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Siedlung Ludwigsfeld:In der Sackgasse

Verworrene Verhältnisse: Das Nebeneinander von Wohnbevölkerung und Großgewerbe schafft an der Karlsfelder Straße Probleme.

(Foto: Toni Heigl)

Der Streit über die Entlastung der Karlsfelder Straße schwelt nun schon seit 30 Jahren. So lange die Gerichtsverfahren nicht abgeschlossen sind, müssen die Anwohner im Münchner Nordwesten mit der ungebremsten Blechlawine leben

Das Zitat aus einem Stadtratsbeschluss von 1987 ist heute so aktuell wie damals: "Der heute schon zeitweise erhebliche, weitgehend vom Berufs- und Werksverkehr von MAN und MTU bestimmte Verkehr wird zu einem Teil über die Kristallstraße durch ein reines Wohngebiet an die Dachauer Straße und damit an das übergeordnete Hauptstraßennetz gebunden. Dieser Zustand ist nicht nur für die Verkehrsteilnehmer unbefriedigend, er stellt vor allem für die Bewohner der Kristallsiedlung eine auf die Dauer nicht zumutbare Immissionsbelastung und zudem eine erhebliche Gefahrenquelle dar."

An diesem Zustand hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert, im Gegenteil: Der Verkehr rund um und in der Kristallsiedlung, wie die Siedlung Ludwigsfeld mitunter auch genannt wird, hat sich verstärkt. Und genauso ist die schon damals anvisierte Lösung des Verkehrsproblems in den vergangenen dreißig Jahren bis heute nicht realisiert: der Ausbau der Karlsfelder Straße. Derzeit sieht es so aus, als würde es dabei auch bleiben. Das Projekt befindet sich in einer Sackgasse. Die Bewohner der Siedlung Ludwigsfeld müssen vorerst weiterhin am Verkehr leiden.

Durch die Siedlung Ludwigsfeld fährt viel Verkehr aus den nördlichen Münchner Gewerbequartieren, zudem wird das kleine Viertel auch als Schleichweg genutzt. Darum ist zu Hauptverkehrszeiten die Kristallstraße nahezu verstopft, der Bus kommt nicht durch, Autos fahren über den Gehweg. Um die Straße zu entlasten, ist seit mehr als zehn Jahren der Plan festgehalten, mit Hilfe einer neuen Trasse die Karlsfelder Straße mit der Dachauer Straße zu verbinden. Tatsächlich reicht der Ursprung dieser Idee zu besagtem Beschluss ins Jahr 1987 zurück. Damals stimmte der Stadtrat einer Änderung des Flächennutzungsplanes zu, damit die Firma MAN in der Karlsfelder Straße ein Grundstück neu besiedeln konnte - das Gelände, auf dem heute die Teststrecke von MAN liegt. Im Beschluss wird die Anbindung der Karlsfelder Straße an die Dachauer Straße als "Voraussetzung für die Verwirklichung der Bauvorhaben von MAN" definiert, "um den gewerblichen Verkehr des neuen Gewerbegebietes vom Anliegerverkehr der Kristallsiedlung absolut zu trennen". Eine örtliche Erschließung sei aber nicht Gegenstand einer Bearbeitung des Flächennutzungsplans, sprich: Der Beschluss von 1987 verpflichtet nicht zum Ausbau der Karlsfelder Straße.

Erst 2004 schloss die Stadt mit MAN einen Vertrag, wonach das Unternehmen den Straßenbau finanziert. Später konkretisierten Stadt und MAN den Plan. Gebaut werden soll die neue Trasse auf einer Fläche etwas westlich der Siedlung nahe einem Arbeiter-Wohnheim. Die Fläche gehört dem Eigentümer des Wohnheims, der auf dem Gelände Parkplätze für das Wohnheim bereitstellt. Der Wohnheimbetreiber will aber für seine Stellplätze Ersatz, weil er befürchtet, sonst sein Baurecht zu verlieren. Wie und wo der Ersatz entstehen soll, darüber konnten sich der Eigentümer und MAN bisher nicht einigen. Schon etwas länger streiten die beiden Parteien darüber vor Gericht. MAN sagt, solange der Rechtsstreit nicht geklärt sei, werde auch keine Straße gebaut. Mittlerweile ist der Streit vor dem Oberlandesgericht angekommen. Wann dort verhandelt wird, ist aber noch unklar.

Der Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl hatte vorgeschlagen, mit Hilfe eines Bebauungsplans die Straße notfalls zu enteignen. Das Bebauungsplanverfahren läuft noch. Ohnehin hätte es Jahre gedauert, bis eine Enteignung rechtlich durchgesetzt worden wäre, meint der Bezirksausschuss-Vorsitzende Markus Auerbach (SPD). Dennoch verlangt ein Anwohner aus der Siedlung Ludwigsfeld exakt dies, also auf die Straße hoheitlich zuzugreifen und die Trasse endlich zu bauen. In Sitzung des Bezirksausschusses am Dienstag, 14. Februar, dürfte dieses Thema eine Rolle spielen. Besonders Fußgänger und Radfahrer auf dem Schulweg seien auf der Straße stark gefährdet, heißt es im Antrag, es existierten keinerlei Randstreifen, Geh- oder Radwege.

Das Bürgergremium tagt in der Sankt-Christoph-Kirche in der Fasanerie-Nord, Am Blütenanger 7. Beginn ist um 19.30 Uhr.