden liegenden Brunner eingeschlagen und eingetreten haben - wobei es unklar ist, inwieweit Sebastian L. an der Tat beteiligt war. Zeugenberichten zufolge soll vor allem Markus Sch. auf den am Boden Liegenden eingetreten haben.

Dann ging alles ganz schnell. Brunner stand noch einmal auf, brach dann jedoch zusammen. Eine knappe Viertelstunde verging, bis der Notarzt in Solln eintraf. Das EKG-Gerät notiert ein starkes Kammerflimmern und eine massiv erhöhte Herzfrequenz von 300 Schlägen pro Minute. Die Helfer versuchten, den am Boden Liegenden wiederzubeleben - doch ohne Erfolg: Brunner hatte bereits zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Überlebenschance, die zwischen zwei und 16 Prozent lag, erläutert eine Gutachterin.

Markus Sch. und Sebastian L. hatten sich da schon hinter einem Gebüsch nahe des Bahnsteigs versteckt. Sch. soll bei der Tat um 16:12 Uhr stark alkoholisiert gewesen sein. Gutachter Wolfgang Keil kommt in seinem Papier auf einen theoretischen Höchstwert von 2,09 Promille, als die beiden um 15:50 Uhr an der Donnersberger Brücke in die S-Bahn einstiegen, könnten es sogar 2,16 Promille gewesen sein.

Markus Sch. soll zuvor Bier sowie Wodka mit Orangensaft getrunken haben. Zudem wurden im Blut des inzwischen 19-Jährigen Wirkstoffe von Marihuana gefunden. Allerdings sagt Keil auch, dass Markus Sch. an Alkohol und Marihuana gewöhnt sein muss. Dafür spräche unter anderem, dass er trotz des hohen Alkoholwerts über die Bahngleise in das Gebüsch geflüchtet sei. Dennoch sei eine "alkoholische Enthemmung" anzunehmen, allerdings nicht in großem Maße.

Sebastian L. scheint dem Gutachten zufolge zur Tatzeit nicht unter Alkoholeinfluss gestanden zu haben. Bei ihm sei die Frage nach Alkohol von "völlig untergeordneter Rolle", sagte der Gutachter. Der Prozess wird am Nachmittag fortgesetzt. Dann wird Rechtsmediziner Keil die drängendste Frage klären - nämlich die der genauen Todesursache von Dominik Brunner.

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