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Sendling-Westpark:Münchner Familie wartet seit fast 30 Jahren auf den Lärmschutz

Eine Quelle ständigen Lärms: Um die Belastung der Anwohner an der Garmischer Autobahn zu reduzieren, würde schon ein Tempolimit helfen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Friedrich Huber wohnt nahe der Auffahrt zur Autobahn 95 Richtung Garmisch. Er leidet stark unter dem Verkehrslärm.
  • Die Stadt hat ihm im Jahr 1988 zugesichert, dass Maßnahmen zum Lärmschutz getroffen würden.
  • Seitdem mahlen die Mühlen der Bürokratie. Ohne Erfolg: Passiert ist seitdem nichts.

Von Thomas Kronewiter, Sendling-Westpark

Der Brief in Friedrich Hubers Händen ist positiv und unmissverständlich. "Wie Sie aus dem beiliegenden Beschlußabdruck ersehen können", heißt es da, "wurden für die Autobahn München-Garmisch A 95 zwischen Luise-Kiesselbach-Platz und Kreuzhof zusätzliche aktive Lärmschutzmaßnahmen beschlossen". Der Brief, und das ist das Problem, datiert vom 12. April 1988. Unterzeichnet hat ihn seinerzeit Winfried Zehetmeier, damals zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt. Und seit damals wartet Friedrich Huber darauf, dass der versprochene Lärmschutz kommt, zu seiner Erleichterung und zum Nutzen der nicht wenigen Nachbarn der Garmischer Autobahn in der Stadt München.

29 Jahre später ist Friedrich Hubers Erwartungshaltung stark gesunken. Statt aktiver Lärmschutzmaßnahmen, im Bürgermeisterbrief von 1988 noch in der Prioritätenreihung münchenweit "an vierter Stelle", wäre er schon mit ein paar Verkehrsschildern zufrieden - als Einstieg in den Lärmschutz. 60 sollte drauf stehen, statt des heute stadtauswärts gültigen Tempos 80. Und auch diesmal wartet Anwohner Huber, der auf seinem Balkon an der Holsteiner Straße den Lärm wie in einem Schalltrichter abbekommt, auf die Umsetzung einer beschlossenen Maßnahme.

Wie das Kreisverwaltungsreferat bestätigt, beabsichtigt die Verkehrsbehörde eine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung für eine Tempobeschränkung auf 60 Stundenkilometer im Bereich zwischen der Anschlussstelle München Sendling-Süd und München-Kreuzhof für die Autobahn, die rein rechtlich in diesem Abschnitt noch als Bundesstraße gilt. "Aus Gründen des Lärmschutzes", wie Sprecher Johannes Mayer erläutert. Diese Überlegungen seien "in Absprache mit den beteiligten Referaten getroffen" und abgestimmt. "Eine entsprechende Anordnung", schränkt Mayer ein, "bedarf jedoch der Zustimmung der Aufsichtsbehörde und wird derzeit dort geprüft."

Das bringt das bayerische Innenministerium ins Spiel, und dort sieht man Friedrich Hubers Anliegen kritischer. Schon im vergangenen Januar, als er auf seine Anfragen eine Antwort aus dem Ministerium erhielt, hat sich der Anwohner beispielsweise erklären lassen müssen, dass auf der Stadtautobahn 2008 ein lärmmindernder Belag aufgebracht worden sei. "Inzwischen", sagt aber Huber resigniert, "sind die lärmschluckenden Poren durch Reifenabrieb und Feinstaub so verstopft, dass der Belag keine Wirkung mehr zeigt."

Zwischenzeitlich gibt es eine Petition im Landtag zu diesem Thema. Auch darüber ist noch nicht entschieden. Dass das Ministerium den Anwohnerwünschen geringe Erfolgsaussichten beimisst, kann sich Huber schon seit Januar ausrechnen. Schon da hieß es, es gebe im hoch belasteten Stadtgebiet Brennpunkte mit höherer Priorität. Nicht von ungefähr hatte auch die Stadt diesen Abschnitt früher nicht als Untersuchungsgebiet in ihren Lärmaktionsplan aufgenommen.

Das Innenministerium verweist im Übrigen auf die Möglichkeit, Zuschüsse beim Einbau von Schallschutzfenstern zu bekommen. Die Wirkung von Geschwindigkeitsbeschränkungen hänge dagegen "von der Akzeptanz der Fahrzeugführer" ab. Zudem bestehe die Gefahr, dass dadurch eine Verlagerung der Verkehrsströme in andere Wohngebiete erfolge.

Nur die Blätter schützen vor dem Krach: Friedrich Huber kann von seinem Balkon auf den Beginn der Garmischer Autobahn A 95 blicken.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Auch eine erneute SZ-Anfrage im Staatsministerium bringt keine Klarheit. Das Prüfungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen, da beispielsweise noch die Auswirkungen auf das angrenzende Straßennetz durch Ausweichverkehr geklärt werden müssten, erläutert der stellvertretende Pressesprecher Michael Siefener. Wie lange das dauere, sei derzeit nicht absehbar. "Wir haben die Landeshauptstadt gebeten, nochmals eine detaillierte Prüfung vorzunehmen. Dabei geht es auch um eine verkehrsrechtliche Gesamtschau aller Autobahnen beziehungsweise Bundesstraßen", sagt der Sprecher. Dabei seien sowohl die Interessen der Anwohner als auch die Belange der Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen. Siefener bringt schließlich erneut baulichen Lärmschutz ins Gespräch, da dieser "einen erheblich besseren Effekt" habe.

Friedrich Huber hätte da generell nichts dagegen. Er wäre froh, wenn sich überhaupt etwas täte - etwa durch Aufstellung von neuen Temposchildern. Die wären zumindest einigermaßen günstig.

© SZ vom 03.06.2017/bhi
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