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Sendling:In die Tonne getreten

Heizkraftwerk München Nord, Müllverbrennungsanlage

Hier wird Müll im Heizkraftwerk München Nord für die Verbrennung vorbereitet.

(Foto: Florian Peljak)

Kommunalreferentin Kristina Frank hält nichts von der Idee aus Sendling, auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd ein Müllmuseum zu errichten. Es gebe dafür weder eine geeignete Fläche noch generell eine Notwendigkeit

Von Birgit Lotze, Sendling

Lokalpolitiker aus dem Stadtbezirk Sendling fragen seit einiger Zeit auffällig häufig bei der Stadt um große Kulturhäuser nach. So wollten sie, dass das Volkstheater nicht in einen Neubau auf dem ehemaligen Viehhofgelände in der Isarvorstadt, sondern in die denkmalgeschützte Halle 1 auf dem Sendlinger Großmarktgelände einzieht. Und aktuell hoffen sie darauf, dass das 1800 Zuschauer fassende Philharmonie-Provisorium, das der Gasteig nach seiner Rückkehr an die Rosenheimer Straße in Stadtbezirks hinterlässt, dann nicht abgebaut wird, sondern dort als Konzerthaus bleibt. Dem ersten Wunsch wurde bekanntlich nicht entsprochen, da unklar war, wann die Halle 1 überhaupt frei sein wird. Was den Konzertsaal angeht, ist noch nichts spruchreif, schließlich ist der Ausweich-Gasteig in Sendling noch nicht einmal gebaut. Und ein weiterer Wunsch aus Sendling - ein Müllmuseum - ist nun erst mal vom Tisch.

Kristina Frank teilte in ihrer Funktion als erste Werksleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) mit, dass für ein Müllmuseum in Sendling auf öffentlichem Grund kein Platz sei. Darüberhinaus machte die Kommunalreferatschefin deutlich, dass an einem Müllmuseum auch gar kein Interesse bestünde.

Der Bezirksausschuss (BA) Sendling hatte auf Initiative Philip Fickel (SPD) den Antrag gestellt. Dieser wollte die Gelegenheit wahrnehmen, dass auf dem Gelände des Heizkraftwerks (HKW) Süd in Kürze groß umgebaut wird, auch der weithin sichtbare 176 Meter hohe Schlot soll noch in diesem Jahr fallen. Dort frei werdendes Areal wollte Fickel für ein Müllmuseum genutzt sehen. Die Stadtwerke München (SWM) und die AWM sollten das Projekt gemeinsam stemmen. In so einem Museum, so seine Vorstellung, könne die Stadt über den gesamten Müll-Prozess informieren - von der Produktion über das Entsorgen zur Wiederverwertung. Schulklassen sollten das Museum besuchen. Die Stadt könne so einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten. Falls auf dem HKW-Areal wirklich kein passender Platz gefunden werde, so BA-Chef Markus Lutz (SPD), würden ja auch andernorts im Viertel öffentliche Flächen frei, etwa auf dem Großmarktgelände.

Das HKW-Süd sei für so ein Projekt nicht geeignet, ist Frank der Auffassung. Die vorhandenen Flächen seinen komplett ausgelastet. Es würde modernisiert, um- und ausgebaut - von Mitte des Jahres an sollten 80 000 Münchner mit Geothermie von dort aus versorgt werden. Darüber hinaus solle im HKW-Gebäude eine Fernkälteanlage installiert werden. Abgesehen davon, dass alle Flächen verplant seien, sei der Energie-Standort aus Gründen der Sicherheit für eine öffentliche Nutzung ungeeignet, erklärt Kristina Frank. Auch die Markthallen München (MHM), sie unterstehen wie der AWA und die SWM dem Kommunalreferat, könnten mittelfristig keine frei werdenden Flächen in Aussicht stellen.

"Im Gegenteil", meint Frank. Offenbar soll es eng werden, weil die Mieter der Keller, die wegen der ausbleibenden Sanierung geschlossen werden mussten, auf Freiflächen auf dem Gelände verteilt werden. Dafür müssten Parkplätze verlagert werden müssten. Außerdem richteten sich dort seit Februar die Stadtwerke auf 8000 Quadratmetern eine Baustelle ein - für drei Jahre. Was dann nach der Umsiedlung des Großmarkts an Flächen frei werde, sei Sache der Bauleitplanung, nicht des Kommunalreferats. Und "weitere Flächen zur Betreibung eines Museums sind dem AWM nicht bekannt".

Der AWM sieht auch keine Notwendigkeit für ein Müllmuseum. Man sei als kommunaler Entsorger gesetzlich zur Information über Abfalltrennung verpflichtet und käme dem auch "regelmäßig, umfangreich und zielgerichtet nach", schreibt Kristina Frank an den BA. Man biete den Münchnern "ein sehr breites und gleichzeitig tiefes Portfolio an Informationen", es gebe Kampagnen, Abfallberatungen, online und auf Veranstaltungen, Vorträge. Ein zusätzliches Informationsmedium in Form eines Museums sei jedenfalls nicht notwendig. Ein Müllmuseum hätte eine geringe Reichweite, jedoch hohe Personal- und Aufbaukosten. Und nicht zuletzt geht der AWM von einem überschaubaren Interesse aus: 2016 hatte er zum 125-jährigen Bestehen des Betriebs eine Ausstellung im Gasteig organisiert. Thema: Abfallentsorgung gestern und heute. Trotz großem Aufwand hätten sich die Besucherzahlen in Grenzen gehalten, schreibt Frank.

© SZ vom 16.03.2020
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