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Sex-Attacken in München:Schüler fällt über Mädchen her

Wochenlang hat er immer wieder Frauen angefallen und sexuell belästigt. Jetzt ist der Serientäter gefasst: ein bislang unauffälliger 14-jähriger Schüler. Nicht nur sein Alter erstaunt die Polizei, auch sein Motiv.

Von Susi Wimmer

Der Sexualstraftäter, der wochenlang im Münchner Osten Frauen angegriffen hat, ist gefasst: Es handelt sich um einen Schüler - er ist gerade mal 14 Jahre alt. Selbst Experten stufen den Fall des Burschen, der elf Mädchen und Frauen innerhalb weniger Wochen attackiert hat, als "äußerst ungewöhnlich" ein. Zum einen wegen des Alters des mutmaßlichen Täters, zum anderen, weil der 14-Jährige laut Polizei bislang noch in keiner Weise auffällig gewesen sei. Jetzt sitzt der Jugendliche aus Trudering in der Jugendstrafanstalt.

Über fünf Wochen lang trieb der Schüler nachts auf den Straßen sein Unwesen, hauptsächlich vor der eigenen Haustüre: Der Bursche wohnt in Trudering und lauerte seinen Opfern vorwiegend in seinem Stadtviertel oder auch im benachbarten Ramersdorf und Berg-am-Laim auf. Meist waren es Mädchen oder junge Frauen, die abends auf dem Weg von den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause waren und meist griff er Frauen zwischen 15 und 21 Jahre an. Sein jüngstes Opfer allerdings war erst 12 Jahre alt. Teilweise sprach er sie schon in der U-Bahn oder an der Bushaltestelle an und bedrängte sie.

Er wurde immer dreister

Am 4. Februar etwa folgte er einer 21-Jährigen in die Max-Rothschild-Straße in Trudering, riss sie plötzlich zu Boden und hielt ihr den Mund zu. Dann begrapschte er sie und versuchte, sie zu küssen. Noch massiver agierte der Hauptschüler am 27. Januar in Riem. In der U-Bahn zur Messestadt Ost fixierte er eine 20-Jährige mit Blicken, ging ihr nach und fiel kurz vor ihrer Haustüre über sie her. Er riss sie zu Boden und versuchte gewaltsam, ihr die Hose auszuziehen.

Was seine Vorgehensweise anbelangte, so schien sich der 14-Jährige zu steigern: Am 27. Februar verfolgte er eine 17-jährige Schülerin die Wasserburger Landstraße entlang bis zum Gartentor ihres Hauses. Dort umklammerte er sie, die Schülerin konnte sich losreißen und in einer Seitenstraße verstecken. Nach einiger Zeit wähnte sie sich in Sicherheit und wollte ihr Wohnhaus betreten, da griff sie der Täter erneut an, drückte sie auf den Boden und begrapschte sie.

"Die absolute Ausnahme"

Ein Sexualstraftäter, der gerade erst 14 Jahre alt geworden ist, "das ist die absolute Ausnahme", sagt Wolfgang Behr, Sprecher der Polizei. Selbst erfahrene Psychiater stufen den Fall des jugendlichen Serientäters als ungewöhnlich ein. "Typisch wäre, dass der Täter seit geraumer Zeit auffällig ist, beispielsweise mit minderschweren Taten wie Diebstahl", sagt ein Fachmann. Dass ein 14-Jähriger aus heiterem Himmel plötzlich Frauen angreift, hält er für unwahrscheinlich. "Vermutlich liegt da Etliches im Argen, sei es eine Minderbegabung oder andere Störungen."

Der Junge kam erst vor etwa zwei Jahren nach Deutschland. Er stammt aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu und lebt nach SZ-Informationen mit seiner Familie in München. In seiner ersten Vernehmung räumte er einen Teil der Taten ein. Nach einer weiteren Vernehmung am Mittwoch stand die Entscheidung an, ob der 14-Jährige wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft genommen wird. Der Ermittlungsrichter folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Polizei war dem Hauptschüler durch Ermittlungen der Truderinger Jugendbeamten auf die Spur gekommen. Nachdem der Junge desöfteren seine Opfer in der U-Bahn angesprochen hatte, konnte er anhand der Aufnahmen von Überwachungskameras identifiziert werden. Mit dem Foto des Schülers klapperten die Beamten Schulen und Freizeitheime ab, bis schließlich ein Zeuge ihn erkannte. Wenig später nahmen sie den 14-Jährigen in Wohnortnähe fest. Er habe nur eine Freundin haben wollen, soll er in seiner Vernehmung gesagt haben.

© SZ vom 07.03.2013/infu
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