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Siedlung Ludwigsfeld:Unter der Last schwerer Laster

Lokalpolitiker haben Zweifel an der Standfestigkeit der alten Brücke über das Schwabenbächl und dringen auf einen schnellen Neubau der Karlsfelder Straße

Von Jerzy Sobotta, Siedlung Ludwigsfeld

Man könnte sie das wahrscheinlich unauffälligste Baudenkmal in ganz München nennen: die kleine Brücke über das Schwabenbächl am nördlichen Stadtrand. Sie ist nur einige Meter lang und von der Straße aus lediglich an ihren veralteten, grauen Betonmauern zu erkennen. Trotzdem sorgt sie immer wieder für Diskussionen. Jüngst erneut, weil der Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl ernste Sorgen um ihre Statik äußerte. Die Brücke, die Teil der Karlsfelder Straße ist, verbindet das MAN-Werk und die Teststrecke des Unternehmens, sodass sie fast täglich die Last schwerer Lkw tragen muss. Lokalpolitiker fragen sich schon länger, ob sie diesem Gewicht auf Dauer Stand hält. In einem von der CSU initiierten Antrag fordern sie die sofortige Vorlage der Prüfberichte oder eine neue Brückenprüfung mit öffentlich zugänglichen Ergebnissen. Außerdem erneuert der BA seinen Wunsch nach einem Schild, das die Tragkraft anzeigen soll.

Das Drängen der Stadtviertelvertreter dürfte neben der Sorge um die Sicherheit auch politische Gründe haben. Seit Jahrzehnten wollen Lokalpolitiker und Bürger eine neue Streckenführung der Karlsfelder Straße, um den Verkehr aus der Siedlung Ludwigsfeld herauszuleiten. Das sollte ursprünglich auch die Brücke betreffen. Allerdings verzögerten Rechtsstreitigkeiten den Neubau jahrelang.

Schließlich sorgte 2017 eine neue Entscheidung für viel Kopfschütteln im Stadtbezirk: Die Brücke wurde unter Denkmalschutz gestellt. Über das 1941 errichtete Bauwerk waren während des Zweiten Weltkriegs KZ-Häftlinge des Außenlagers Allach zu Arbeitseinsätzen geschickt worden. Der Denkmalschutz verhindert seither den Abriss und Neubau der Brücke.

Der geplante Trassenverlauf der Karlsfelder Straße musste daher geändert werden, sie soll künftig weiter südlich das Schwabenbächl überqueren. Das verzögert wiederum den lang ersehnten Neubau der Straße, an dem sich auch MAN beteiligt. Die Firma wollte sich noch nicht dazu äußern, ob sich ihre herben Umsatzeinbrüche auf das Projekt auswirken.

Das städtische Planungsreferat ist allerdings optimistisch und erklärt auf Anfrage: "Im Hinblick auf die mit der MAN getroffene Grundvereinbarung hat sich kein neuer Sachstand ergeben." Man gehe von einem Baubeginn Ende 2022 aus und hoffe, dass schon im Jahr 2024 die ersten Autos über die neue Karlsfelder Straße fahren können. Die Betonbrücke über das Schwabenbächl könnte sich von da an ihrer höheren Bestimmung als Zweck an sich erfreuen: Sie könnte einfach nur ein Baudenkmal sein.

© SZ vom 30.12.2020
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