Ausstellung in MünchenStreet-Art für die Piste: Das sind die schönsten Snowboards

Lesezeit: 3 Min.

Die Techniken sind ganz unterschiedlich, die Form des Bretts schafft den Rahmen.
Die Techniken sind ganz unterschiedlich, die Form des Bretts schafft den Rahmen.
Frank Schroth

Im Sommer an den Winter denken: In der Orangerie im Englischen Garten werden Snowboards ausgestellt, die von Street-Art-Künstlern gestaltet wurden. Alles Unikate, die der Münchner Steff Neukam seit Jahren sammelt.

Von Jürgen Moises

SZ bei Google bevorzugen

Mit einem Hahn mit roten Skiern und roten Skistöcken fing alles an. Den hatte der Münchner Graffiti-Künstler WON ABC zusammen mit blauem Hintergrund und riesigen Schneeflocken auf ein Snowboard gemalt oder gesprüht. Der Anlass dafür war das alpine Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. Das war im Jahr 2009 oder 2010, soweit sich Steff Neukam erinnert. Er hatte das Board damals gesehen, „weil wir dort eine Skihütte hatten. Und das habe ich dann gekauft“.

Was damals noch ein Einzelstück war, als ein von einem Street-Art-Künstler gestaltetes Snowboard, das ist heute Teil und Grundstein einer beachtlichen privaten Sammlung. Rund 40 Boards von 33 Künstlern sind es aktuell, die Steff Neukam beisammen hat. Alles Unikate, die nun erstmals öffentlich zu sehen sind.

Und zwar vom 3. bis zum 6. September unter dem Titel „The Art of Snowboards“ in der Orangerie im Englischen Garten in München. Bei der Eröffnung der Ausstellung am 3. September um 18 Uhr werden, so Neukam, mehr als 20 der beteiligten Street-Art-Künstler anwesend sein. Zudem ist es so, dass alle dort neben den Boards noch ein weiteres, frei gewähltes Kunstwerk zeigen und verkaufen können. Denn das soll laut Neukam „The Art of Snowboards“ im Wesentlichen sein: „Ein großes Dankeschön an die Artists.“ Zu diesen gehören neben WON ABC mit Loomit und Eliot the Super etwa noch zwei weitere Münchner Street-Art-Legenden. Und mit Moire Gradient alias Miriam Ganser ist die Münchner Künstlerin und Designerin dabei, die 2025 das Markendesign für das Finale der Uefa Champions League gestaltet hat.

Dann sind da auch noch Cemnoz, Pyzer One, Gerald Jegal, Mores, Stefanie Haslberger oder Manuela Illera aus München. Mit HNRX aus Innsbruck, Thiago Goms aus São Paulo oder dem Argentinier Francisco Bosoletti sind zudem internationale Künstler vertreten. Von Bosoletti gibt es so wie von einigen anderen sogar zwei Boards. Und das eine davon ist Neukams Lieblingsboard, wie er am Telefon sagt. Das hat er „mir quasi zum Abschied aus dem Wirtschaftsleben“ gemalt. Das war vor drei Jahren, als Neukam seinen Job als Geschäftsführer der in München und Nürnberg ansässigen Kreativberatungsagentur Bloom an den Nagel hing und Vorstand der Meistro Stiftung für Umwelt- und Naturschutz mit Schwerpunkt „Erneuerbare Energie“ in Ingolstadt wurde.

Sein Lieblingsboard von Bosoletti? Das zeigt eine Frau, „gemalt wie die alten Meister“, wie es Neukam beschreibt. „Und die Besonderheit ist, dass er die Unterseite des Boards genommen hat. Also sprich die schwarze Seite. Alle anderen haben die Oberseite genommen.“ Das Besondere am zweiten Board des Argentiniers ist, dass er das Motiv, eine Figur im Wald, als „Negativ“ gemalt hat. So wie er es bei seinen meisten Street-Art-Werken macht und wie er es auch vor zwei Jahren bei einem Wandbild am Münchner Candidplatz gemacht hat. Wer das Motiv „richtig“ sehen will, muss es mit dem Handy fotografieren und mit einer entsprechenden App in ein „Positiv“ verwandeln.

Nur gucken, nicht fahren: Die Snowboard-Kunst ist nicht für den Gebrauch bestimmt.
Nur gucken, nicht fahren: Die Snowboard-Kunst ist nicht für den Gebrauch bestimmt.
Frank Schroth

Was gibt es noch an Techniken? Eigentlich alles. „Die einen haben Öl genommen, die anderen gesprayt, die nächsten haben Acryl genommen, die nächsten Autolack.“ Was weitere Motive angeht, da gibt es bei Thiago Goms eine Riesenkatze, die mit einer rosa Jacke bekleidet auf einem Hausdach steht. Bei Pyzer One gibt es eine Mischung aus Handwriting und gelben Farbflächen. Moire Gradient hat lustige Figuren wie eine grinsende Zitrone und eine grinsende Ananas gemalt. Auf dem Board von Loomit sieht man netzartige Formen in Blau, Grün, Lila und Rosa. Und der aus Pfaffenhofen stammende Patrick Hartl verbindet Graffiti mit Kalligrafie.

Wie Neukam an die Künstler kam? Nun, das hat viel damit zu tun, dass er zusammen mit Heiko Zimmermann 2012 „Art Avenue“ gegründet hat. Eine „Floating Gallery“ für Street-Art, was bedeutet, dass diese „keinen festen Ort hat, sondern immer da reingeht, wo gerade frei ist. Das kann ein Club sein, es kann ein Waschsalon sein“, wie Neukam erklärt. Was die Auswahl der Künstler angeht, die macht Heiko Zimmermann. Es betreut sie auch und macht, so Neukam, bei den Ausstellungen die Hängungen. Steff Neukam ist dagegen finanziell, aber durchaus auch kuratorisch beteiligt. Und über die Galerie hat er im Grunde alle Künstler kennengelernt.

Dass sich der Münchner für Kunst, Kultur und lokale Szenen interessiert, das zeigt auch die Tatsache, dass er Gesellschafter beim bekannten, in Nürnberg und München erscheinenden Kultur- und Lifestyle-Magazin curt ist und dieses vor Jahren ebenfalls mit gegründet hat. Er selbst beschreibt es als „regionales Supporter-Magazin“, das dem „kleinen Einzelhandel“ oder „kleinen Vereinen“ eine Bühne gibt, um „bekannter zu werden“.  Das spiegelt sich insofern auch bei den Snowboards wider, als dabei „alle gleich behandelt“ wurden. „Egal ob sie bekannt sind oder eben gerade mit einem Kunststudium fertig geworden sind.“ Die einzige Vorgabe war, „ein Snowboard als Leinwand zu nehmen“.

Gefahren ist Steff Neukam übrigens noch auf keinem. Das würde bei einigen gehen, sagt er, „aber da wird man natürlich die Kunstwerke kaputt machen.“ Stattdessen hatte er sie jahrelang zu Hause, einen Teil bei seinen Eltern und bei seinem Sohn in Wien gelagert. Seit knapp zwei Wochen sind nun aber „allesamt in München, und ich hab sie“, sagt Neukam, „das erste Mal alle zusammen gesehen.“ Dieselbe Chance haben nun auch alle Street-Art- und Snowboard-Fans. Den Schnee muss, wer den braucht, dann noch dazu denken.

The Art of Snowboards, 3. September, 18 Uhr (Eröffnung), bis 6. September, Orangerie, Englischer Garten 1A, www.art-avenue.de/the-art-of-snowboards

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Ausstellung in München
:Zwischen Francis Bacon und Banksy

Antony Micallefs Trump-Porträt auf einer Zigarettenschachtel ging im Netz viral. Und mit seiner Malerei hat der Brite den Musiker Peter Gabriel beeindruckt. Nun ist in München eine Retrospektive des Künstlers zu sehen.

SZ PlusVon Jürgen Moises

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: