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Siedlung Ludwigsfeld:Ein klares Nein

Bald weniger grün? Die Siedlung am Ludwigsfeld mit rund 600 Wohnungen könnte um ein Vielfaches wachsen.

(Foto: Toni Heigl)

Lokalpolitiker, Bürger und Interessensvertreter sprechen sich gegen die Nachverdichtung in der Siedlung am Ludwigsfeld aus. Auch sollen die Bürger endlich in die Planungen der Stadt mit einbezogen werden

Bevor der Stadtrat kommende Woche über eine massive Nachverdichtung und Ausweitung der Siedlung Ludwigsfeld beraten könnte, mahnen Anwohner und Lokalpolitiker zum Gespräch mit den Bürgern. Ende Mai war bekannt geworden, dass das städtische Planungsreferat gemeinsam mit der "Wohnungsgesellschaft Ludwigsfeld" ein Bauprojekt untersucht, durch das die rund 660 Wohnungen umfassende Siedlung am nördlichen Stadtrand von München um ein Vielfaches anwachsen könnte. Nun melden sich weitere Interessensvertreter zu Wort.

Am Dienstag hat sich der örtliche Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl einem Antrag der Interessensgemeinschaft Ludwigsfeld (Iglu) angeschlossen, in der sich Bürger für die sozialen Belange der Anwohner engagieren. Darin wird gefordert, die Stadt solle unverzüglich die Anwohner in die weitere Planung mit einbeziehen - noch bevor ein vertieften Strukturkonzept über die künftige Gestalt der Siedlung erarbeitet wird. Der Stadtrat solle außerdem keine Beschlüsse fassen, "die später nicht mehr zu revidieren sind", heißt es im Antrag.

Der BA-Vorsitzende Markus Auerbach (SPD) betonte, dass jegliche Gesprächsangebote von der Stadt ausgehen sollten. Damit wandte er sich gegen angebliche Überlegungen der Privateigentümer, eine Bürgerveranstaltung in Eigenregie von einer Kommunikationsagentur durchführen zu lassen. "Nur wenn das Gesprächsangebot von der Stadt kommt, gibt es eine politische Verantwortung", sagte Auerbach. Er habe das städtische Planungsreferat daher gebeten, zeitnah einen Bürgerdialog zu veranstalten. Damit bestärkt der Bezirksausschuss die Haltung, die er bereits bei einer Sondersitzung Anfang des Monats eingenommen hat: Die Entscheidung in puncto Ludwigsfeld auf unbestimmte Zeit zu vertagen - bis die Anwohner in angemessener Weise angehört werden.

Scharfe Kritik an den Plänen zum Ausbau der Siedlung kommt vom Heimatboten, einer Initiative von Feldmochinger Grundeigentümern. Sie ist maßgeblich für das Aus der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM-Nord) mitverantwortlich, mit der die Stadt ein riesiges Neubaugebiet im Münchner Norden schaffen wollte. Die Mitglieder des Heimatbodens fühlen sich jetzt von der Stadt hintergangen. Sie sind darüber verärgert, dass die Eigentümer der Siedlung Ludwigsfeld von der Nachverdichtung "profitieren dürfen", während die Stadt ihnen noch keine Vorschläge für ein Nachfolgeprojekt der SEM unterbreitet hat.

Der Heimatboden macht dabei geltend, dass die mögliche Vergrößerung Ludwigsfelds die anliegenden Felder südlich und östlich der Siedlung mit einbeziehe. Sie seien Teil des ehemaligen SEM-Gebietes, meint der Heimatboden. Doch die Stadt sieht das anders: Lediglich Übergangsbereiche befänden sich auf dem ehemaligen SEM-Gebiet, schreiben die Stadtplaner bereits in ihrer Voruntersuchung. "Der engere Untersuchungsumgriff" liege nicht darin "und kann daher davon unbeeinflusst bearbeitet werden". Fakt ist, dass die Siedlung nur um etwa 100 Meter nach Süden und Osten wachsen soll. Das ehemalige Untersuchungsgebiet der SEM-Nord hingegen beträgt 900 Hektar. Dennoch haben die Grundeigentümer vom Heimatboden den Eindruck, "dass sie von der Stadtpolitik und der Verwaltung für dumm verkauft, belogen und betrogen werden sollen". Das schreiben sie in einem Brief, der an Stadtbaurätin Elisabeth Merk und die Stadtratsfraktionen adressiert ist. Darin fordern sie, dass die Investoren in Ludwigsfeld "nicht anders behandelt werden als die Mitglieder von Heimatboden München".

Den Einwand wiederholte auch das Übergreifende Bündnis München Nord, in dem sich verschiedene Bürgervereine aus dem Münchner Norden zusammengetan haben. In einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden im Rathaus spricht es sich gegen die Nachverdichtung in Ludwigsfeld aus und wirft der Stadt indirekt "Klientelpolitik" zugunsten der Ludwigsfelder Investoren vor.

Erste Bedenken gegenüber den Plänen regen sich auch in der Nachbargemeinde Karlsfeld. Bürgermeister Stefan Kolbe befürchtet, dass künftige Bewohner Ludwigsfelds in die Kitas, Kindergärten und Grundschulen der Nachbargemeinde drängen könnten. Allerdings geht das Planungsreferat bereits in seiner Voruntersuchung davon aus, dass die Karlsfelder Verbandsgrundschule keine neuen Kinder aus Ludwigsfeld aufnehmen wird. Eine Grundschule südlich des Ludwigsfelder Sportplatzes ist Teil der Pläne. Wie viele Kindergärten, Kitas und andere soziale Einrichtungen entstehen könnten, ist derzeit noch nicht absehbar.

Einen offenen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter hat der Ludwigsfelder Lokalhistoriker Ewgenij Repnikov geschrieben. Er begrüßt die Voruntersuchung der Stadt. "Es gibt aber leider Probleme, die Siedlung betreffend, die dringend angegangen werden müssen und keinen Aufschub dulden", schreibt Repnikov an den OB. Oberste Priorität müsse der Neubau der Karlsfelder Straße samt einer neuen Brücke über das Schwabenbächl haben, damit die Bewohner endlich vor Durchgangsverkehr geschützt werden. Zudem bemängelt Repnikov Lärm und Staub, der von der Teststrecke des Lkw-Herstellers ausgeht und regt als Lärmschutz eine Parkanlage südlich der Karlsfelder Straße, zwischen Kristiall- und Achatstraße, an. Durch die Nachverdichtung seien außerdem bedeutende historische Artefakte bedroht, die an das ehemalige KZ-Außenlager Allach erinnern, das während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gelände der Siedlung stand. Besonders schützenswert sei die Barackenanlage an der Granatstraße, die Golgathakirche des Architekten Otto Bartning, sowie die Bodenplatte des KZ-Blocks fünf - von den Bewohnern "Rollschuhplatte" genannt. Vor kurzem sei eine ähnliche Bodenplatte an der Opalstraße einem neuen Parkplatz zum Opfer gefallen. Eine Antwort Reiters steht bislang aus.