"Serviced Appartments":Zu Hause, aber nicht daheim

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"Serviced Appartments": So soll der neue Komplex am Schatzbogen aussehen. Die Apartments sind zwischen 18 und 40 Quadratmeter groß. Simulation: mw konzept GmbH, Manfred Walter

So soll der neue Komplex am Schatzbogen aussehen. Die Apartments sind zwischen 18 und 40 Quadratmeter groß. Simulation: mw konzept GmbH, Manfred Walter

Boardinghäuser boomen in München: Sie bieten in abgeschlossenen Apartments viel Komfort und kosten doch nur die Hälfte eines Hotelzimmers. Alleine in den nächsten zwei Jahren entstehen 1800 neue Einheiten

Von Alfred Dürr

Wer sich als Geschäftsreisender oder als Tourist für längere Zeit in München aufhält, sucht beim Übernachten immer häufiger nach einer Alternative zum klassischen Hotel. Sogenannte Serviced Apartments, bisher bekannt als Boardinghäuser, haben in der Stadt Konjunktur. Nach Auskunft von Anett Gregorius von der Berliner Vermittlungsagentur Apartmentservice gibt es in München 5 500 solcher Zimmer mit speziellen Concierge-Diensten. Weitere 1800 Einheiten in zehn Projekten von verschiedenen Anbietern sollen in den kommenden beiden Jahren hinzukommen.

Aktuell geht das Kölner Immobilienunternehmen Pantera AG mit 540 Zimmern in zwei Häusern an den Start - es ist eines der größeren Bauvorhaben dieser Art. Voraussichtlich im Sommer 2019 soll es abgeschlossen sein. Die Apartments haben Flächen zwischen 18 und 40 Quadratmetern und entstehen an der Bahnhofstraße in Dornach und am Schatzbogen. Die Verkaufssumme für beide Projekte liegt bei rund 90 Millionen Euro. Die Apartments sollen nach Fertigstellung an einen institutionellen Investor veräußert werden.

Gerade in boomenden Städten wie München steigt nach Auskunft von Pantera-Vorstand Michael Ries die Nachfrage nach dieser Art von Unterkünften. Im Blick hat er Geschäftsreisende und Messebesucher, die mindestens für eine Woche und maximal sechs Monate in der Stadt sind. Auch Künstler mit befristetem Engagement oder Urlauber, die München nicht nur in wenigen Tagen erkunden wollen, gehören zur Zielgruppe. Das Angebot richtet sich ebenso an Personen, die in München eine Wohnung suchen und für eine Überbrückungszeit eine Unterkunft brauchen.

Das Wohnen in einem Serviced Apartement bietet für Michael Ries mehr Individualität und Flexibilität als im Hotel, und das "etwa zum halben Preis eines Hotelzimmers". Wer es wünsche, müsse in seinem "Zuhause auf Zeit" auch nicht auf Hotelkfort verzichten. Angeboten werden ein Wäsche- und Reinigungsservice, zum Beispiel auch E-Bikes oder Car-Sharing. Tickets für Konzerte oder andere Events kann man sich ebenfalls besorgen lassen. In beiden neuen Häuser sind in den Erdgeschossen Lebensmittelläden vorgesehen.

Die Projektentwickler suchen gezielt nach geeigneten Grundstücken für ihre Apartment-Häuser. Als wichtige Standortkriterien gelten die Nähe zu Großunternehmen und zu Messe- oder Kongressanlagen. Autobahnen und Flughäfen müssen gut erreichbar sein. "Wir sind gut vernetzt in der Münchner Immobilienszene und wir hatten auch etwas Glück", berichtet Michael Ries: "Denn zwei Grundstücke, wie wir sie jetzt entwickeln, findet man in München nicht alle Tage."

"München ist die Hochburg der Kleinwohnungs-Haushalte", sagt Stefan Brauckmann, der Direktor des in Berlin und Hamburg ansässigen Moses Mendelssohn Instituts. Diese Einrichtung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Stadt- und Regionalentwicklung in Deutschland. Aufgrund der speziellen Situation auf dem Münchner Immobilienmarkt werden hier nach Brauckmanns Auskunft inzwischen deutlich mehr kleine Wohnungen gebaut als in anderen Städten. Brauckmann: "Trotz der Aufholjagd besteht ein Missverhältnis zwischen dem Angebot an Kleinwohnungen und der hohen Nachfrage."

Um die Auslastung ihrer Projekte brauchen sich Manager wie Michael Ries und andere Entwickler von Serviced Apartments wohl keine großen Sorgen machen. Untersuchungen zeigen, dass die Zahl von international agierenden Geschäftsleuten, oder von Projektmitarbeitern, die an ständig wechselnden Standorten eingesetzt werden, deutlich zugenommen hat. Zum Beispiel hat die Messe München ihr Ausstellungsangebot von 188 Messetagen im Jahr 2014 auf 231 Messetage im Jahr 2016 ausgeweitet. Auch das ist ein Grund, warum die Pantera AG in ihre beiden neuen Häuser, die nicht allzu weit von der Messe entfernt sein werden, investiert.

Doch auf dem Münchner Markt des Übernachtungsgewerbes wächst die Konkurrenz - nicht nur im Bereich der Serviced Apartments. Die Hotelbetriebe buhlen mit außergewöhnlichen Konzepten bei der Einrichtung ihrer Häuser um die Kundschaft. Diese hat eine vielfältige Auswahl - und das belebt das Geschäft.

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