Social Entrepreneurship Auf einer guten Idee muss niemand sitzenbleiben

Ähnliches soll nun auch im Osten Münchens wachsen. Im Social Impact Lab an der Balanstraße 73 ist viel Platz dafür. Im einstigen Showroom einer Turnschuhfirma sitzt nun das dreiköpfige Team des Münchner Ablegers der Innovationsagentur. Weiß gekachelte Wände, gestapelte Weinkisten, ein Kühlschrank mit Mate-Limonade und W-Lan-Passwörter begrüßen die Besucher.

Social Impact Labs gibt es deutschlandweit in zahlreichen großen Städten. Dass Duisburg vor München sein Lab hatte, zeugt wohl von der bajuwarischen Gelassenheit. Dafür aber bietet das Social Impact Lab Raum für ein besonderes Gründerprogramm: Geflüchtete, die sich selbständig machen wollen, finden hier Unterstützung. Das Pogramm mit dem kryptischen Namen "THSN for Refugee Start-Ups" wendet sich gezielt an Gründer mit Fluchtgeschichte, vom Gastrobetrieb bis zum Medienprojekt.

Das Impact Hub im Schlachthofviertel ist ein Treffpunkt für Gründer. Bei einem Festival kamen Sozialunternehmer aus der ganzen Stadt zusammen.

(Foto: oh)

Seit Mitte September arbeiten zwölf Gründer auf gut 350 Quadratmetern auf dem Campus an der Balanstraße an ihren Ideen, beworben hatten sich 20 Menschen. Die Gründungsideen reichen vom Kulturzentrum über ein Falafelbistro bis hin zur Umzugsfirma. Was daran nun der sozialunternehmerische Aspekt sei, muss Gründungsberaterin Kerstin Reimers zuweilen erklären: "Bei uns steht nicht so sehr im Vordergrund, welches Produkt oder welche Dienstleistung das Unternehmen hervorbringt. Das Soziale an unserem Programm ist, dass wir benachteiligten Menschen, in diesem Fall Flüchtlingen, überhaupt eine Chance geben zu gründen."

Reimers selbst hat ein Projekt mitgegründet, das Schokolade in Ghana produziert statt Kakao zu exportieren. Nun berät die 32-Jährige eine kenianische Unternehmerin, die Tee importieren möchte. "Unsere Projekte stehen noch komplett am Anfang." Man verlange auch keine Präsentation am Anfang, Pitch, wie Reimers das nennt, "wir führen Einzelgespräche mit den Bewerbern". Wer ein Stipendium bekommt, erhält Zugang zum Arbeitsplatz, einen Laptop, regelmäßiges Coaching und Seminare.

München sei lange eine Stadt der Industrie gewesen, aber jetzt entwickle sich hier eine Szene fürs Sozialunternehmertum, sagt Reimers und schwärmt: "Vielleicht ist der Begriff Bavarian Valley ein bisschen gehypt, aber wenn bei einer Veranstaltung wie neulich dem Social Business Meet-up plötzlich knapp 70 Menschen hier im Raum stehen, dann ist das ein tolles Gefühl."

Kristina Notz von der Social Entrepreneurship Akademie, einem gemeinsamen Weiterbildungsangebot der Münchner Hochschulen, sieht auch die Universitäten als wichtige Orte für das Sozialunternehmertum. "Die Inkubatoren wie beispielsweise das LMU Entrepreneurship Center oder das Strascheg Center for Entrepreneurship generieren auch Start-Ups, die einen gesellschaftlichen Mehrwert erzeugen wollen." Notz ist jedenfalls überzeugt: Auf einer guten Idee muss in München keiner mehr sitzen bleiben.

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