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Sendling:Platz schaffen

Pkw, Radler, große Laster, Linienbusse drängen sich durch die relativ schmale Oberländerstraße beim Großmarkt, und oft blockieren sie sich gegenseitig. Die Anwohner fühlen sich durch Hupen, Lärm und Abgase gestört.

(Foto: Stephan Rumpf)

An der schmalen Oberländerstraße soll ein Halteverbot eingerichtet werden, damit die Laster durchkommen. Mal sehen, ob das genügt

Von Birgit Lotze, Sendling

Seit Monaten bereits schlagen Anwohner der Oberländerstraße Alarm. Vor ihrer Haustür sei das Unfallrisiko immens gewachsen, sagen sie. Im Abschnitt zwischen dem West-Tor des Großmarkts und der Implerstraße komme es zu teils abstrusen Situationen. Denn durch die verhältnismäßig schmale Straße versuchen sich neben Radlern, Autofahrern und einer Buslinie auch Schwerlaster durchzudrängen, vorbei an beidseitig parkenden Autos. Oft blockieren sie sich gegenseitig. Die Anwohner fühlen sich durch Hupen, Lärm und Abgase gestört.

Der Bezirksausschuss (BA) hat daher eine Einbahnregelung vorgeschlagen, die städtische Verwaltung lehnte allerdings ab. Auf Initiative der ÖDP/FDP-Fraktion, die Fotos von Anwohnern - aus der Wohnung auf die Straße geknipst - gesammelt hat, kam es nun erstmals zu einem Ortstermin mit Markthallen-Chef Boris Schwartz und einer Vertreterin des Kreisverwaltungsreferates. Beide zeigten sich offen für eine Lösung. Trotzdem äußerte sich Tobias Schönberger (FDP) nach der Ortsbegehung skeptisch.

Die Transitgebühren auf dem Großmarkt-Gelände wollen sich manche ersparen

Die Transporter fahren das Unternehmen Greenyard an, einen Lieferanten von Obst und Gemüse an der Oberländerstraße 2 außerhalb des West-Tors zum Großmarkt. Boris Schwartz hatte vorgeschlagen, dass die Lkw über das Großmarktgelände dorthin fahren, also von der Schäftlarnstraße aufs Gelände einfahren, es überqueren und zum West-Tor wieder hinausfahren. Die Möglichkeit für eine Rückfahrt konnte Schwartz jedoch nicht anbieten. Der Großmarkt musste auf Einbahnregelung für schwere Lkw umstellen. "Wir haben massive statische Probleme auf dem Gelände", sagt Schwartz. Die neue Großmarkthalle ist längst überfällig, die Keller unter den maroden Hallen drohen einzustürzen.

Bislang nehmen die Schwerlasterfahrer das Angebot nicht an. Ein Großteil von ihnen fährt also nicht über das Großmarktgelände, sondern biegt von der Implerstraße in die Oberländerstraße ein, auch wenn das manchmal gute Manövrierfähigkeiten erfordert. Zum einen werden Transitgebühren bei einer Fahrt über das Großmarktareal fällig, und, das sieht Schwartz als eine wichtige Ursache, das Navi führe sie über die Oberländerstraße. Es sei unter den Fahrern ziemlich üblich, auf ein Navi-Abo zu verzichten, sagt Schwartz. Über Neuerungen auf der Stecke würden die Fahrer also nicht informiert.

Der Bezirksausschuss hatte deshalb die Einbahnregelung - ein Einfahrtsverbot für Transporter von der Implerstraße aus - als durchaus sinnvoll erachtet. Nach der Ablehnung hatte er sich um ein komplettes Durchfahrtsverbot für Lkw bemüht. Die Vertreterin des Kreisverwaltungsreferats machte bei der Ortsbegehung einen weiteren Vorschlag: Man könne in Betracht ziehen, die Parkplätze abzubauen. Vielleicht wäre dies die einfachste Lösung, sagt Schönberger, dass die Lage sich dadurch substanziell ändert, bezweifelt der FDP-Vertreter jedoch. Sein Eindruck ist, dass die Stadt davon ausgeht, dass sich Lage in der Oberländerstraße ohnehin bald beruhigt. Es gebe Gerüchte, der Obstlieferant ziehe in zwei Jahren aus, sagt Schönberger: "Ich befürchte, da spielt die Stadt jetzt einfach auf Zeit." Ein Anzeichen dafür glaubt er, bei der Begehung wahrgenommen zu haben: Der BA sei aufgefordert worden, doch wieder einen Antrag zu formulieren. Es gehe also in eine neue Runde.

Der Bezirksausschuss hat umgehend auf den neuen Vorschlag reagiert. Er beantragt die Umsetzung der vom Kreisverwaltungsreferat vorgestellten Lösung mit Halteverboten auf der Süd- und Nordseite der Oberländerstraße. Gleichzeitig setzte er ein Ultimatum. Falls diese Lösung in den nächsten sechs Monaten die Lkw-Problematik nicht befriedigend kläre, beantragt er ein Einfahrtsverbot für Schwerlaster - und zwar in alle Straßen, die von der Implerstraße Richtung Thalkirchner Straße führen. Denn es gehe nicht mehr allein um die Oberländerstraße, sagte die Vorsitzende des Unterausschusses Öffentlicher Raum und Mobilität, Dagmar Irlinger (Grüne). Zunehmend mehr Schwerlaster nutzten auch die Valleystraße als Zufahrt zu Greenyard.

© SZ vom 19.12.2020
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