Süddeutsche Zeitung

"Snowdance Film Festival":Standpunkte mit Köpfchen

Auf dem "Snowdance Film Festival" in Landsberg sind an neun Tagen Independent-Produktionen zu sehen. Zudem soll ein Manifest entstehen.

Der rote Teppich ist schon so ein zentraler Aufenthaltsort. Für Prominente wie für Fotografen und Filmteams. Wer auf einem Filmfestival etwas bedeutet, sollte sich dort also einmal blicken lassen, normalerweise. Es gibt nämlich auch Festivals, die bewusst auf diese Art der Inszenierung verzichten. Und dazu gehört das "Snowdance Film Festival" in Landsberg am Lech. "Die Nachfrage nach den Prominenten hat uns gestört", sagt Festivalleiter und -mitbegründer Tom Bohn. Der Fokus solle auf den Filmen liegen. Filme, sagt der Regisseur, die sonst nirgendwo zu sehen sind, die von unabhängigen Filmemachern produziert worden. "Wir sehen uns als Avantgarde und Speerspitze des deutschen Films", sagt Bohn. Deshalb also: keine Promis auf rotem Teppich.

Zum fünften Mal nun wird das "Snowdance" in Landsberg stattfinden. Von Samstag, 27. Januar, bis zum 4. Februar sind in der Stadt am Lech 23 Langfilme und 50 Kurzfilme zu sehen. Es sind Dokumentationen genauso wie Horrorfilme, Komödien oder Thriller. Zehn sehr unterschiedliche Filme laufen dabei im Wettbewerb, etwa die US-Produktion American Pets, die Thriller und Milieustudie zusammenspannt. Oder die deutsche Komödie Maybe, Baby!, bei der Julia Becker als Drehbuchautorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin agiert. Oder die Dokumentation Fruition- Life and Dreams of Nicolas Mueller des Schweizer Regieduos Martin Luchsinger und Sean Fee, der die Geschichte des titelgebenden Snowboarders erzählt.

Schirmherr in diesem Jahr ist Schauspieler Götz Otto, der damit Heiner Lauterbach ablöst. Etwas Prominenz ist nämlich doch im Sinne des Festivals, das sich über die vergangenen Jahre immer mehr Aufmerksamkeit sichern konnte und bislang stetig gewachsen ist - von 25 Einreichungen im ersten Jahr bis zu 418 im vergangenen. Diesmal haben die Organisatoren versucht, das Festival wieder etwas kleiner zu halten. Es gab keine Werbung, die Einreichgebühren wurden verdoppelt. Dennoch bewarben sich 320 Filmemacher aus 54 Ländern. "Wir haben das beste Programm seit der Gründung", schwärmt Bohn. Das liege an der Qualität der Filme, die alle professionell gedreht worden seien.

Weitere Aufmerksamkeit soll dem Festival in diesem Jahr nun auch ein "Manifest" verschaffen. Podiumsdiskussionen über den unabhängigen Film gab es in Landsberg schon immer. Diesmal soll das im Plenum Besprochene aufgeschrieben werden. Das Manifest soll Bestandsaufnahme sein und Forderungskatalog an Förderanstalten und Politik. Schließlich soll der unabhängige Film weitere prosperieren, wenngleich auch nicht im grellen Scheinwerferlicht.

5. Snowdance-Film Festival, Sa., 27. Jan., bis So., 4. Feb., Landsberg am Lech, verschiedene Orte, www.snowdance-filmfestival.de

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SZ EXTRA vom 25.01.2018/amm
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