Die neueste Party: Silvestermeile

Ganz neu ist die Idee einer Silvestermeile nicht, so eine riesige Party für alle in der Münchner Innenstadt gab es schon mal in der Millenniums-Nacht. Und eine ganze Meile wird es auch nicht werden, auf der sich die erhofften 20000 Gäste zwischen Street-Food-Buden und Bühnen ausbreiten können, immerhin werden 800 Meter der Ludwigstraße hinter dem Siegestor befeiert. Aber nicht befeuert: Veranstalter Alex Wolfrum und sein Team haben sich explizit gegen Raketenfeinstaub und gefährliches Geböller entschieden.
Stattdessen hat der Installationskünstler Matthias Singer eine Laser- und Lichtshow erschaffen, die ihresgleichen sucht: Die gesamte Meile werde illuminiert, herausragende Gebäude mittels Video-Mapping zur Leinwand. An der Ludwigskirche erstrahlt um Mitternacht ein digitales Feuerwerk aus Lichtpartikeln, um 22 Uhr bereits in einer gekürzten Variante für Familien.
Für den Erwachsenen-Ticket-Preis von 40 Euro gibt es Musik für viele Geschmäcker: auf der Pop-und-Party-Bühne am Siegestor etwa die München-Berlin-Soul-Guerilla Moop Mama und Gerry & Gary, auf der Singer-Songwriter-Stage am Geschwister-Scholl-Platz Jesper Munk, die Schwuhplattler und Alphorn-Techno, am Professor-Huber-Platz Hip-Hop-Beats kuratiert vom Crux-Club, und an der Ludwigskirche Elektro-DJs.
Beim Silvester-Open-Air hofft man nun auf gutes Wetter, die Technik immerhin sei wasserdicht, heißt es.
Silvestermeile, 19 bis 2 Uhr, www.silvestermeile.de
Silvesterparty bei Tollwood

Die etablierten Partymacher von Tollwood reagierten gelassen auf die neue Konkurrenz in der Innenstadt: Immerhin sei man in den Zelten vor möglichem Regen geschützt. Und Video-Mapping auf den Dächern, das hat man schon länger zu bieten. Die Silvesterparty auf der Theresienwiese hat treue Anhänger, für 10000 ist Platz unter vier Chapiteaus und auf dem Außengelände. Man liebt die Rituale wie den Mitternachtswalzer.
Und wie oft waren eigentlich Jamaram schon als Hauptattraktion dabei? Die Reggae-Pop-Band feiert im Bazar-Zelt diesmal ihr 25-jähriges Bestehen gleich mit. Im Hexenkessel gibt es „Hits aus sieben Jahrzehnten“ und das Matthias Heiligensetzer Trio. Im Mercato bekommt die Club-Truppe vom Harry Klein noch mal mehr Platz als bei der Premiere 2024 für die Elektro-Sause mit DJ-Legende Karotte und der queeren Drag-Show des „Lovers Lip Sync Battle“.
Wie üblich bei Tollwood: Zwischen Stelzenläufern können sich die Gäste kulinarisch durch die Welt schlemmen, vom Weihnachtsmarkt sind fünf Bars und sieben Stände geblieben, etwa mit Empanadas aus Kolumbien oder georgischen Spezialitäten.
Tollwood-Silvester, 19 Uhr bis Open End, 38,50 Euro (Socialticket 19 Euro), www.tollwood.de
All-Area-Party im Muffatwerk
Die „Creme de la Creme der Nachtunterhalter“ habe für mehrere Altersgruppen und Geschmäcker etwas zu bieten, verspricht das Team des Muffatwerks zu seiner „All-Area-Silvesterparty“. In der großen Halle lassen die DJs von „Fancy Footwork“ die Diskokugeln rotieren zu „Glitterflitter-Beats“ der Achtziger bis zu den Oldies der 2000er. Die große Hip-Hop-Fan-Gemeinde des Hauses tanzt auf dem „Old But Gold Floor“ im Ampere zu Oldschool-Sounds, wozu ausdrücklich auch Unter-30-Publikum willkommen ist. Im Café gibt es bei „Transglobal“ gut gemixte Latin-, Brazil-, Funk- und Soul-Tunes.
Muffatwerk-Silvester, 22 Uhr, 22 Euro, www.muffatwerk.de
Silvester im Bergson Kunstkraftwerk

Rauschend soll die Feier werden, und das verwundert niemand, denn natürlich spielt im nun eineinhalb Jahre alten Bergson Kunstkraftwerk in Neuaubing die Hausband zum Jahreswechsel: Die Jazzrausch Bigband in „XXL-Besetzung“ wird im beeindruckend hohen Atrium, der ehemaligen Kesselhalle, zwei Stunden lang mit Techno-Jazz ballern. Für 98 Euro gibt es zudem einen DJ und eine „besondere Überraschung“ bis in die Morgenstunden. Wer noch mehr investieren möchte, kann sich das „Rundum-sorglos-Paket“ mit Fünf-Gänge-Dinner im Gourmet-Restaurant Zeitlang gönnen (insgesamt dann 390 Euro).
Bergson-Silvester, 17.30 Uhr bis Open-End, www.bergson.com
Casino Royal im Bayerischen Hof
Die komplexeste Silvesterfeier der Stadt steigt wie immer im Bayerischen Hof. Dort könnte man in den verschiedenen Sälen gleich zehn Jahreswechsel stilvoll zelebrieren. Je nach verfügbarem Budget wären dann bei der Moon Deck Party im Blue Spa in der 7. Etage 565 Euro fällig (mit Lounge-Musik und rosa gebratenem Reh und bestem Blick auf die Feuerwerksverbotszone der Altstadt) oder 135 Euro im Palais Keller bei einem bayerischen Fondue. Es werden auch Kombi-Abende zusammen mit der Staatsoper („Die Fledermaus“), der Astor-Cinema-Lounge oder der Komödie im Bayerischen Hof organisiert.
Im großen Festsaal spielt man den „James Bond“-Film „Casino Royal“ kulinarisch nach (280 Euro), da gibt es als Gang etwa „Der Kabeljau, der mich liebte“. An originalen Black-Jack- und Roulette-Tischen kann man Sachpreise gewinnen, die Charity-Aktion komme Kindern und benachteiligten Familien zugute. Nach 22 Uhr dürfen hier auch alle aus den anderen Sälen mitspielen. Für die Besitzer der „Nachtschwärmer Boarding Card“ (65 Euro) öffnen sich nach und nach immer mehr Türen zu Falks Bar, Nightclub, Trader Vic's und so weiter.
Silvester im Bayerischen Hof, diverse Arrangements ab 19.30 Uhr, www.bayerischer-hof.de
Queeres Silvester
Wenn es ein bisschen mehr Glitzer sein darf als der übliche Goldregen an Silvester, dann ist man bei den queeren Silvesterpartys gut aufgehoben. Und dann am besten dort, wo das ganze Jahr über Glamour-Shows und Pailletten-Glanz zelebriert werden. Zum Beispiel im Oberangertheater. Dort laden die beliebt-berüchtigten Miss Piggy, Gene Pascal, Dean DeVille und Trace zu ihrer Travestierevue ein. Es gibt: glamouröse Kostüme, Witz, Charme, Live-Gesang und ein mehrgängiges Dinner (Oberanger 38).
Auch im queeren New York Club werden die Gäste von glitzernden Gastgebern gebührend in Empfang genommen: Winnie & Mutti führen durch den Abend mit DJs und Lightshow um Mitternacht (Elisenstraße 3).
Und die Prosecco Bar wird wie üblich aus allen Nähten Platzen, sicher aber nicht Hostess Envy LaRue und weitere Überraschungsgäste. Zum Motto „Glamour und Glitzer“ (über den Unterschied kann man gerne diskutieren) gibt es um Mitternacht sogar echtes Feuerwerk und natürlich Prosecco aufs Haus (Theklastraße 1).
Zum Dresscode im Restaurant des Hotels Deutsche Eiche (stets eine Feierbastion zum CSD) heißt es schlicht: „Beeindrucken Sie uns!“ Die Aufforderung kann man an den Koch des Fünf-Gänge-Menüs und die Schlager-Drag-Truppe weitergeben. Der Feuerwerksblick auf der Dachterrasse wird auf jeden Fall grandios. Dafür kann man sich beim „Silvester in der Sauna“ mit kostenlosem bayerischen Buffet (ab 18 Uhr, ohne Reservierung, „first come, first serve“) imposante Kleidung ganz sparen (Reichenbachstraße 13).
Feiern auf Dachterrassen
Silvester bedeutet für viele auch, dem niederen Alltag zu entfliehen für eine Nacht, prickelnd wie Champagner. Über den Dingen schweben lässt sich am besten auf den Dachterrassen der Stadt, und wer kein eigenes Penthouse besitzt, kann in einigen der hochgelegenen Feierorte Zuflucht finden. Nicht nur in Hotels wie der Deutschen Eiche und im Bayerischen Hof, sondern zum Beispiel auch im Upside East, einer selbst ernannten „Premium Location“ in den beiden obersten Stockwerke der Medienbrücke am Ostbahnhof. Bei „Time To Shine“ an Silvester erwarten die Gäste in 45 Metern Höhe Welcome-Blubberwasser, DJs (Lounge, House, Techno) und ein „Panorama, das Ihnen den Atem raubt“.
Von hier aus kann man gleich zum Münchenhoch5 rüberwinken. Dort im Werksviertel feiert die Party-Crowd mit Blick aufs Ummadum-Riesenrad nebenan und dem „Rituals“-Partyteam, das prominente Sound-Unterstützung erhält von Tom Novy und den Adana Twins.
Vor allem wegen seines raumgreifenden Drei-Isarbrücken-Blickes ist das Restaurant Frau im Mond im Deutschen Museum beliebt. Und da auf den Isarbrücken immer das wildeste Feuerwerk steigt, dürfte das gerade in der letzten Nacht des Jahres spektakulär werden. Für 220 Euro gibt es ein Flying Dinner dazu.
Feiern mit Bahnwärter & Co.
Die Brüder Julian und Daniel Hahn und ihre Freunde haben in München alternative, inzwischen weltberühmte Kulturorte mit einer eigenen Fangemeinde geschaffen. Und die feiert auf ihre eigene Weise ins neue Jahr: auf der Alten Utting, dem ausrangierten Dampfer auf der Eisenbahnbrücke, mit lokalen DJs (Old School Hip-Hop bis Tech House), Essensständen und lauschigen Feuerstellen. Im Open-Air-Rund um den Schienenbus der Minna Thiel vor der Filmhochschule mit „Underground-Vibes“ auf dem überdachten Dancefloor. Und ganz groß im Bahnwärter Thiel mit einem „Bahnsteig Silvesterfestival“. Im Party-Labyrinth wird drinnen und draußen auf sieben Flächen mit einem Riesenaufgebot an DJs gefeiert, aber, wie immer: ohne Pelz.
Die letzte Nacht in Clubs und Discos

Ein Club kann vieles sein heutzutage, irgendwas zwischen der kuscheligen Milla (in der man zu Indie-Hits von „King Kong Kicks“ mit den „best Friends“ und einem „Gefühl von Ankommen“ Silvester feiert) oder dem gewaltigen Neuraum, wo Tausende auf fünf Tanzflächen (Charts, Melodic Techno bis Partyschlager) einen „Riesen-Rutsche“ und den „letzten Abriss des Jahres“ feiern.
Oft entscheidet der Musikgeschmack: Kopfnicker machen Party mit Hip-Hop auf zwei Floors im neuen 794Club am Lenbachplatz. Rocker feiern gewohnheitsgemäß in der Nachtgalerie, wo auf drei Areas „Banger“ statt Böller zünden. Auch im Strom legt DJ Wai-Kiki Rock und Punk auf, allerdings erst nach dem Feuerwerk um 0.30 Uhr. Und wie üblich mit der Stinkefinger-Geste verabschiedet das Backstage das Jahr: „Fuck off 2025“ scheucht die „Partyhühner“ vom Werk (Indie) zur Halle (Alternative) in den Club (Metalcore) und ins Studio (Reggae).
Wer sich feiner fühlen will, schlüpft in sein schickstes „Black-Tie Outfit“ für „New Years’s Eve“ im P1. Im Maxe Belle Spitz will man auch glamourös, aber eben gar nicht so exklusiv sein: Die „Studio 54 Party“ bietet 70er- und 80er-Disco „all night long“ für alle und „wie immer ohne Eintritt“.
Alleinstehende müssen sich an Silvester nicht einsam fühlen müssen: Die angeblich „größte Single-Silvester-Party“ steigt im Palais, wo bei Flying Sushi Speeddating das Anbandeln erleichtern soll. Überhaupt sucht man die Superlative zum Jahresende: „Münchens größte 90er- und Ü30-Silvesterparty“ in der Freiheitshalle an der Donnersberger Brücke bietet Partysounds jeder Art – ausnahmsweise auch für die U30-Generation.
Bleibt die Frage, wo man am längsten das neue Jahr begrüßen kann: Die 089-Bar zumindest zählt bei ihrem „Zeitzonen Silvester“ am häufigsten Countdown, nämlich sieben Mal mit Nairobi um 22 Uhr über Brasilien um 4 Uhr bis Las Vegas um 9 Uhr. Das toppt wie jedes Jahr die Milchbar, denn dort schließt man nicht nur bei der „super mega ultra langen Silvesterparty“ erst zu, wenn keiner mehr kann („… und wir können lang!“). Sondern die Hausherren der Familie Faltenbacher laden ja auch wieder zum Gastro-Silvester. Da gibt es dann zum bereits 27. Mal am 7. Januar, diesmal im P1, einen Nachschlag für alle, die an Silvester für andere arbeiten mussten.

