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Sendling:Kunst-Offensive

Lokalpolitiker wollen Kreative unbürokratisch und corona-tauglich unterstützen

Mit einer Offensive wollen die Sendlinger Lokalpolitiker Künstler und Kreative im Viertel nach der coronabedingten Kulturpause fördern. Dafür machen sie viel Geld locker. Laut der Vorsitzenden des Budgetausschusses, Elisabeth Robles Salgado (Grüne), soll ein Großteil des diesjährigen Budgets, 25 000 Euro, als Honorar in die Künstlerszene fließen. Dafür hat der Bezirksausschuss (BA) in dieser Woche den "Sendlinger Sommer" ausgerufen. Bis zu hundert Künstlerinnen und Künstler, die in Sendling wohnen, sollen einmalig mit bis zu 250 Euro für Veranstaltungen und Auftritte im Stadtteil unterstützt werden. Kulturschaffende seien wichtig für Sendling, der BA wolle ein Zeichen der Wertschätzung setzen. Und wenn viele von ihnen die Fördermittel nutzten, dann hätten die Sendlinger einen "bunten Sommer" mit der Möglichkeit, Kultur zu genießen, sagte Robles Salgado.

Die Idee der neuen Fraktionssprecherin der Grünen, Christina Hesse, wurde durch eine Initiative des BA-Chefs Markus Lutz (SPD) angestoßen, die ebenfalls einstimmig unterstützt wurde: Der BA appelliert an die Stadt, Konzepte zu entwickeln, mit denen künstlerische und kulturelle Initiativen im öffentlichen und halböffentlichen Raum unbürokratisch geplant und durchgeführt werden können. Kulturschaffende litten besonders unter den Einschränkungen infolge des Coronavirus, sagte Lutz. Institutionen müssten sie in der derzeitigen Lage unterstützen, denn sie leisteten einen bedeutenden Beitrag zum städtischen Leben, für Bildung und den sozialen Zusammenhalt der Menschen.

Christina Hesse nahm dies zum Anlass zu fragen, was man vor der eigenen Haustür machen, wie der BA Sendlinger Künstler unterstützen könne. Nach dem Konzept, das sie dann mit Lutz entwickelte, soll die Förderung möglichst unbürokratisch laufen. Hesse fallen spontan viele Foren ein: So könnten kulturelle und soziale Einrichtungen Konzerte oder Ausstellungen veranstalten, ebenso Restaurant- oder Café-Betreiber Musiker spielen lassen. Oder die Buchhandlung, die eine Lesung im Außenraum organisiere, eine Kunstausstellung im Schaufenster. Möglich seien auch Aktionen im öffentlichen Raum: Projektionen an Hausfassaden, Atelier oder Bildhauer-Werkstatt im Freien, wo das Publikum beim Entstehen eines Werkes zusehen kann. An große Orchester denkt Hesse nicht, sondern an überschaubare Gruppen. "Das muss corona-tauglich sein".

Eine konzeptionelle Nähe zur geplanten Aktion "Sommer in der Stadt", eine Hilfsaktion für Schausteller und Standbetreiber, ist durchaus gewollt. Dadurch würden sich neue Räume in den Vierteln auftun, vielleicht gemeinsame Nutzungen ergeben, sagte Christina Hesse. Auch dieses städtische Vorhaben wurde in der Sitzung begrüßt. Volle Unterstützung erhielt ebenso eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Kunst im Quadrat", eine Initiative der Glockenbachwerkstatt und des bald eröffnenden Stadtteilkulturhauses "Luise", die mit einem nachhaltigen Konzept und ohne Gewinn zu machen, einen kleinen Teil der Theresienwiese nutzen wollen. Auch bei Kunst im Quadrat ist der Einsatz lokaler Künstler beabsichtigt.

© SZ vom 12.06.2020

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