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Sendling:Hoch und dicht

Wo jetzt Bäume sind (li.), gegenüber vom Heizkraftwerk an der Schäftlarnstraße, soll die Großmarkthalle entstehen. Und damit ein "Grand Canyon".

(Foto: Robert Haas)

Auf dem Gelände der neuen Großmarkthalle werden 15 Mal mehr Menschen arbeiten und leben als heute. Das bringt Probleme mit sich

Von Birgit Lotze, Sendling

Falls die neue Großmarkthalle gebaut wird, besteht der Bezirksausschuss (BA) Sendling darauf, dass eine mögliche künftige Belieferung durch die Bahn nicht verbaut wird. Das heißt, dass der Gleisanschluss, über den früher die Südfrüchte aus Italien nach München geschafft wurden und der derzeit nicht genutzt wird, nicht abgebaut werden soll. Jetzt hat der BA seine Stellungnahme zur Neuentwicklung des Großmarktgeländes konkretisiert und weitere Verkehrsthemen angesprochen.

Er fordert einen massiven Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für konkret 6500 Menschen, die dort arbeiten und wohnen sollen. Dazu zählen 1500 Mitarbeiter in der Halle, 3000 neue Mitarbeiter, die in Büros auf den Deckeln der neuen Großmarkthalle arbeiten sollen und die Bewohner von 1600 Wohnungen, die auf den freien Flächen errichtet werden sollen, die durch den Umzug der einzelnen Großmarkthallen in einem riesigen Komplex entstehen. Zum Vergleich: Derzeit arbeiten etwa 400 Menschen auf dem Gelände. Der Bezirksausschuss machte auch deutlich, dass seiner Ansicht nach ein Regionalzughalt an der Poccistraße im Zusammenhang mit der steigenden Zahl an Wohnungen und Arbeitsplätzen neu diskutiert werden muss.

Auch dazu, wie die neu zu bauenden Wohnungen ausgeschrieben werden sollen, hat der BA eigene Ideen. Auf sämtlichen Grundstücken, die der Stadt gehören, sollen Mietwohnungen errichtet werden, davon die Hälfte gefördert. Für die nicht der Stadt gehörenden Grundstücke fordert der BA, dass 70 Prozent der Wohnungen zur Miete gebaut werden, preisgebunden, die meisten preisgedämpft oder nach dem München Modell. Außerdem sollen seitens der Bauherren zusätzliche Mittel in die Infrastruktur fließen.

Der BA hatte vor einigen Wochen bereits Bedenken wegen der Großmarkthallen-Pläne geäußert: Der Baukörper sei außergewöhnlich massiv und bis zu 68 Meter hoch. Wegen der Bauhöhe über der Schäftlarnstraße entstehe ein "Grand Canyon" zwischen Heizkraftwerk und Großmarkthalle. Jetzt monierten die Lokalpolitiker auch die Verschattung von Dachflächen. Sie seien wegen der Höhenentwicklung meist sonnenfrei: "Das mag für die Erdbeere in der Halle angenehm sein", nicht aber für Sportler auf dem Dach.

Kritisch gesehen wurde auch, dass die Leistungsfähigkeit der Kreuzung Schäftlarn- und Brudermühlstraße bereits jetzt häufig an ihre Grenzen stößt. Es müsse sichergestellt werden, dass der Lastverkehr aus Westen und Norden in den Brudermühltunnel gezwungen werde, fordert der BA. Er soll jenseits der Isar vor dem Candidplatz über eine Wendeschleife zurückfahren. Die Sendlinger wollen dadurch den Schwerlastverkehr aus der Brudermühlstraße heraushalten.

© SZ vom 25.03.2020
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