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Sendling/Isarvorstadt:Wertstoff- versus Restmülltonne

Wertstoffhof Langwied wieder geöffnet nach Logdown aufgrund der Corona-Krise

Sammlung im Wertstoffhof: In München gibt es keine gelbe Tonne für den Plastikmüll im Haushalt.

(Foto: Florian Peljak)

Lokalpolitiker wollen die Diskussion um eine effiziente und dabei umweltfreundliche Abfallwirtschaft neu in Gang bringen

Von Birgit Lotze, Sendling/Isarvorstadt

Das Thema Müll beschäftigt die Stadt. Bisher herrscht eher Unklarheit über die städtischen Strukturen der Abfall- beziehungsweise Wertstoffverwertung. Der Sendlinger SPD-Lokalpolitiker Philip Fickel hat deshalb eine Anfrage zur Mülltrennung in München gestellt, die der Bezirksausschuss so übernommen hat: Wie soll Müll richtig und umweltfreundlich getrennt werden? Denn die Wege des Plastikmülls in München seien intransparent. Das Verpackungsgesetz habe sein Ziel verfehlt, hieß es jüngst im Stadtrat. Dem Menschen werde vorgegaukelt, dass er etwas Gutes tue. Recycelt würden nur etwa 18 Prozent, gesetzlich vorgeschrieben seien 58,5 Prozent.

Entsprechend groß ist jetzt die Unsicherheit, wie es weitergehen soll. Auch weil manche finden, dass es in der aktuellen Situation ökologisch sinnvoller sein könnte, Kunststoffabfälle über die Restmülltonne zu entsorgen als sie über die Wertstoffinsel einem privaten Entsorger zu überlassen. Sendling Lokalpolitiker wollen deshalb Informationen darüber, wie das Duale System eigentlich in München funktioniert und welche Auflagen die Stadt gemacht hat. Und sie fordern Auskunft darüber, wie die privaten Entsorger der Wertstoffinseln die Wertstoffe recyceln. Und was mit dem Rest passiert: "Wird Münchner Müll ins Ausland verschifft?"

Auch die Nachbarn in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hatten bereits eine Woche zuvor Aufklärung gefordert. Diskussionsgrundlage bot ein Antrag der FDP, testweise Wertstofftonnen im Stadtbezirk einzuführen, zusätzlich zu den Hausmüll-, Papier- und Biotonnen. In den meisten anderen Städten ist dieses System üblich und die Recyclingquote teils wesentlich höher. München bilde das blamable Schlusslicht in Deutschland, sagte Katrin Nesemann bei der Vorstellung des Antrags. Die Stadt solle schnell handeln, schon um auf eine bundesweit vergleichbare Recycling-Menge pro Einwohner zu kommen.

Im Stadtrat, wo die FDP ebenfalls die Forderung nach einem Pilotversuch mit der gelben Tonne gestellt hat, erteilte Grün-Rot eine Absage. Die gelbe Tonne führe zu anderen Problemen, hieß es dort. Der Auftrag müsse ausgeschrieben werden, der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb habe da gar keine Chance, weil er zu teuer sei. Auch im Bezirksausschuss zeigte sich die grün-rote Mehrheit überzeugt, dass die Münchner Strukturen derartige Müllentsorgungs-Tests in einzelnen Stadtvierteln nicht zuließen. Doch sie unterstützten den Antrag - schon um die Diskussion in der Stadt anzuschieben.

© SZ vom 09.11.2020

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