Sicherheitsexperte "Bisher wurde noch keiner entführt, der von uns trainiert wurde"

Walfried O. Sauer nimmt einen Schluck Wasser. Er hat viel erzählt und viel weggelassen, Namen und auch Verhaltensmaßregeln für seine Kunden; schließlich sollen die Entführer nicht in der Zeitung lesen können, wie er seine Kunden auf eine Entführung vorbereitet. Und Sauer hat fast nebenbei erwähnt, dass "bisher noch keiner entführt wurde, der von uns trainiert worden ist". Vielleicht ist das Zufall. Vielleicht auch nicht.

Er ist freundlich. Aber er hat auch etwas Hartes. Sonst wäre er nicht das, was er ist: Einer, der Verbrechen bekämpft. Ein Profi, dessen Firma nicht nur Entführungen oder Attentate verhindern will. Sie kümmert sich auch um das Krisenmanagement bei Produkterpressungen; davon gibt es immerhin 300 pro Jahr in Deutschland. Produkterpressung bedeutet etwa, dass der Verbrecher sagt: "Wenn ich nicht drei Millionen kriege, schütte ich im Supermarkt Zyankali in die Suppe Ihrer Firma." Sauer hilft den Unternehmen, damit umzugehen, "denn eine Marke ist schnell ruiniert, wenn das Lebensmittel mit Gift in Verbindung gebracht wird".

Sauer berät auch Unternehmen in Risikoregionen

Außerdem arbeitet die Result Group für internationale Organisationen und Staaten. Da geht es um Reformen im Sicherheitssektor, Wirtschaftskriminalität, Datenklau. Und Sauers Firma berät deutsche Mittelständler im Ausland - Firmen, die einen Staudamm im Sudan bauen wollen, eine Raffinerie in Algerien. Wo sollen die Mitarbeiter wohnen? Was ist beim Wachdienst zu beachten? "Wir sind für Unternehmen in Risikoregionen da", sagt Sauer, "wir sind Geschäfte-Ermöglicher."

Ohne Vertrauen geht das nicht. Natürlich kann man den Kunden Result-Group-Broschüren in die Hand drücken; man kann ihnen sagen, sie sollen auf die Result-Group-Homepage gehen, aber das schafft nicht so viel Vertrauen wie ein Treffen mit dem Chef: Walfried O. Sauer strahlt Sicherheit aus, auch wenn das pathetisch klingt, und er ist sehr selbstbewusst. Man nimmt ihm ab, dass er sich auskennt und dass er selbst zupacken kann.

Seine Einsatzbereitschaft: 24 Stunden, 365 Tage im Jahr

Zwar geht es in 95 Prozent der Fälle um Prävention. Aber manchmal greifen die Result Group auch richtig ein, etwa im Golf von Aden, wo Piraten zeitweise 40 Schiffe parallel entführt hatten. Sauers Mitarbeiter haben dort mit Behörden verhandelt, Lösegeld überbracht - und die Schiffe mit Waffen bewacht. "Wenn die Piraten da angegriffen hätten, wäre das Suizid gewesen", sagt Sauer. Jetzt gibt es keine Piratenüberfälle mehr im Golf von Aden. Das liegt am Schutz privater Sicherheitsfirmen, aber auch daran, dass in Ländern wie Somalia Förderprogramme gegriffen haben.

Heute hat Sauers Firma 60 feste Mitarbeiter, das sind ehemalige BND-Leute, frühere Soldaten, Spezialeinsatzkräfte und verdeckte Ermittler, Psychologen und Juristen. Und es gibt viele freie Mitarbeiter, vom Hundeführer bis zum Drogen-Experten, die bei Bedarf eingesetzt werden; in allen Teilen der Welt. Die Result Group hat eine 24-Stunden-Hotline. An 365 Tagen im Jahr. "Das zehrt auch", sagt Sauer. Einer wie er jammert nicht. Er stellt es fest. Gegen Substanzverlust hilft Sport, Sauer macht Kraft- und Ausdauertraining. Bloß Klimmzüge gehen gerade nicht. Er hat sich einen Sehnenriss im Arm zugezogen.

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