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Skaten:Auf Beton trainieren, von Marmor träumen

Pacel und Ali Khachab (von links) wollen noch in diesem Jahr eine Skaterhalle im Kreativquartier eröffnen.

(Foto: Lilian Alden)

Was wurde aus den Münchner Skatern, die 2020 für Libanon bei den Olympischen Spielen antreten wollten? Pacel und Ali Khachab wollen in Beirut einen Skate-Park bauen. Erst einmal verfolgen sie aber Pläne für München.

Von Michael Bremmer

Der Traum von Marmor bleibt noch eine Weile unerfüllt. Aber es wäre auch zu schön gewesen: Zwei junge Skater, Pacel und Ali Khachab, 26 und 29 Jahre alt, die als Kinder libanesischer Eltern in München aufgewachsen sind, wollen für Libanon bei den Olympischen Spielen antreten. Sie wollen die mediale Aufmerksamkeit nutzen und Kinder in ihrem Heimatland für ihren Sport begeistern. Und sie wollen in Beirut einen Skate-Park bauen. Aber nicht nur dort: Auch für München haben die Brüder große Pläne.

Die Olympischen Spiele in Tokio wurden wegen Corona auf 2021 verlegt - und die Qualifikation läuft noch. "Wir haben das Potenzial und die Tricks, um die Quali zu schaffen", sagt Pacel Khachab ganz zuversichtlich. Derzeit liegen die Brüder im Mittelfeld. Schon ein erfolgreiches Event, so der Münchner, könnte reichen, um sich nach vorne zu schieben. "Ich sehe es wirklich als realistisch an, dass wir es schaffen." Aber Pacel Khachab hält es für nicht sehr wahrscheinlich, dass in diesem Jahr die Olympischen Spiele ausgetragen werden können. Aber aktuell muss er sich eh erst um die Münchner Skater-Community kümmern. Er will noch in diesem Jahr eine Skaterhalle im Kreativquartier eröffnen.

Pacel und Ali Khachab wurden in München geboren. Aber regelmäßig besuchten sie die Heimat ihrer Eltern. Weil sie seit ihrer Kindheit skaten, sind sie natürlich auch an der Skaterszene in Beirut interessiert - die aber kaum vorhanden ist. An die 50 bis 100 Skater gebe es dort, schätzt Pacel Khachab. Das will er ändern. Sein großes Ziel sei es, in Beirut einen Skate-Park zu bauen. "Es gibt in dieser Stadt so viele arme Kinder. Ich möchte ihnen etwas geben, damit sie auch mal auf andere Gedanken kommen. Dafür ist Skaten ideal."

Auch sei die Stadt wie gemacht für diesen Sport, mit ihrem vielen Marmor auf öffentlichen Plätzen. Allerdings werden die Skater in Beirut meist von Security-Kräften, die Gebäude bewachen, verjagt - das haben Pacel und Ali Khachab selbst miterlebt, als sie 2017 in Beirut ein Video drehten und sogar von einem Spot zum nächsten verfolgt wurden. Sollten die Brüder dagegen tatsächlich für Libanon bei den Olympischen Spielen starten, würde sich das Image ändern, glauben sie.

Auch in München haben Skater nicht so einen guten Stand. 2010 wurde eine bestehende Halle geschlossen. Eine überdachte Anlage, die Skater selbst ohne Genehmigung errichten hatten, wurde im Herbst plattgemacht. Die Pläne der Stadt, in Pasing eine Halle zu eröffnen, verzögern sich. Deswegen sind nun Pacel und Ali Khachab selbst aktiv geworden. Sie haben sich im Kreativquartier für ein ehemaliges Atelier an der Dachauer Straße beworben und den Zuschlag erhalten. Fünf Jahre soll der Mietvertrag gelten, bis Ende April soll die Nutzungsänderung abgeschlossen sein.

Derzeit läuft ein Crowdfunding, um den Umbau des 300 Quadratmeter großen Ateliers zu finanzieren. 30 000 Euro benötigen die Brüder, knapp 18 000 Euro sind - Stand Dienstag - zusammengekommen. Geplant ist ein Parcours mit zertifizierten Holzrampen und Hindernissen, "die jedoch für Anfänger und Fortgeschrittene kleine Veränderungen zulassen", erklärt Pacel Khachab. Ganz uneigennützig ist das Engagement der Brüder nicht. Sie führen im Olympiapark eine Skaterschule - auf einen unbedachten Skaterplatz. Doch im Freien ist das Unterrichten gerade im Herbst und Winter nur selten möglich. Auch regelmäßiges Training für die Olympia-Qualifikation fällt dann häufig flach.

Aber das ist nur ein Teil der Motivation. "Es ist mir sehr wichtig, dass die bestehende Münchner Skate-Community nach zehn Jahren wieder eine geeignete Indoor-Skatehalle bekommt und die Skater somit eine ganzjährliche Möglichkeit für ihre Leidenschaft vorfinden können", sagt Pacel Khachab. Bis zu 3000 Skater sind nach Schätzungen vom Verein Skateboarding München in München aktiv. Auch sozial Benachteiligten möchte Khachab diesen Trendsport ermöglichen, sei "es durch Skateboarden, Kunst, Musik oder anderen Workshops", wie es in den Bewerbungsunterlagen heißt. Deswegen ist auch ein Beamer für Skateboard-Videos, eine Musikanlage und "eine Chill-Area mit paar Sofas" geplant. Es soll, so Khachab, "nicht nur eine einzigartige Anlaufstelle für diverse Jugendgruppen errichtet werden." Mit der Halle könne "auch ein grundlegendes Fundament" für die generelle Entwicklung des Skateboard-Sports gelegt werden.

Am Boden der Halle muss übrigens nichts geändert werden. Er ist glatt, ein Betonboden, zum Skaten geeignet, sagt Pacel Khachab. Den Traum von Marmor gibt er nicht auf. "Wir wollen in naher Zukunft den Skatepark in Beirut realisieren", sagt er.

© SZ vom 13.01.2021/lfr
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