Sendling-Isarvorstadt:Hokuspokus im Innenhof

Sendling-Isarvorstadt: Zauberer René Frotscher lässt gerade kein Kaninchen aus dem Zylinder hüpfen, ist aber so lustig, dass die Kinder viel lachen.

Zauberer René Frotscher lässt gerade kein Kaninchen aus dem Zylinder hüpfen, ist aber so lustig, dass die Kinder viel lachen.

(Foto: Kathi Seemann (oh))

Zwei Dramaturgen bieten Kulturprogramm für Hausgemeinschaften an - acht Veranstaltungen haben schon stattgefunden

Von Katja Gerland, Sendling-Isarvorstadt

Die Idee, mit der sich die Dramaturgen Malte Jelden und Moritz Grebner im vergangenen Jahr an das Stadtteilkulturzentrum Luise gewandt haben, ist einfach: "Wir wollten die Orte der Menschen als Bühne entdecken", blickt Jelden zurück. Inspiriert von den Hinterhofkonzerten, denen viele Menschen in den Pandemiemonaten von ihrem Balkon aus gelauscht haben, sollten Münchner Innenhöfe in Aufführungsorte verwandelt werden. Ob es sich dabei um Musik, Kunst, Film oder Theater handele, sei ganz egal, sagt Grebner. Die Hauptsache sei, dass die Kultur nicht nur in Theatersälen und Konzerthallen bleibe, sondern "nach draußen geht". Mit Unterstützung von Luise haben Grebner und Jelden ihre Idee in den vergangenen Monaten nun in die Realität umgesetzt: Mit ihrem Projekt "Kultur im Block" bespielen sie im Juni und Juli Innenhöfe in Sendling und der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Darunter auch den Innenhof an der Kraelerstraße, auf den Peter Rostek von seinem Balkon aus blickt. Im Februar hat er einen Aufruf von Jelden und Grebner in der Zeitung entdeckt, erzählt der 51-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt waren die Dramaturgen noch auf der Suche nach geeigneten Spielorten für ihr Projekt. Für Rostek sei sofort klar gewesen, dass Kultur im Block auch an die Kraelerstraße kommen müsse: "Ich dachte mir, das ist die Gelegenheit", erinnert er sich, "die suchen eine Bühne, wir haben eine". Als einer von 30 Anwohnern verschiedener Innenhöfe habe sich Rostek dann bei Grebner und Jelden gemeldet. Die haben schließlich zehn Hausgemeinschaften ausgewählt und die Innenhofveranstaltungen, immer in Abstimmung mit den Anwohnern, geplant. "Die Nachbarinnen und Nachbarn waren ihre eigenen Kuratoren", sagt Jelden. Auf Grundlage eines Stimmungsbildes wurden den Bewohnern einige Vorschläge zur Abstimmung vorgelegt. "Theaterstücke, Kurzfilme, da war fast alles dabei." Direkt an den Wohnungstüren, per Mail oder über Flurfunk haben die Nachbarn dann für oder gegen die Vorschläge votiert. Ein demokratischer Prozess, der das Programm an die kulturelle Nachfrage der Anwohner anpasse, erklärt Grebner. Ganz demokratisch hat auch Rostek auf dem Weg zum Innenhofkonzert gehandelt: Um möglichst viele seiner Nachbarn in die Entscheidung einzubeziehen, habe er so einige Klinken geputzt, erinnert sich der 51-Jährige. Letztlich ist die Wahl seiner Nachbarschaft auf einen musikalischen Abend mit dem Künstler Cellz, eingeleitet von einem Kinderprogramm des Zauberers René Frotscher, gefallen. In der vergangenen Woche war es dann so weit: Als siebte Veranstaltung der Dramaturgen zog Kultur im Block in den Innenhof an der Kraelerstraße ein. Und als die Kinder beim Anblick des Zauberers, der sich so einige Scherze erlaubt, gar nicht mehr aus dem Lachen herauskommen, können sich auch Rostek, Jelden und Grebner ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Nun warten noch die Anwohner zweier Innenhöfe darauf, von Kultur im Block beschallt zu werden. Doch für Jelden und Grebner ist schon jetzt klar, dass das Projekt in Zukunft im größeren Stil weitergehen soll: In ganz München und im Idealfall in Eigenregie der Nachbarschaften. Das Ziel sei, so Moritz Grebner, allen Interessierten einen "Ideenbaukasten" mitzugeben, der es erleichtert, Kultur in die Innenhöfe zu bringen. Auch ein Mentorensystem, in dem erfahrene Nachbarn ihr Wissen weitergeben, können sie sich gut vorstellen. Mit Peter Rostek haben sie jedenfalls schon den ersten Nachbarn auf ihrer Seite. Er wolle auch in Zukunft Teil von Kultur im Block sein. Denn, so sagt er: "Die Idee ist einfach klasse."

© SZ vom 26.07.2021
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