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Großveranstaltungen:Kein Geld ohne politischen Druck

Von ihrer Altbauwohnung an der Münchner Freiheit ist sie in wenigen Minuten am Arbeitsplatz. Muss ein Projekt fertig werden, sitzt sie dort "auch mal zwölf Stunden". Vieles muss warten: der Urlaub, die Familienplanung, der Traum, einmal einen Sechstausender in Nepal zu besteigen. Deshalb sei es beruhigend, den Partner mit im Team zu haben. Als Finanzmathematiker sei er ein guter Mitarbeiter, "der von außen wichtige Impulse geben kann".

RNPS IMAGES OF THE YEAR 2010 - GERMANY -

Bei der Loveparade in Duisburg kam es 2010 zur Katastrophe.

(Foto: Reuters)

Anregungen bekommt die Münchnerin auch von anderer Seite. Als eine von sieben Frauen ist sie für das "HVB Gründerinnen-Mentoring 2014" ausgewählt worden. Insgesamt 170 Unternehmerinnen hatten sich mit ihren innovativen Business-Ideen beworben. Sechs Monate lang wird die Informatikerin nun von einer erfahrenen Unternehmerin gecoacht und ermutigt, sich "smarte Ziele" zu setzen, die realistisch und messbar sind. "Ich habe gelernt, dass man oft aus seiner Komfortzone herausmuss und sich dabei trotzdem wohlfühlen kann", resümiert Kneidl ihre bisherigen Erfahrungen.

Akquise in schwierigem Umfeld

Im ersten Jahr nach der Gründung wurde das Start-up noch durch ein Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. Seit Anfang 2015 muss Kneidl nun mit ihrem Team alleine zurecht kommen. Das bedeutet momentan vor allem, sich der Akquise zu widmen: "Ein neues Projekt in Zürich ist sicher und ein paar andere sind in der Pipeline", sagt Kneidl. Dennoch findet sie es manchmal "traurig, wie wenig Geld Veranstalter für Sicherheit ausgeben wollen". In Großbritannien würden beim Neu- und Umbau von U-Bahnstationen bereits entsprechende Simulationen eingesetzt. Deutschland hinke hier hinterher. "Aber solange politisch kein Druck ausgeübt wird, will niemand Geld ausgeben", sagt Kneidl.

Love Parade Zweifel an zentralem Loveparade-Gutachten
Katastrophe in Duisburg 2010

Zweifel an zentralem Loveparade-Gutachten

Vier Jahre nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg gibt es Kritik an dem Gutachten, auf das sich die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen stützte: Es soll eine Mitarbeiterin beteiligt gewesen sein, die gleichzeitig für das Innenministerium arbeitete. Ein Interessenkonflikt?   Von Bernd Dörries

Der größte Auftrag war bislang eine Simulation für eine Großveranstaltung mit rund 7000 Menschen in einem Kreuzfahrthafen. Was passiert, wenn die im Hafen aufgebaute Bühne in Brand gerät oder einstürzt? Wohin strömen die Menschen? Viele Varianten spielte Kneidls Team am Computer durch und deckte Schwachstellen im Sicherheitskonzept der Planer auf. Klar wurde schnell, dass man die Menschen nicht zurück zu den Schiffen schicken sollte, weil sich sonst Menschentrauben an den Zugängen bilden würden. Stattdessen müssten die Menschen auf Seitenwegen am Hafen evakuiert werden.

Die Hauptaufgabe: Schwachstellen aufdecken

Und was ist mit Schwachstellen der Simulation, ihrem eigenen Haftungsrisiko? "Natürlich bilden wir nur den Idealfall ab und können nicht alle Eventualitäten implementieren, wie die, dass etwa ein Mensch stolpert", sagt Kneidl. Ihre Firma lege aber nicht die Maßnahmen fest, sondern überprüfe nur "nach State of the Art", ob Sicherheitspläne funktionieren.

Wie sich Menschen fortbewegen, beobachtet die Informatikerin längst nicht mehr nur am Computer. Bildet sich in einer U-Bahnstation eine Schlange an einer Rolltreppe, schaut Kneidl genau hin. Sie will wissen, wer welchen Weg nimmt. Auch über die Wiesn schlendert sie "nicht mehr so leichtfüßig" wie früher, sondern mit "einem geschärften Blick für potenziell gefährliche Situationen". Das Sicherheitskonzept des größten Volksfests der Welt zu überprüfen, wäre eine schöne Herausforderung: "Wir warten noch darauf, eine Simulation für die Wiesn erstellen zu dürfen", sagt Kneidl.