Solln:Abwehrhaltung

Sollner kämpfen gegen Kahlschlag auf einem Grundstück.

Ortstermin: Die Anwohner kritisieren, dass der Neubau in "banaler Schuhkartonarchitektur" ihr Viertel massiv verändern würde.

(Foto: Catherina Hess)

Anwohner, Lokalpolitiker und Bund Naturschutz wollen verhindern, dass an der Rugendasstraße mitten in der Gartenstadt ein kleiner Bungalow durch zwei Mehrfamilienhäuser plus Tiefgarage ersetzt wird

Von Jürgen Wolfram, Solln

Die Auseinandersetzungen um grüne Grundstücke, die massiv bebaut werden sollen, nehmen kein Ende. Schon gar nicht macht die Entwicklung vor Stadtteilen mit Gartenstadtcharakter Halt. Ein weiterer Akt dieser Dramen, die im Einzelfall oft ganz unspektakulär daherkommen, in ihrer Gesamtheit aber die Stadt sichtlich verändern, spielt derzeit an der Rugendasstraße 9 und 11. Dort, im ruhigsten Solln, soll ein 1600-Quadratmeter-Areal als Standort für gleich zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 Wohneinheiten plus einer Tiefgarage herhalten. Bisher steht dort lediglich ein kleines Wochenendhäuschen, unbewohnt seit Jahrzehnten. "Absolut unverträglich und nicht genehmigungsfähig", sagen die Anwohner zu dem Vorhaben. Bei einem Ortstermin sowie mit einem starken Auftritt im örtlichen Bezirksausschuss haben sie jüngst ihren Unmut kundgetan. Eine ihrer Wortführerinnen, Rossy Riszterer, sammelte bereits 50 Unterschriften gegen das Projekt, von dem mancher fürchtet, dass es in künftigen Konfliktfällen am Ende womöglich als Referenzprojekt herhält.

Im Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln haben die Anwohner aus der Rugendasstraße, der Schieggstraße und der Rehbergstraße einen Verbündeten gefunden. Auch die Stadtteilvertretung macht einhellig Front gegen ein Bauvorhaben, "das ob seiner Massivität in der näheren Umgebung keinerlei Entsprechung findet". Zuviel Fläche würde versiegelt, ein üppiger Baumbestand vernichtet. Der BA fordert vom Bauherrn, die Grundflächenzahl des Projekts zu verringern. Befreiungen von den Baugrenzen soll es keinesfalls geben.

Unbedingt zu schützen sei der "absolut erhaltenswerte Baumbestand" auf dem betreffenden Grundstück, fordern unisono BA, Anwohner und auch der Bund Naturschutz. Die Gehölze befinden sich größtenteils in Randlage, was ihre Schonung erleichtern sollte. Durch die Errichtung eines zusammenhängenden Baukörpers mit insgesamt weniger Wohneinheiten statt der beantragten zwei Mehrfamilienhäuser sowie durch eine Verkleinerung des Tiefgaragenumgriffs wäre es möglich, den Baukörper so zu verschieben, dass wertvolle Bäume erhalten werden könnten, glaubt der BA. Unter den botanischen Kostbarkeiten: eine 28 Meter hohe Douglasie mit 3,55 Metern Stammumfang, eine 20 Meter hohe Lärche mit 2,70 Metern Stammumfang sowie ein 16 Meter hoher Walnussbaum mit 2,01 Meter Stammumfang. "Die Rettung der Bäume ist für den Erhalt der gartenstädtisch geprägten Umgebung essenziell", betont der BA in seinem Beschluss.

Den Anwohnern geht es indes nicht nur um den Baumschutz und das damit verbundene Mikroklima. Vor dem BA wiesen ihre Vertreter im Bürgersaal Fürstenried überdies auf die Gefahren einer starken Versiegelung hin; schon jetzt hätten sie bei Starkregen mit Überflutungen zu kämpfen. Ferner monierten sie, dass die vorgeschriebenen Abstandsflächen nicht eingehalten würden, die Geschossflächenzahl alle üblichen Dimensionen sprenge und die jetzige Prägung der Rugendasstraße wegen der Höhe der geplanten Baukörper "massiv missachtet" werden. Auch füge sich die "banale Schuhkartonarchitektur" nicht in die Umgebungsbebauung ein, sie zerstöre vielmehr den Gartenstadtcharakter. Obendrein drohten "erhebliche Unfallgefahren" durch die geplante Tiefgaragenabfahrt an der Schieggstraße. Sogar die Fauna könnte durch die Wohnanlage Schaden nehmen: Auf dem Grundstück Rugendasstraße 11 sollen Fledermäuse, das seltene Braunkehlchen, Grünspecht, Grünfink und Eichhörnchen vorkommen.

Trotz übereinstimmender Kritik am Bauvorhaben warnte der BA-Vorsitzende Ludwig Weidinger (CSU) vor übereilten Schlussfolgerungen: Es sei gut möglich, dass eine Verhinderung oder Verkleinerung des Projekts am Baurecht scheitert, sagte Weidinger. Man könne nur hoffen, dass wegen der "Grünqualität" der Gegend auch die Lokalbaukommission "Nein" sagt, ergänzte Michael Kollatz (SPD). Dass am Ende "irgendein Baurecht realisiert wird" und dabei "Bezugsfälle in die Abwägung einbezogen werden", sei jedoch kaum zu vermeiden.

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