Sepp Krätz:Durchsuchung bei Wiesnwirt

Unangenehmer Besuch für Wiesnwirt Sepp Krätz: Ermittler haben sein Lokal "Andechser am Dom" durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Angeblich geht es um nicht korrekte Abrechnungen.

Bernd Kastner

Wiesnwirt Sepp Krätz hat erneut Ärger mit der Justiz. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben am Montag Ermittler sein Lokal "Andechser am Dom" durchsucht. Sie gehen offenbar Vorwürfen nach, wonach es zu finanziellen Unregelmäßigkeiten in dem Restaurant gekommen sein soll. Angeblich geht es um nicht korrekte Abrechnungen, ihr möglicher Umfang ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft wollte sich mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht zu dem Vorgang äußern.

Sepp Krätz: Sepp Krätz wollte sich am Montag zu den Ermittlungen in seinem Restaurant nicht äußern.

Sepp Krätz wollte sich am Montag zu den Ermittlungen in seinem Restaurant nicht äußern.

(Foto: Robert Haas)

Auch Sepp Krätz selbst sagte auf Nachfrage nichts. Die Ermittlungen haben neben möglichen straf- oder steuerrechtlichen Konsequenzen für den 56-jährigen Wirt eine weitaus größere Dimension, auch für die Stadt München: Die neuen Vorwürfe könnten seine Konzession für das Hippodrom gefährden, das er auf dem Oktoberfest betreibt. Krätz' Zelt gilt als Prominenten-Treff auf der Wiesn. Erst vor kurzem hatte er wieder die Zulassung für das diesjährige Oktoberfest erhalten.

Die Geschehnisse in diesem Zelt hatten Sepp Krätz im vergangenen Herbst in Bedrängnis gebracht. Bedienungen hatten sich im Oktober vergangenen Jahres über massive Beschimpfungen, Beleidigungen, Tritte und Schläge öffentlich beschwert. Verbale Ausfälle räumte Krätz daraufhin kleinlaut ein, bestritt aber, handgreiflich geworden zu sein. Die Stadtspitze aus Oberbürgermeister Christian Ude und Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (beide SPD) zeigte sich besorgt um das Image des Oktoberfests und mahnte Sepp Krätz daraufhin ab. Der Wirt gelobte Besserung, und tatsächlich sind beim zurückliegenden Frühlingsfest keine Beschwerden aus dem Hippodrom bekannt geworden.

Dennoch hatte die Kellner-Affäre auch ein strafrechtliches Nachspiel: Krätz bekam vom Amtsgericht einen Strafbefehl über 60 Tagessätze zu 300 Euro zugestellt. Er soll in seinem Festzelt einen Studenten, der als Reinigungskraft angestellt war, aus nichtigem Grund zweimal getreten haben. Krätz bestreitet zwar die Tritte, bezahlte dem Mann aber Schmerzensgeld. Unmittelbar vor dem öffentlichen Prozess akzeptierte er auch den Strafbefehl über 18000 Euro. Folgen für seine Konzession hatte dies nicht.

Nachdem die ganz spezielle Mitarbeiterführung durch Krätz öffentlich geworden war, erreichten die Ermittler weitere detaillierte Vorwürfe, diesmal betreffen sie das Lokal "Andechser am Dom", das er neben der Waldwirtschaft in Pullach betreibt. Ob es sich bei den anonymen Hinweisen um üble Nachrede handelt oder tatsächlich um relevante Verstöße, müssen die Untersuchungen klären. Die Ermittler haben Unterlagen beschlagnahmt. Der Besuch der Fahnder am Montagvormittag im "Andechser", der "modernen, bayerischen Lifestyle" verkörpern will, ging sehr diskret über die Bühne. Dennoch muss sich der Wirt, als "Gastronom des Jahres 2011" ausgezeichnet, auf weitere unangenehme Nachfragen einstellen, auch seitens der Stadt. Sepp Krätz, der sich sonst gerne in der Öffentlichkeit mit prominenten Gästen umgibt und seine Nähe zur katholischen Kirche dokumentiert, war am Montag kurz angebunden. Von einer Durchsuchung wisse er nichts: "Ich bin bei einem Geburtstag, ich muss leider auflegen."

© SZ vom 05.07.2011/tob
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