Serie Lieblingsdings:Ein Altar für Saraswati

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Serie Lieblingsdings: Sissi Perlinger sagt, sie habe die Götterstatue in einem Laden auf Ibiza entdeckt - und sich sofort in sie verliebt.

Sissi Perlinger sagt, sie habe die Götterstatue in einem Laden auf Ibiza entdeckt - und sich sofort in sie verliebt.

(Foto: privat)

Sissi Perlinger erklärt, warum eine Götterstatue ihre Lebensaufgabe verkörpert. Und die Künstlerin verrät eine Veränderung in ihrem Leben.

Von Gerhard Fischer

Sissi Perlinger ist so etwas wie ein personifizierter Tausendsassa. Nein, eine Tausendsassa sagt man heutzutage, wenn es sich um eine Frau handelt, und das ist nicht nur politisch korrekt, sondern auch grammatikalisch. Also, so eine Tausendsassa hat doch bestimmt tausend Lieblingsdinger, oder? Perlinger überlegt erst mal, als man sie nach ihrem Lieblingsdings fragt. Sie bittet um Bedenkzeit. Hat sie keins? Hat sie zu viele? Dann meldet sie sich von ihrem Zweitwohnsitz auf Ibiza: "Mir fiel plötzlich meine wunderschöne Statue von Saraswati ein." Das sei die Göttin, die in der indischen Mythologie für Musik, Poesie und Weisheit zuständig sei. Diese Statue sei ihr Lieblingsdings, ganz sicher, sagt Perlinger. "Musik, Poesie und Weisheit zu verknüpfen, das ist die Aufgabe meines Lebens."

Sissi Perlinger, 59, ist Schauspielerin, Tänzerin, Musikerin, Autorin und emotionale Bühnen-Schamanin im Leoparden-Look. Vermutlich hat man bei der Aufzählung noch etwas vergessen. Perlinger wohnt mal in München, mal auf Ibiza, manchmal auch in Goa. In München (respektive in ganz Deutschland) hat sie ihre Sissi-Auftritte, auf Ibiza und in Goa lebe sie weniger "termingebunden", sagte sie mal in einem SZ-Interview; dort sei sie eine "Zeitmillionärin". Sie könne jeden Tag meditieren, Yoga machen, Gitarre üben, Schlagzeug üben, Programme schreiben, Bücher schreiben, Gedichte schreiben, an Workshops teilnehmen, singen, trommeln, tanzen. Vermutlich hatte sie bei der Aufzählung noch etwas vergessen.

Was man nicht vergessen sollte: In einem Nebensatz erwähnt Sissi Perlinger, dass sie Ende November zum "allerletzten Mal" in Deutschland auftreten werde, im Prinzregententheater in München. Natürlich hört sie nicht ganz auf. Aber künftig wolle sie "auf Englisch und mit mehr Schwerpunkt auf meine Songs im Ausland weiter kreativ sein". Mehr wolle sie momentan dazu nicht sagen.

Zurück zur Statue der Göttin Saraswati. Diese befindet sich auf Ibiza. "Ich habe ihr in unserem Haus einen kleinen Altar gebaut", sagt Perlinger. "Sie lächelt mich an, wenn ich musiziere und neue Lieder und Texte schreibe." Das passt insofern, als die Statue ein Instrument in den Händen hält: eine Vina. "Das ist quasi die kleine Schwester der Sitar", erklärt Perlinger, eine indische Langhalslaute. Sie, also Sissi Perlinger, sei nie bei einem Guru oder in einem Ashram gewesen, aber sie kenne die indische Mythologie - und sie liebe diese für ihre Bilder und Metaphern. "Nachdem ich 20 Jahre meines Lebens jeden Winter einige Monate in Indien verbracht habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Es tut mir gut, dass es dort auch weibliche Götter gibt, nicht nur Vater, Sohn und heiliger Geist."

Die Saraswati-Statue hatte sie eines Tages in einem Laden auf Ibiza entdeckt. Perlinger war überrascht, diese zu sehen, denn Saraswati sei nicht so häufig zu finden. "Ich habe mich sofort in ihre Schönheit und ihr Lächeln verliebt", sagt sie. Ihr leiblicher Vater, der sie auf Ibiza besuchte (und im Laden dabei war), habe sofort erkannt, dass er ihr damit eine große Freude bereiten könne - und schenkte ihr die Statue. "Er war Doktor der Chemie und für solche Dinge normalerweise nicht sehr empfänglich", sagt Perlinger. "Aber in dem Moment war er ganz offen." Er habe verstanden, "dass die Anwesenheit von so etwas Schönem die Umgebung höher schwingen lässt."

In "Lieblingsdings" erzählen Menschen, woran ihr Herz hängt, was sie durchs Leben begleitet, ihnen Glück bringt und wovon sie sich niemals trennen würden.

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