Solln Bitteres Ende

Hätte gerne weitergemacht: die Vereins-vorsitzende Sibylla Abenteuer.

(Foto: Claus Schunk)

Querelen im Vorstand führen nach 21 Jahren zur Auflösung des Sollner Gewerbevereins

Von Jürgen Wolfram, Solln

Der Verein "Wir Sollner" ist am Ende. Mangelnde Bereitschaft zu aktiver Mitwirkung, Streit über die organisatorische Ausrichtung und persönliche Querelen im Vorstand mündeten bei der Jahresmitgliederversammlung jetzt in die Selbstauflösung der Gemeinschaft von Einzelhändlern und Dienstleistern. "Jeder wollte an Erfolgen partizipieren, aber keiner wollte mehr etwas dafür tun", sagte anschließend die Vorsitzende Sibylla Abenteuer. Stattdessen habe man sie mit "unhaltbaren Vorwürfen, Missgunst und Böswilligkeit" überzogen, so die "Iberl"-Wirtin. Letztlich wäre es gar nicht mehr möglich gewesen, den siebenköpfigen Vorstand zu wählen, weil es an Bewerbern für die Ämter gefehlt habe. Abenteuers langjährige Vorgängerin an der Vereinsspitze, die Schuhhändlerin Ida Maendlen, reagierte mit Bedauern: "Das tut mir in der Seele weh." Dies umso mehr, als der Vereinsvorstand früher mal eine Crew gewesen sei, die fest zusammengehalten habe.

Der Verein "Wir Sollner", vor 21 Jahren gegründet, hatte zuletzt 54 Mitglieder. Nur 17 von ihnen erschienen zur Versammlung am vergangenen Montag - ein Zeichen zunehmender Absetzbewegungen. Im öffentlichen Leben des Stadtviertels hat der Verein mal mehr, mal weniger eine Rolle gespielt. Vielen Bewohnern ist er als Veranstalter des Weinfestes auf dem Fellererplatz sowie eines Christkindlmarktes in Erinnerung. Doch genau an diesem Punkt haben sich offenbar die Streitigkeiten entzündet. Sibylla Abenteuer bestätigt dies: "Die Erwartungen an den Vorstand gingen seit Langem weit auseinander. Die einen wollten, dass wir Volksfeste organisieren, den anderen ging es mehr um herkömmliche Gewerbeförderung." Sie hätte trotzdem gern noch ein Jahr weitergemacht. Es wäre ihr drittes an der Vereinsspitze geworden.

Öffentlich in Erscheinung getreten sind "Wir Sollner"-Mitglieder zuletzt bei der "Weihnachtsmeile", einer Aktion, an der sich 34 Geschäftsleute beteiligten. Davor stand ein "Wildsaufest" auf dem Programm, das nicht allein wegen starken Regens ins Wasser fiel, sondern auch, weil es zeitlich mit dem Münchner Amoklauf kollidierte. Doch in Solln fragten sich viele Bürger und Gewerbetreibende schon länger, ob der Verein sein Ziel, die "Stärkung der Attraktivität des Wohn- und Geschäftsortes Solln", noch sichtbar verfolgt. Fragen, die obsolet geworden sind. Jetzt geht es nur noch darum, ob das Restvermögen an die Mitglieder ausbezahlt oder einem anderen Verein gespendet werden soll.

Das Ende des Vereins kommen gesehen hat René Götz. Er berät mit seiner Marketingfirma "Stadtfavoriten" seit Jahren mehrere Geschäftsleute des Viertels. Aus seiner Sicht scheiterten "Wir Sollner" an mangelnder Kompromissbereitschaft des Vorstands, insbesondere der ersten Vorsitzenden. Sibylla Abenteuer hält er für "beratungsresistent". Die Wirtin widerspricht dieser Darstellung und wirft ihrem Kontrahenten vor, die Internetseite des Vereins "elf Monate lang nicht adäquat betreut" zu haben. Die beiden fechten gerade einen Rechtsstreit aus, bei dem es genau um solche Dienstleistungen geht, man kennt sich also im Konfliktmodus.

"Alles sehr bedauerliche Geschichten", sagt Götz. Dabei habe Solln als Wirtschaftsstandort "unglaubliches Potenzial", glaubt er. Insofern ist ihm auch nicht bang um die Aktionsfähigkeit eines Teils der örtlichen Geschäftswelt. Deren neue Ladengemeinschaft "Upper Solln & friends" will Aufbruchstimmung signalisieren. Am Samstag, 1. April, startet sie erstmals eine österliche "Gutscheinsuche".