Siedlung Ludwigsfeld Das Warten nimmt kein Ende

Marode: Die Baracke an der Granatstraße 10 dient dem TSV.

(Foto: Robert Haas)

Seit Jahren hofft der TSV Ludwigsfeld auf die Sanierung seiner maroden Baracke. Jetzt plant die Stadt ein neues Clubheim

Von Simon Schramm, Siedlung Ludwigsfeld

Die gute Nachricht zuerst: Der TSV Ludwigsfeld soll ein eigenes Vereinsheim bekommen. Die schlechte Nachricht: Es ist unklar, wann. Womit das Warten der Sportler aufs Neue beginnt, nur mit anderen Vorzeichen. Denn seit Jahren schon hatte man beim TSV darauf gehofft, dass der marode Kabinentrakt wenigstens saniert wird - diesen Plan hat die Stadt nun verworfen und die Neubaupläne ins Spiel gebracht. Also muss der Verein nun weiterhin mit den bisherigen, alten Räumen zurecht kommen. Vereinsvorstand Reinhold Knerr ist zwar froh über die Nachricht, ihn ärgert aber das Hin und Her zur Frage, wie es mit dem Vereinsheim weitergeht: "Wir fühlen uns veräppelt", sagt Knerr und bezieht sich auf ein Treffen im Februar, bei dem die Stadt über die neue Planung berichtet hatte.

Derzeit ist der TSV an der Granatstraße 10 untergebracht, einer ehemaligen Baracke des Außenlagers Allach des Konzentrationslagers Dachau. Eigentlich ist es seit Langem nötig, das Gebäude zu sanieren; 2011 beschloss die Stadt, das zu tun. Seit 2015 verhandelten die Stadt und das Wohnungsbauunternehmen Patrizia über die Kosten der Sanierung und einen Mietvertrag; eine Einigung gab es nicht. Man sei in guten Gesprächen, erklärte die Patrizia im vergangenen Jahr, und die Stadt rechnete damit, in diesem Frühjahr das Projekt dem Stadtrat vorzulegen. Stattdessen sind die Gespräche nun gescheitert.

Im November kündigte die Patrizia der Stadt Sanierungskosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro an - höher, als ursprünglich kommuniziert. Das Referat für Bildung und Sport hält diese Kosten nun für nicht mehr darstellbar; darunter fällt auch die von der Patrizia angekündigte Miete.

Das Sportreferat ist darum dazu übergegangen, für den TSV ein ganz neues Vereinsheim zu planen, da ein Neubau wirtschaftlicher erscheint. Bei dem Termin im Februar hatte die Stadt mit Vereinsvorstand Knerr sogar schon konkrete Standorte am Sportplatz des Vereins besichtigt, zum Beispiel am Eingang des Sportplatzes. Laut Sportreferat steht aber noch nicht fest, wo genau das Gebäude errichtet werden soll, weshalb keine detaillierte Planung möglich ist. Da man sich beim Verein über diese ungeklärte Situation ärgert, wurde nun Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einem Schreiben um Auskunft gebeten. "Ich weiß nicht, was ich meinen Mitgliedern sagen soll", sagt Knerr, "wir haben keinen Termin, was wann mit uns passieren soll."

Das Baracken-Gebäude ist in heruntergekommenem Zustand. Der Putz blättert, an den Wänden Graffiti. Verzögert hatte sich die Sanierung, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Die Sportler nutzen die letzte, noch verbliebene Baracke des Außenlager Allach - eine Dependance des Konzentrationslager Dachau, die von 1943 bis 1945 auf dem Gelände der heutigen Siedlung Ludwigsfeld stand. Wegen der Auflagen war eine "Haus -in-Haus"-Sanierung angedacht, bei der die Außenfassade und einige Mauern im Innern unverändert bleiben und nur die Innenräume saniert werden sollten. Ein Vertrag zwischen Stadt und Patrizia sah vor, dass die Stadt Miete zahlt und auf diesem Wege die Sanierungskosten erstattet, die die Patrizia vorstreckt. Im Jahr 2015 rechnete man bei der Patrizia mit 768 000 Euro Sanierungskosten, für die Stadt seinerzeit eine passgenaue Lösung. Die nun aufgerufenen 1,1 Millionen Euro aber sind der Stadt zu viel. Warum die Kosten gestiegen sind, darüber gibt die Patrizia keine Auskunft.

Die Idee, ein gänzlich neues Vereinsheim zu bauen, hatte der Verein selbst schon vor etwa acht Jahren eingebracht, sagt Vorstand Knerr. "Das hat die Stadt damals abgelehnt mit der Begründung, es dauere zu lange, bis das genehmigt ist." Im Sommer des vergangenen Jahres war der Zustand der Räume dann bereits so schlecht, dass der Verein schon selbst Hand anlegen wollte. Stattdessen führte das Baureferat eine Teilsanierung aus, strich in der Kabine die Wände und kümmerte sich um weitere Problemstellen. "Die hygienischen Zustände haben sich gebessert", sagt Knerr, zum Teil aber komme der Schimmel bereits wieder. Er fragt sich, wie lange die Auffrischung halten wird. Größter Mangel für den Verein ist nach wie vor, dass es keine Räume zum Beisammensein gibt: "Wir haben kein Vereinsleben."

Grundsätzlich offen ist nun auch die Frage, was mit der historischen Baracke passiert, wenn der Verein eines Tages tatsächlich auszieht.