DigitalisierungAllach: Wo Siemens seine Loks neu erfindet

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Das Herzstück des neuen Vectron X ist ein Smart Screen, auf dem alle relevanten Anwendungen der Siemens-Lok gebündelt werden.
Das Herzstück des neuen Vectron X ist ein Smart Screen, auf dem alle relevanten Anwendungen der Siemens-Lok gebündelt werden. Robert Haas

Siemens stellt in Allach eine neue Version seiner Vectron-Lok vor und investiert zugleich in den Standort. Im Werk im Münchner Westen zeigt sich, wie digital der Schienenverkehr werden soll.

Von Martin Mühlfenzl

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In Allach, tief im Westen der Landeshauptstadt, werden seit Jahren Lokomotiven für den europäischen Schienenverkehr gebaut.. Ein nicht unerheblicher Teil eines der meistgenutzten Lokomotivtypen in Europa wurde und wird hier in den Werken von Siemens Mobility hergestellt: die Loks der seit 2010 immer weiter entwickelten Baureihe Vectron, die nicht nur Train-Spottern ein Begriff sein dürfte. Von diesem Juni an wird aus den Siemens-Produktionshallen eine weitere Neuentwicklung der Siemens-Ingenieure an Bahnbetreiber in ganz Europa und darüber hinaus ausgeliefert, mit der Siemens beim Zugverkehr die Digitalisierung seiner Lokplattform weiter vorantreiben will: der Vectron X.

An diesem Mittwochvormittag feiert der Weltkonzern aber nicht nur die Vorstellung seines neuen Vectron-Modells, eines „Smartphones mit 9000 PS“, wie Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, sagt,  und verweist dabei auf den Ausbau des Werks in Allach. Denn erst vor Kurzem ist auf dem Werksgelände das neue Rail Service Center nach einem umfassenden Umbau in Betrieb gegangen – modernisierte Werkstätten, die Peter als „Kompetenzzentrum für die Instandhaltung von Vectron-Lokomotiven“ bezeichnet.

Mehr als 3000 Vectron-Loks sind derzeit auf dem europäischen Kontinent unterwegs, so Peter. „Vectron ist eine Lokomotive für ganz Europa, eine Plattform in zahlreichen Varianten“, sagt der CEO bei der Vorstellung des neuen Typs „X“. Und Allach sei dabei der Ort, an dem alles zusammen gedacht werde, von der Entwicklung bis zur Reparatur und Revision, die eine Vectron-Lok alle acht Jahre durchlaufen müsse. Siemens lebe an diesem Standort das Motto der „One-Tech-Company“, stellt Peter klar. „Hier ist unser Zuhause.“

Sieht aus wie eine gewöhnliche Vectron-Lok, ist laut CEO Michael Peter aber ein Smartphone mit 9000 PS.
Sieht aus wie eine gewöhnliche Vectron-Lok, ist laut CEO Michael Peter aber ein Smartphone mit 9000 PS. Robert Haas

Und mit dem Vectron X beabsichtigt Siemens, sein Erfolgsmodell weiterzuentwickeln. Grundsätzlich basiert die neue Lok – auch optisch – auf der marktführenden Plattform. Im Inneren aber wird deutlich, dass die digitale Zeit auch im Führerstand Einzug gehalten hat.

Zentrales Element dieser Transformation ist ein neuer 11,6-Zoll-Smart-Screen, dessen Technik CEO Peter als „Gamechanger“ bezeichnet. „Wir transformieren die Lokomotive in eine digitale Plattform“, sagt er. Auf dem Bildschirm werden wichtige Anwendungen und Informationen direkt im Cockpit gebündelt – darunter etwa Daten über die Streckeninformationen, Erschütterungen, Außeneinwirkungen. Erstmals, erläutert Andre Rodenbeck, der CEO von der Siemens Mobility-Sparte Rolling Stock, werde ein App-Store in die Führerkabine gebracht. Dadurch könne etwa der Zustand des Fahrzeugs dargestellt werden. Es gebe zudem eine „grüne Funktion“, so Rodenbeck, die eine Fahrempfehlung etwa in Bezug auf die Geschwindigkeit ausspreche, um Energie zu sparen. Und die Maschine kann über eine Remote-Funktion aus der Ferne aktiviert werden, womit die Einsatzbereitschaft deutlich beschleunigt werden soll.

Die Lokomotive kann zudem Betriebsdaten nahezu in Echtzeit übertragen und sich auch sicher mit digitalen Systemen vernetzen. Dadurch soll es ermöglicht werden, frühzeitig etwaige Schäden festzustellen und gezielt Wartungsmaßnahmen in Angriff nehmen zu können – bei deutlich weniger Störungen. An die Kunden in der Werkshalle gewandt, sagt CEO Peter, dass dies auch den Betrieb stabilisieren könne.

Im neuen Rail Service Center in Allach können die Mitarbeiter deutlich mehr Reparatur-Aufträge erledigen als vor dem Umbau.
Im neuen Rail Service Center in Allach können die Mitarbeiter deutlich mehr Reparatur-Aufträge erledigen als vor dem Umbau. Robert Haas

Siemens will dazu auch mit seinem neuen Rail Service-Center beitragen. An diesem Tag stehen in der Reparaturhalle zwei Maschinen – eine der Deutschen Bahn sowie eine der Schweizerischen Bundesbahnen. Vor dem Umbau des Service Center konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa 25 Revisionen und Unfallinstandsetzungen im Jahr erledigen. In den neu gestalteten Werkshallen hat sich die Kapazität auf etwa 80 Aufträge im Jahr erhöht.

Durch die smarten, digitalen Anwendungen, die Vectrons der neueren Generationen bereits besitzen und die im Modell X noch einmal optimiert werden, wissen die Mitarbeiter längst bevor der Zug zur Reparatur ankommt, in welchem Zustand er sich befindet. Noch ehe die Mechaniker auf die Hebeböcke oder hinab in die Gruben steigen müssen, wissen sie also, welche Teile zu bestellen sind. Auch dies, sagt eine Siemens-Mitarbeiterin, erhöhe die Effizienz, verkürze die Arbeitsabläufe – und bringe die Loks schneller wieder auf die Schiene.

Der Prozess der Digitalisierung sei mit der Einführung des neuen Vectron X aber noch längst nicht abgeschlossen, betont CEO Peter. Es würde ständig überlegt, wie die nächste Stufe erreicht werden kann. Die mittlerweile hoch entwickelte Software in den Loks erleichtere diesen Prozess aber. „Wir lernen von allen 3000 Loks, die im Betrieb sind“, sagt er. Und die Lokomotiven kommunizieren mit der Außenwelt – und liefern die dafür notwendigen Daten.

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SZ PlusVon Catherine Hoffmann

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