Anlieger reagieren empört:Spät entdeckte Einnahmequelle

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Park-and-Ride-Anlage, Carl-Wery-Straße 35, die direkt an den U- und S-Bahnhof Neuperlach Süd angrenzt.

Bezahlte Parkplätze, wie hier in Neuperlach, sind für die Betreiber mitunter ein gutes Geschäft.

(Foto: Florian Peljak)

Die Deutsche Bahn nutzt einen Geländestreifen in Sendling-Westpark seit Kurzem als Parkplatz. Das Inkasso kollidiert mit dem Ziel der Stadt, die Martin-Behaim-Straße fußgängerfreundlicher zu gestalten

Von Jürgen Wolfram

Kostenfrei nutzbarer Parkraum ist in weiten Teilen der Stadt knapp und begehrt. Insofern verwundert es nicht, dass auf dem Schreibtisch von Günter Keller (SPD) "ein ganzer Packen von Bürgerschreiben" empörter Tonalität gelandet ist. Die Menschen beschweren sich beim Vorsitzenden des Bezirksausschusses Sendling-Westpark unisono über Parkscheinautomaten in der Martin-Behaim-Straße, die von der Deutschen Bahn "über Nacht" aufgestellt worden seien. Tatsächlich erschließt das Transportunternehmen in dieser Straße, die nördlich des Harras parallel zum Bahngleis verläuft, eine spät entdeckte Einnahmequelle. Rechtlich ist dieser Schritt kaum zu beanstanden, denn die Bahn besitzt dort auf der gesamten Straßenlänge von knapp einem halben Kilometer einen etwa fünf Meter breiten Geländestreifen. "Da ist nichts zu machen; denen gehört der Grund, deshalb können sie das Parken dort regeln, wie sie wollen", bedauert Keller.

Das neuartige Inkasso, das die Bahn der Firma "Parkräume" übertragen hat, kollidiert nicht nur mit den Wünschen von Autofahrern aus dem Viertel, sondern auch mit dem Ziel der Stadt, die Martin-Behaim-Straße generell fußgängerfreundlicher umzugestalten und in ein weit gefasstes Parklizenzgebiet einzubeziehen. Dieses soll den gesamten Bereich zwischen der Bahnlinie, der Baumgartnerstraße, dem Westpark, der Fernpassstraße, dem Luise-Kiesselbach-Platz und der Heckenstallerstraße abdecken. In städtischen Parklizenzgebieten können Anwohner für 30 Euro ein Jahresparkticket für ihr Fahrzeug erwerben. Auf dem Terrain der Bahn gibt es solche Angebote nicht.

Einen Ausweg sehen die Lokalpoltiiker in der Einberufung eines runden Tisches

Konfrontiert mit dem Unmut der Anwohner, verteidigen die Deutsche Bahn und ihr unbefristet engagierter Kooperationspartner die neue, kostenpflichtige "Parkraumbewirtschaftung" unter anderem mit dem Unterhalt ihres Geländestreifens, den sie zu tragen hätten. Die regelmäßige Reinigung etwa erfordere einigen finanziellen Aufwand. Der Hinweis, es handle sich eindeutig um Privatgrund, fehlt ebenfalls nicht.

Beim Umbau der Martin-Behaim-Straße sei auch der schmale Pfad im Südteil zu erweitern, schon weil dieser stark von Schülern frequentiert werde, fordert unterdessen der Bezirksausschuss. Zu reden sei ferner über Pflasterung, Winterräumung, beidseitige Gehwege, Gesamtzustand. Dabei ist dem Bezirksausschuss Sendling-Westpark bewusst, dass wegen der Mitsprache der Bahn sowie gleich dreier städtischer Referate das ganze Projekt möglicherweise noch einmal überdacht werden muss und dadurch viel Zeit verstreichen könnte, ehe die Martin-Behaim-Straße die gewünschte Gestalt annimmt.

Einen Ausweg aus der komplizierten Gemengelage sehen die Lokalpolitiker in der Einberufung eines runden Tisches. "Wir müssen uns mit allen Beteiligten zusammensetzen und schauen, wie wir die Kuh von Eis bringen", hieß es bei der jüngsten Beratung des Stadtteilgremiums.

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