Das gute alte Trio, es gehört seit jeher zu den klassischen Formationen, wenn es um Musik geht. Sei es im Jazz, in der Klassik oder auch im Pop, wo einst ein Trio namens Trio („Da Da Da“) neue Maßstäbe in Sachen Minimalismus setzte – es wimmelt allüberall nur so von Trios. Und doch stechen jene drei, die nun im Werkraum der Kammerspiele ihr schlicht „Trio“ betiteltes Debüt (Squama Records) vorstellen, allein schon in Sachen Instrumentierung aus der Masse hervor.
Denn auch wenn es in der weiten Welt der Musik an sich nichts gibt, was es nicht schon irgendwo gibt – ein Trio in der Besetzung „Schlagzeug, Schlagzeug, Schlagzeug“, wie es der Münchner Schlagzeuger Simon Popp unter seinem Namen versammelt hat, ist dann doch mindestens eine absolute Rarität. Andererseits: So organisch wie sich die drei Drumsets von Simon Popp, Sebastian Wolfgruber und Flurin Mück auf dieser außergewöhnlichen Platte verbinden, könnte man letztlich auch von einem enorm ausdrucksstarken Instrument sprechen, das hier von dreien zusammen bedient wird.
So oder so darf man auf „Trio“ einem wahren Fest des Rhythmus beiwohnen, ohne dass einem dieses Unternehmen vor lauter Elfachteltakt-Komplexitäten und polyrhythmischer Verschachtelungen überfordernd auf den Geist schlägt. Wenngleich Popp, Wolfgruber und Mück hier durchaus auch mal ihre Lust an der Abstraktion ausleben, so erschaffen sie über ihr uhrwerkhaft präzises Zusammenspiel doch derart edel verdichtete Grooves und Atmosphären, dass einen diese mehr aus weltmusikalischen als aus jazzigen Traditionen gespeiste Musik alsbald in ihren Bann zieht.
Zu tun hat das nicht zuletzt auch mit ihren faszinierend fremdartigen Texturen, zusammengesetzt aus subtilen elektronischen Effekten und einem Percussion-Arsenal, das bei Holzblöcken und Klangschalen anfängt und bei gestimmten Gongs, Tempel- und Röhrenglocken oder dem meditativen Schimmern der Zungentrommel noch lange nicht aufhört.
Der Sound schickt einen eher auf den Tanzboden als auf die Yogamatte
Nach Räucherstäbchen riecht das bei allem fernöstlichen Anklang trotzdem nicht. Denn allein was die drei in Tracks wie dem lautmalerisch betitelten „OiOOiOiiOi“, dem süß verklingelten „Awen“ oder der geschmeidig groovenden Hommage auf die österreichische Pflaumenmusspezialität „Powidl“ zusammenklöppeln und -trommeln, schickt einen im Zweifelsfall eher auf den Tanzboden als auf die Yogamatte.
Wenig verwunderlich eigentlich, wenn man bedenkt, wie konsequent Simon Popp als Drummer zwischen den Welten wandelt. Sei es als Solo-Studiotüftler oder als Kollaborationspartner der naturinspirierten Münchner Elektronik-Produzentin Polygonia auf dem gemeinsamen Album „Candid“; als Teil der jazzigen Münchner Groove-Maschine Fazer, des psychedelischen Downtempo-Duos Poeji, oder des nicht minder verspulten Dub- und Neo-Krautrock-Projekts 9ms – stets zielt sein Spiel ebenso sehr in die Hüft- wie in die Hirngegend.
Im Werkraum der Kammerspiele stellt das Simon Popp Trio sein Debüt nun zwar im kleinen bestuhlten Rahmen vor. Wer sich zur Musik bewegen möchte, sollte trotzdem Gelegenheit dazu finden.
Simon Popp Trio, Mittwoch, 10. Dezember, 19.30 Uhr, Kammerspiele Werkraum, Hildegardstraße 1

