Sendling/Isarvorstadt Mit dem Auto zum Schiff

Der Münchner Shanty-Chor "Die Seelords" sang im Juli zur Taufe der Alten Utting.

(Foto: Stephan Rumpf)

Anwohner klagen über Parkdruck, seitdem die "Utting" mit Party und Kultur lockt

Von Birgit Lotze, Sendling/Isarvorstadt

Dass die MS Utting nach 70 Jahren Dienst als Ausflugsdampfer auf dem Ammersee einen neuen Hafen auf einer Brücke in der Lagerhausstraße gefunden hat, ist in München teils begeistert aufgenommen worden. Auch, dass auf dem Schiff seit Sommer ein Kulturprogramm, Essen und Partyabende angeboten werden, kommt im Viertel gut an.

Doch es gibt auch Anwohner, die sich durch die Utting gestört fühlen, vor allem von Besuchern, die nicht zu Fuß kommen. Seit der Dampfer da sei, gebe es abends "Berge von Autos" im Dreimühlenviertel. Was noch frei sei, stellten Fahrräder zu, klagte eine Anwohnerin aus der Reifenstuelstraße im Bezirksausschuss (BA). Die Anwohnerin befürchtet, dass sich die Parksituation mit der Eröffnung des Volkstheaters auf dem Viehhofgelände noch verschlimmert. "Wir wohnen in einem der schönsten Viertel der Stadt, zahlen horrende Mieten, und es ist schrecklich."

Auch Silvia Haas (Grüne), BA-Mitglied und ebenfalls aus dem Dreimühlenviertel, hat einige Beschwerden über die Parksituation gehört. Nach 19 Uhr fänden die Anwohner kaum einen Parkplatz. Dafür nehme das "Kurven und Kurven" im Quartier zu. Haas regte an, nochmals auf den Discounter Lidl zuzugehen, der unterhalb der Utting eine Filiale betreibt. Dass dieser sieben Parkplätze zur Verfügung stelle, sei Teil des Bauantrags gewesen, glaubt die Grünen-Politikerin sich zu erinnern. Doch Lidl mache den Parkplatz dicht zum Ladenschluss. Lidl sehe sich nur dazu aufgefordert, die Parkplätze zum Be- und Entladen des Schiffes zur Verfügung stellen, hat Haas auf Nachfrage bei dem Discounter erfahren. "Das stimmt so nicht."

Beate Bidjanbeg (SPD) regte an, der BA solle sich um eine Ausweitung der Zonen für das Anwohnerparken bemühen. Sie erinnerte daran, dass der Mangel an Parkplätzen auch anderswo in der nahen Umgebung gravierend sei, das lasse sich kaum auf die Öffnung der Alten Utting reduzieren. Es gebe Baustellen und viele andere Ursachen. Ein Anwohner der Holzstraße im dem Dreimühlenviertel benachbarten Glockenbachviertel forderte Priorität für Anwohner beim Parken. Auch in seinem Viertel sei die Suche langwierig: "Bei uns sieht man vor allem Autos aus Starnberg."

Der Hinweis von Martin Ruckert (CSU), dass in der Tiefgarage des begonnenen Neubaukomplexes an der Ecke Ruppertstraße und Tumblingerstraße "ein paar Anwohnerparkplätze" geplant seien, reicht der Anwohnerin des Dreimühlenviertels bei Weitem nicht. Sie plädierte dafür, die Stadt solle eine Fläche auf dem Großmarktareal für die Autos der Anwohner freimachen. Eine weitere Diskussion darüber wurde in den BA-Unterausschuss am Dienstag, 6. November, vertagt.

Auch eine Beschwerde darüber, dass die Gegend seit der Öffnung der Utting zu laut sei, hat inzwischen die Stadt erreicht. Man könne kaum bei offenem Fenster schlafen, "das Gegröle" sei bis in die frühen Morgenstunden zu hören, heißt es. Die Straßen um den Viehhof hätten sich in eine "Feiermeile" verwandelt. Gerhard Metzger (Grüne), direkter Anwohner der Utting und BA-Mitglied, forderte den BA auf, sich von dem Begriff Feiermeile zu distanzieren. Sein Arbeitszimmer und sein Schlafzimmer lägen nach vorne heraus. "Das Wort stimmt einfach nicht."