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Sendling:Tief, tiefer, am wärmsten

Test-Fahrt: Die Vibro-Konvois kommen Ende Januar nach Sendling.

(Foto: Claus Schunk)

Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd an der Schäftlarnstraße planen die Stadtwerke die vierte Geothermieanlage. Von dort aus soll unter anderem die Innenstadt mit Fernwärme versorgt werden

Von Sendling aus sollen in vier Jahren die Innenstadt und der Westen Münchens sowie Sendling und Perlach mit geothermischer Fernwärme versorgt werden. Die Stadtwerke München (SWM) planen eine Anlage auf dem Gelände des Heizkraftwerks (HKW) Süd an der Schäftlarnstraße gegenüber der Einfahrt zur Großmarkthalle. Der Bohrbeginn nach dem heißen Wasser in mehr als 2000 Metern Tiefe ist für Anfang 2018 geplant. Das Projekt ist für die SWM etwas Besonderes, sie will damit eine Energiewende im Wärmemarkt erreichen: Bis 2040 soll München die erste deutsche Großstadt sein, in der Fernwärme zu 100 Prozent regenerativ gewonnen wird. Den wesentlichen Beitrag dazu soll die Geothermie liefern.

Zwar sind die Vibro-Konvois, die derzeit auf der Suche nach möglichen Geothermieanlagen-Standorten das südliche Stadtgebiet durchkämmen, noch nicht in Sendling angekommen; sie werden dort nicht vor Ende Januar messen. Doch dass das HKW-Gelände an der Isar Standort der nächsten Tiefenbohrung der SWM sein wird, steht bereits fest. Das Kraftwerk liegt günstig für eine Geothermieanlage, so die Stadtwerke, man rechnet mit einer rentablen Temperaturausbeute. Außerdem spreche dafür, dass sich die gewonnene Wärme vom HKW Süd in drei Fernwärmenetze einspeisen ließe - in das Netz für Sendling, das für Perlach und das Innenstadt-Netz, das auch den Münchner Westen erreicht. Die Sendlinger Anlage wird nach Riem, Sauerlach und Freiham die vierte Geothermieanlage der SWM sein.

Wie viele Haushalte versorgt werden können, ist noch nicht abzusehen. Konkret geht es neben Sendling und Perlach um Teile der Ludwigsvorstadt und der Isarvorstadt, der Schwanthalerhöhe und der Maxvorstadt, Bereiche von Schwabing-West, Neuhausen-Nymphenburg, Laim, Pasing-Obermenzing und Freiham. Die SWM erwartet eine Thermalwassertemperatur von 95 Grad. Strom kann man bei dieser Temperatur noch nicht erzeugen, sie lässt sich jedoch optimal zum Heizen nutzen. Dafür wird mittels eines Wärmetauschers die Wärmeenergie des Thermalwassers auf das Fernwärmewasser übertragen, das wiederum in die Haushalte geleitet wird. Bis zu 30 Megawatt können in die drei Netze eingespeist werden.

Vier Bohrungen sind auf dem HKW-Areal geplant. Aus zwei Bohrungen soll das Wasser an die Oberfläche gepumpt werden, das abgekühlte Wasser wird durch zwei Injektionsbohrungen anschließend wieder in die Tiefe zurückgeführt. Erdwärme zu fördern, belastet das Ökosystem nicht, so die SWM. Und die Anlieger würden, wenn die Anlage einmal laufe, sie kaum wahrnehmen, versprach Christian Hecht, bei den SWM zuständig für die Konzeption der Erzeugungsanlagen, im Sendlinger Bezirksausschuss.

In München und dem südlichen Umland sind laut SWM die geologischen Voraussetzungen so gut wie in nahezu keiner anderen Region Deutschlands. Geothermische Energiequelle ist heißes Thermalwasser aus gut durchlässigen Kalksteinschichten im Malm. München steht auf einem riesigen Vorrat in einer Tiefe von 2000 Metern im Norden Münchens, im Süden sind es mehr als 3000 Meter. Die höchsten Temperaturen werden im Süden erreicht: Auf der Höhe von Straubing werden 35 Grad Celsius erreicht, bei Erding 65 Grad, in München beinahe 100 Grad und in Sauerlach, die einzige Geothermieanlage der SWM, in der auch Strom erzeugt werden kann, herrschen Temperaturen von 140 Grad Celsius.

Bei der Eröffnung der Geothermieanlage in Freiham im November sagte Stephan Schwarz, SWM-Geschäftsführer Versorgung und Technik, dass der Wärmemarkt rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland ausmache. Im Privathaushalt würden sogar 90 Prozent für Heizung und Warmwasserbereitung verwendet. Derzeit erzeugen die SWM die Wärme, die in die Haushalte geleitet wird, durch das Verbrennen von Müll, Kohle oder Erdgas.