Sendling:Neuer Anlauf für die Großmarkthalle

Obstgroßhändler in der Münchner Großmarkthalle, 2016

Künftig auf mehreren Etagen: Der neue Vorschlag sei womöglich "die letzte Möglichkeit, die Großmarkthalle am Standort zu retten", heißt es im Stadtrat.

(Foto: Stephan Rumpf)

Händler und Mieter wollen nun selbst bauen und dabei mehr Platz für Wohnungen lassen

Von Heiner Effern, Birgit Lotze

Schon seit einem Jahr herrscht politischer Stillstand beim Bau der neuen Großmarkthalle, nun unternehmen Händler und Mieter auf dem Areal einen willkommenen Vorstoß: Sie wollen die Halle mit einem neuen, flächenmäßig kleineren und dichteren Konzept selbst errichten. "Macht der Stadtrat mit, bekommen wir Händler und Mieter eine Perspektive und Planungssicherheit", sagt Christa Heidingsfelder, Geschäftsführerin der Umschlagzentrum Großmarkt München GbR, kurz UGM. Die UGM hat an der Idee maßgeblich mitgewirkt und will auch den Bau übernehmen.

Stadträte von SPD und CSU zeigen sich aufgeschlossen. "Das ist ein interessantes Konzept, mit dem es auch schneller gehen könnte. Das sind zudem Leute, die den Großmarkt und die Firmen dort kennen", sagt Ulrike Bösser von der SPD. Ihre Kollegin von der CSU, Kristina Frank, zeigte sich nahezu euphorisch. "das kommt unseren Vorstellungen einer erfolgversprechenden Investorenlösung für den Neubau der Großmarkthalle sehr nahe", sagte sie. Auch aus der Opposition kommt Zuspruch. Die von der UMG ins Gespräch gebrachte Lösung sei "wahrscheinlich die letzte Möglichkeit, die Großmarkthalle am Standort zu retten", kommentierte Michael Mattar, Fraktionschef der FDP. Die Grünen finden die Idee zumindest sinnvoller als die bisherigen Pläne von CSU und SPD. "Besser, wenn die Händler bauen als irgendein Investor", sagte Stadträtin Anna Hanusch. Beschlossen ist damit aber noch nichts, der Neubau einer funktionellen Großmarkthalle auf den Flächen der UGM westlich der Schäftlarnstraße gegenüber dem Heizkraftwerk München-Süd muss nun geprüft werden.

Während die bisherige städtische Planung einen 500-Meter-Bau entlang der Schäftlarnstraße vorsieht, der europaweit ausgeschrieben werden müsste, konzentriert sich das neue Konzept auf den südlichen Teil am Heizkraftwerk. Weitere sieben Hektar Grund könnten wohl somit für andere Nutzungen wie Wohnungsbau eingespart werden. Danach soll die neue Großmarkthalle etwa die Flächen belegen, die derzeit bereits an die UGM vermietet sind. Die zwei Hallen, die dort mehr als 20 Umschlaghändlern Platz bieten, sollen dafür abgerissen werden und einem mehrstöckigen Neubau weichen.

Die UGM hat die Pläne bereits dem Vorstand des Bayerischen Fruchtverbandes und der Erzeugergemeinschaft der Gärtner vorgestellt, am Dienstag auch ihren eigenen etwa 20 Mietern, meist Umschlaghändler. Das Konzept sei "unisono begrüßt" worden, hieß es danach. Es verkürze die Planungs- und die Bauzeit. Die Wünsche und Bedürfnisse der Händler könnten weitestgehend berücksichtigt werden. Alle Gewerbetreibenden und Einrichtungen fänden Platz. Dass man nicht mehr nur ebenerdig zuliefern könne, sei lösbar, meinte Oliver Rob, Geschäftsführer der Neon-Consult, die die UGM in Bauangelegenheiten berät. 40-Tonner müssten unten bleiben, kleinere Laster bis maximal zwölf Tonnen sollten dagegen aber auch den Weg nach oben nehmen können.

Die Standortinitiative "Großmarkt in Sendling. Jetzt" hatte seit dem Stadtratsbeschluss im vergangenen Sommer immer wieder betont, es sei unrealistisch, den Neubau in der geplanten Form mithilfe eines privaten Investors bis 2021 umzusetzen. Die UGM war auch maßgeblich an der Gründung dieser Initiative beteiligt, deren Ziele von den meisten kleinen Händlern unterstützt werden.

Ob die Idee, mit der die UGM nun auf die Politik zukam, auch realisierbar ist, müssen vertiefte Planungen zeigen. Positiv an der Lösung sei, dass Ärger mit noch laufenden Erbpacht-Verträgen auf dem Gelände wegfiele, sagt SPD-Stadträtin Bösser. Zu klären sei jedoch noch einiges, etwa ob sich auf diese Weise die zeitintensive Ausschreibung vermeiden ließe. Zudem müsste ein neuer Bauvorbescheid erwirkt werden. Die künftige Kommunalreferentin Kristina Frank, die von 1. August an auch für die Großmarkthalle verantwortlich sein wird, versprach schon einmal, den Vorstoß "wohlwollend zu prüfen".

© SZ vom 27.06.2018
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