Siedlung Ludwigsfeld "Erst mit den Bürgern sprechen"

Der Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl fordert die Stadt auf, die Pläne für eine Nachverdichtung der Siedlung Ludwigsfeld erst zu starten, wenn der Dialog mit den Bewohnern beendet ist. Diese äußern in einer Sondersitzung Kritik am städtischen Vorgehen

Von Jerzy Sobotta, Siedlung Ludwigsfeld

Nachdem erste Untersuchungen für eine Nachverdichtung der Siedlung Ludwigsfeld am nördlichen Stadtrand von München öffentlich geworden sind, haben Lokalpolitiker und Anwohner über die Pläne der Stadt beraten. Bei einer Sondersitzung des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl am Dienstag voriger Woche stellte eine Mitarbeiterin des städtischen Planungsreferats das Vorhaben stichpunktartig vor. Es sieht eine Ausweitung Ludwigsfelds auf 32 Hektar am östlichen und südlichen Siedlungsrand sowie Nachverdichtungen in der bisherigen Siedlung vor. "Wir sind zum Schluss gekommen, dass es sinnvoll ist, hier weiter zu planen", machte sie deutlich.

Die Menschen in der Siedlung Ludwigsfeld profitieren von vielen Grünflächen und stattlichen Bäumen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Über einen entsprechenden Beschluss soll bereits Anfang Juli im Stadtrat abgestimmt werden. Dann könnten die Stadtplaner konkret untersuchen, wie viele neue Wohnungen in Ludwigsfeld entstehen könnten. Bereits jetzt ist der Untersuchung zu entnehmen, dass es ein Vielfaches der bestehenden Siedlung mit ihren rund 660 Wohnungen sein könnte. Gibt der Stadtrat grünes Licht, wollen die Stadtplaner auch mit den Anwohnern in Ludwigsfeld sprechen.

Diese Reihenfolge wurde von den Lokalpolitikern kritisiert. "Wir wollen erst mit den Bürgern sprechen, bevor man mit weiteren Planungen beginnt", sagte der Vorsitzende des Gremiums Markus Auerbach (SPD). "Wir haben genügend Zeit dafür", mahnte auch Rainer Großmann (CSU). "Wenn die Stadtplaner jetzt schon beauftragt werden, dann heißt es: Bauen, Bauen, Bauen", befürchtet Maximilian Bauer (CSU). Christine Lissner (Grüne) schlug vor, bereits im Stadtratsbeschluss festzuschreiben, dass die Verwaltung vorerst nur den Dialog mit den Bürgern sucht, bevor sie weitere Untersuchungen vornimmt.

Gemütlich haben sie es sich eingerichtet.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Klaus Mai (SPD) hingegen begrüßte eine mögliche Nachverdichtung. "Ludwigsfeld ist eine Insel, in der die Zeit stehen geblieben ist. Es gibt dort erhebliche Mängel", sagte er und verwies auf die Lkw, die vom benachbarten Hersteller MAN durch die Siedlung auf eine Teststrecke fahren. Auch an Parkplätzen, einem Supermarkt und an einer guten Anbindung in die Stadt fehle es den Bewohnern.

Zudem mahnte Mai, die Geschichte des ehemaligen KZ-Außenlagers Dachau-Allach in der Planung zu berücksichtigen, auf dessen Überresten die Siedlung nach dem Krieg für Heimatlose und ehemalige KZ-Häftlinge errichtet worden war. Das fand auch Zuspruch bei der Mitarbeiterin des Planungsreferats: "Mit diesem historischen Erbe müssen wir ganz sorgsam umgehen und ein Konzept entwickeln, wie es dokumentiert werden kann", sagte sie.

Allerdings leiden die Bewohner bis heute darunter, dass die Infrastruktur mangelhaft ist. Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr lässt zu wünschen übrig.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Letztlich stimmten die Lokalpolitiker aber nicht über den Beschlussentwurf ab. Sie wollen den Punkt auf unbestimmte Zeit vertagen und so den Druck auf das Planungsreferat erhöhen, bereits jetzt mit den Bewohnern zu sprechen. Auch Eberhard Sommer von der Interessengemeinschaft Ludwigsfeld (Iglu) kritisierte das Vorgehen der Stadtverwaltung. Das Planungsreferat habe ihm in den zurückliegenden Jahren wiederholt den Kontakt verweigert und die bisherige Untersuchung ohne Bürgerbeteiligung durchgeführt. "Aber wohl in enger Kooperation mit den Investoren" mutmaßt Sommer. Seit zwei Jahren gehört die Siedlung drei Privatpersonen, die der Patrizia Immobilien AG nahestehen, dem vorherigen Eigentümer. "Es würde uns nicht wundern, wenn der geforderte Bebauungsplanentwurf schon in irgendeiner Schublade liegt", heißt es in einem Statement von Iglu. Der Verein befürchtet, dass die Stadt zu viele neue Wohnungen bauen könnte, was auf Kosten der Grünflächen zwischen den Häusern gehen und die bisherigen Probleme der Siedlung zusätzlich verstärken würde. Dazu gehöre insbesondere zu viel Autoverkehr und zu wenige Parkplätze. Daher fordert Iglu den Stadtrat auf, erst dann einer Nachverdichtung zuzustimmen, wenn gemeinsam mit den Anwohnern konkrete Lösungen für die bestehenden Probleme gefunden sind.

Doch nicht alle Anwohner der Siedlung sind skeptisch: "Es muss endlich etwas passieren. Ich bin für die Entwicklung", sagt Igor Maga, der in Ludwigsfeld groß geworden ist. Er glaube, dass nur eine drastische Vergrößerung wichtige Infrastruktur ins Viertel holen wird, etwa einen Supermarkt oder eine Arztpraxis. Viele Anwohner habe die Debatte noch nicht erreicht.