Sendling-Westpark Schirm gegen den Mittleren Ring

Spielen am Mittleren Ring: Eine begrünte Trennwand soll künftig verhindern, dass Bälle auf die stark befahrene Straße rollen.

(Foto: Catherina Hess)

Wer am östlichen Rand des Luise-Kiesselbach-Platzes lebt, bekommt täglich Lärm und Abgase von rund 40 000 Fahrzeugen ab. Eine Schutzwand soll den Anwohnern Entlastung bringen

Von Berthold Neff, Sendling-Westpark

Selbst wenn sie sehr lang, sehr hoch und leuchtend grün ausfällt - der Sichtschutzwand, die nun die Bewohner am Max-Seidl-Weg vor dem Verkehr am Mittleren Ring abschirmen soll, wird man kaum ansehen, wie viel Geduld, Mühe und Überzeugungskraft nötig waren, sie doch noch durchzusetzen.

Daran, dass der Bau an dieser exponierten Stelle am östlichen Rand des Luise-Kiesselbach-Platzes dringend nötig ist, besteht seit Längerem kein Zweifel. Die Hoffnung, dass nach dem Bau des Südwest-Tunnels kaum noch Verkehr an der Oberfläche verbleiben würde, wurde schnell enttäuscht. Deshalb erschienen die Anwohner vom Max-Seidl-Weg und der Mainburger Straße, an deren Häusern täglich ungefähr 40 000 Autos auf der Route zur Garmischer Autobahn vorbeirauschen, schon kurz nach Eröffnung des Tunnels hilfesuchend im Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark. Die BA-Mitglieder versprachen, sich für einen besseren Sicht- und Lärmschutz einzusetzen - und haben Wort gehalten.

Im Planfeststellungsbeschluss die Details nachlesen, Besprechungen ansetzen, Ortstermine organisieren: Es gab viel zu tun, vor allem für den BA-Vorsitzenden Günter Keller (SPD) ndigen Unterausschuss Verkehr des Stadtteilgremiums leitet. Zwei Wochen vor der Bürgerversammlung, bei der Sebastian Uhl von der Bewohnerinitiative Max-Seidl-Weg ein breites Ja für eine begrünte Trennwand erreichte, gelang bei einer Besprechung im Technischen Rathaus an der Friedenstraße der Durchbruch. BA-Chef Keller sah sich dabei sieben Experten gegenüber, vier davon vom Baureferat, das die Federführung beim Tunnelbau hatte. Es wurden im Detail schalltechnische Berechnungen, mit und ohne Lärmschutzwand, erörtert, es ging um unterschiedliche Prognosen, tatsächlichen Lärm und passiven Schallschutz. Keller hatte moniert, dass im Planfeststellungsbeschluss für diese heikle Stelle zwei unterschiedliche Immissionswerte genannt werden, was von den Experten mit unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen erklärt wurde.

Klar wurde dabei aber auch, dass es nicht möglich ist, ein solches abgeschlossenes Planfeststellungsverfahren formaljuristisch neu aufzugreifen. Auch auf dem Kulanzwege sei es nicht möglich, im Nachhinein Geld in den Lärmschutz zu stecken. Eine solche Investition würde sicherlich von der Aufsichtsbehörde der Stadt beanstandet werden, hieß es. Spielräume eröffneten sich nur durch das Vorliegen neuer Gesichtspunkte.

Und die gibt es durchaus, wie es sich auch aus dem einstimmig verabschiedeten BA-Antrag vom August ergibt, auf den Keller hinwies. Der Antrag, so Keller, zielte vor allem darauf ab, den verkehrsberuhigten Bereich gegen die Autos abzuschirmen. Es gehe auch darum, die Kinder beim Fußballspiel zu schützen. Eine Trennwand könne verhindern, dass Kinder dem Ball hinterherlaufen und auf die Fahrbahn geraten. Ein solcher Sichtschutz werde auch psychologisch wirken, also den Eindruck vermitteln, dass der Verkehr ausgeblendet sei.

Angesichts dieser Betrachtungsweise änderten die Experten vom Baureferat ihre bisherige Position. Eine solche Trennwand werde man, so das Fazit bei der Besprechung, durch ein Ingenieurbüro prüfen lassen. Es seien verschiedene Varianten denkbar, die von einer begrünten Holz- oder Betonwand bis hin zu aufwendigeren Lösungen reichten.

Diese Einigung verkündete dann Christian Reichl, Sachgebietsleiter Tunnelbau im Baureferat, bei der Bürgerversammlung und lobte ausdrücklich das Verhandlungsgeschick von Günter Keller: "Er vertritt Ihre Interessen nachhaltig und gut." Ein paar Tage später, in der November-Sitzung des Bezirksausschusses, bedankte sich dann auch Initiativen-Sprecher Sebastian Uhl für Kellers Engagement. Keller verteilte das Lob dann aber gleichmäßig an alle BA-Mitglieder weiter: "Das ist nur gelungen, weil wir alle an einem Strang gezogen haben."