bedeckt München

"Shen Yun - Chinese Spectacular" in München:Im Fadenkreuz der Politik

Allerlei aus dem Reich der Mitte: Das chinesische Generalkonsulat wollte die Show der Exilchinesen verbieten lassen - ohne Erfolg. Am Freitag hat sie Premiere im Prinzregententheater.

Johanna Hunder

Weltweit absolviert die prächtig ausgestattete Show aus New York 220 Gastspiele in 66 Städten, ihre Deutschland-Tournee ließ sich gut an. "Shen Yun - Chinese Spectacular" (zu deutsch: "Göttliche Schönheit") kommt nun nach Duisburg, Frankfurt, Hamburg und Berlin auch nach München. Mehr als 100 Künstler, die meisten von ihnen Exil-Chinesen, treten heute und morgen im Prinzregententheater auf.

Schon lange vorher hat es Wirbel gegeben, als der Münchner Konzertveranstalter Helmut Pauli samt seiner Tonicale GmbH vom chinesischen Generalkonsulat unter massiven Druck gesetzt wurde, die Show abzusagen. Die Vizekonsulin habe ihm gedroht, dass er andernfalls nie wieder ein Visum für China bekäme und seine Kontakte zu chinesischen Partnern unterbunden würden. Die Chinesen fackeln da, das weiß man in München, nicht lange.

Im Mai 1996 mussten die Veranstalter Helmut Lesch und Jochen Hahn ihre chinesischen Kulturwochen absagen. Sie hatten trotz offizieller Kooperation mit der chinesischen Regierung nicht auf Dissidenten bei den Diskussionspodien verzichten wollen. Pauli jedenfalls hat sich von den Drohungen nicht einschüchtern lassen und gibt sich zuversichtlich. "Jetzt hoffen wir, dass die Show in München ungestört stattfinden kann", sagt er.

Zwei Tanzszenen thematisieren die Unterdrückung der Falun Gong

Der Grund für den Ärger im Generalkonsulat hat abermals politische Gründe: Der Veranstalter von "Shen Yun" in Deutschland ist der Falun-Dafa Verein, der hierzulande die Belange von Falun Gong vertritt, einer in China seit 1999 verbotenen und staatlich verfolgten Bewegung, deren Einordnung hierzulande schwer fällt. Das offizielle China wirft Falun Gong politische Interessen vor; dem gegenüber steht die Selbstdarstellung als ganzheitliche Meditationspraxis, die nicht einmal religiösen, geschweige denn sektenartigen Charakter habe. Die Bewegung scheint ein Sammelbecken für Chinesen zu sein, die mit der staatlich verordneten Modernisierung ihres Landes nicht mehr mitziehen wollen.

Wie auch immer: Die Show thematisiert in zwei Tanzszenen die Unterdrückung von Falun Gong. Auch in anderen Ländern wurde Druck ausgeübt, um die Show zu verhindern, allerdings ohne Erfolg. Finanziert wurde "Shen Yun" von NTDTV, New Tang Dynasty TV, einem in New York ansässigen, Falun Gong wohlgesinnten Fernsehsender, der mit diesem Ereignis nach eigenen Aussagen die traditionelle chinesische Kultur wieder beleben möchte.

"Wahre chinesische Kultur - frei von kommunistischer Partei-Kultur" heißt es auch in der Werbung für "Shen Yun", womit die kulturelle Unterdrückung im Heimatland China betont werden soll. Indes steigt die Popularität der Tanz- und Musikgala von Jahr zu Jahr. In diesem sollen es sogar geschätzte 650.000 Besucher weltweit werden. Damit erwarten die Veranstalter etwa dreimal so viele Gäste wie im Vorjahr.

© SZ vom 18.04.2008/af
Zur SZ-Startseite