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Sicherheit auf der Wiesn:Frauennotruf in Bedrängnis

¸¸Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" - unter diesem Titel kümmerten sich auf den vergangenen beiden Oktoberfesten Mitarbeiterinnen von Amyna, Imma und vom Frauennotruf um sexuell belästigte oder vergewaltigte Mädchen und Frauen. Da das Projekt nicht von der Stadt finanziert wird, ist es auf Spenden angewiesen - und droht jetzt am Mangel von Sponsoren zu scheitern. Die SZ sprach mit Christine Rudolf-Jilg von Amyna.

SZ: 169 Jahre lang kam die Wiesn ohne die Betreuung sexuell belästigter Frauen aus. . .

Rudolf-Jilg: Natürlich hat es schon immer bei großen Festen, Volksfesten und eben auch beim Oktoberfest Übergriffe im Rahmen von ganz normalen Kontakten zwischen Menschen gegeben. Die Frage war nur: Wie geht man dann damit um, welche Möglichkeiten der unmittelbaren Hilfe hat man? Wir wissen jedenfalls, dass die Frauen, die zum Security Point kommen, froh sind, jemanden anzutreffen, der Erfahrungen mit dem Thema sexuelle Übergriffe hat.

SZ: Woher rührt genau die Gefährdung des Security Point? Hat das politische Hintergründe?

Rudolf-Jilg: Es ist einfach so, dass diese Aktion nicht in einer Regelförderung ist. Sie wurde vor drei Jahren als Projekt entwickelt. Damals sind wir bereits auf Sponsorensuche gegangen und haben etwa die Stiftung Hänsel und Gretel gewinnen können. Wir möchten auch gar nicht komplett in die Regelförderung kommen, sondern finden es gut, wenn sich die Verantwortung der Gemeinschaft zeigt. Außerdem wissen wir, dass der städtische Haushalt immer knapper wird, es würde dann nur von der Förderung unserer Organisationen abgezogen.

SZ: Wie viel Geld brauchen Sie?

Rudolf-Jilg: Insgesamt brauchen wir rund 15 000 bis 20 000 Euro. Wir drei Organisationen steuern je einen Teil aus unserem Haushalt bei, der Hauptanteil müsste aber durch Spenden geleistet werden. Die meiste Arbeit bei uns wird ohnehin ehrenamtlich erbracht, unter anderem durch Studentinnen, die wir schulen. Kosten fallen an etwa für das Auto, mit dem wir den Frauen einen Fahrservice nach Hause anbieten. Wenn uns jemand für die zwei Wiesn-Wochen ein Auto spendieren würde, wären wir natürlich auch sehr froh.

SZ: Was für Sponsoren schweben Ihnen vor?

Rudolf-Jilg: Wir können uns Sponsoren aus allen Bereichen vorstellen, vielleicht nicht gerade eine Rüstungsfirma. Wir können auch Vereinbarungen treffen, wenn wir etwa Spenden von einer Bank annehmen, dass wir dann keine zweite Bank als Sponsor akzeptieren, damit die Werbewirksamkeit nur bei der einen bleibt.

SZ: Sie nehmen aber auch kleine Privatspenden?

Rudolf-Jilg: Ja, natürlich. Wir haben auch schon die Zusagen von ein paar Politikern, die uns persönlich helfen wollen, etwa von Ministerin Beate Merk, von Franz Maget und Theresa Schoppe. Auch 50, 100 Euro helfen uns weiter.

SZ: Was passierte mit den Sponsoren vom letzten Jahr?

Rudolf-Jilg: Die sind zum Teil noch dabei, zum Teil haben sie reduziert, wie die Stiftung Hänsel und Gretel, die uns sehr großzügig unterstützt hatte. Sie beteiligt sich aber immer noch mit einem kleineren Betrag. Manche sagen auch, es hat sich einfach die finanzielle Situation bei ihnen geändert.