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Sendling:Eventagentur kündigt riesige Mondschein-Grillparty am Isarufer an

Nachtleben an der Isar in München, 2013

Nicht immer gerne gesehen: Der Isarstrand am Flaucher gehört zu den Lieblingsplätzent all derer, die in lauen Nächten feiern und grillen wollen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der Veranstalter will angeblich keinen Eintritt verlangen, bietet kostenloses Essen, Neonbänder, Musik und kleine Überraschungen an.
  • Doch die Aktion könnte sich als Marketing-Gag entpuppen - und vielleicht in der Form gar nicht stattfinden.

Von Birgit Lotze, Sendling

Zu einer Vollmond-Party am 21. Mai an der Isar lädt derzeit ein Veranstalter unter dem Namen "event0" auf Facebook ein. Mehr als 50 000 Menschen gefällt das, mehr als 6700 haben bereits zugesagt. Der Bezirksausschuss (BA) Sendling hat nach einem Eilantrag der Grünen das Kreisverwaltungsreferat (KVR) und das Baureferat einhellig aufgefordert, die Party zu verbieten. "Wenn das stattfindet, dann starten noch hundert weitere Events an der Isar in diesem Jahr", befürchtet der Grünen-Stadtteilpolitiker Jan Erdmann.

Wenn der Mond mal wieder am hellsten scheint, was gebe es da Schöneres, als gemeinsam eine "Full-Moon-Party" an der Isar zu feiern, schreibt der Veranstalter auf seiner Facebook-Seite - "Frisch zum ersten Angrillen!" Der Partymacher will keinen Eintritt verlangen, bietet kostenloses Essen, Neonbänder, Musik und kleine Überraschungen an. Das Datum steht fest, doch kein Ort. Die genaue Location bekomme man "wie immer rechtzeitig via e-mail mitgeteilt".

So romantisch wie beschworen würde die Veranstaltung wohl nicht, denn: Vollmond-Feiern sind ein Massenphänomen. Bis zu 30 000 Menschen kommen zu den Full-Moon-Partys am Strand auf Koh Phangan in Thailand, wo das Event vor 30 Jahren als Geburtstagsparty einiger Rucksacktouristen erstmals begangen wurde. Selbst wenn nur tausend an die Isar kämen, drohen Lärmbelästigung, Verschmutzung und Ausschreitungen, fürchtet Rene Kaier, Fraktionssprecher der Grünen.

Stadt könnte auf Müllentsorgung sitzen bleiben

Kaiser vermutet, dass mit der Facebook-Party ein Versuchsballon gestartet werden soll, ob sich da ein günstiges Geschäftsmodell an den Isarauen starten lässt, eine kommerzielle Veranstaltung. "Die Berliner Marketingagentur versucht durch diese Facebook-Partys, die Kosten auf die Rücken der Steuerzahler abzuwälzen", sagte Jan Erdmann in der Sitzung. Und die Stadt bliebe auf der Müllentsorgung sitzen.

Das KVR bestätigt, dass keine Veranstaltung angemeldet ist. Das Referat hat Kontakt zu der Agentur aufgenommen, in der Behörde sieht man der Party gelassen entgegen. Die Agentur habe im Gespräch nicht den Eindruck gemacht, dass sie wirklich in den Isarauen, im Landschafts- und Naturschutzgebiet, eine Party plant, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. "Wir gehen davon aus, dass keine Veranstaltung an der Isar geben wird." Der Veranstalter habe darauf verwiesen, dass er eine Veranstaltung in München machen wolle, aber nicht direkt an der Isar. Doch das KVR behalte "die Entwicklung weiter im Auge".

Offenbar erweist sich der Isar-Event also als Marketing-Gag. Der Veranstalter möchte auf der Praterinsel feiern, hat dort auch eine Veranstaltung angemeldet, die Eintritt kosten soll. "Wir haben lediglich auf den Vollmond an diesem Tage hingewiesen und darauf, dass jeder, der Lust hat, an die Isar kommen kann, um dieses Schauspiel anzusehen", sagt Event0-Geschäftsführer Roben Stegemann. Allerdings könne er sich kaum vorstellen, dass die Stadt München den Menschen verbieten kann, "an die Isar zu gehen, um dieses Schauspiel mit anzusehen".

Viele Gäste: 6757 Facebook-Nutzer haben ihr Kommen schon angesagt. Screenshot: SZ

Was die Behörden zur Party an der Isar sagen

Fraglich ist, wie die Behörden reagieren, wenn dann tatsächlich so etwas wie eine Full-Moon-Party im Landschaftsschutzgebiet stattfände. Das Baureferat, zuständig für die Isar-Aufsicht, wird jedenfalls nichts unternehmen. Es verweist auf das KVR als Ordnungsbehörde; dieses müsse dafür sorgen, dass der Aufruf gelöscht wird und dass die Veranstaltung unterbleibt.

Beim KVR heißt es, dass die Polizei solche Aufrufe in den sozialen Netzwerken meist vorher findet, so dass man die Entwicklungen begleiten könne. Im Polizeipräsidium sagt der Sprecher, für solche Situationen gebe es "kein Schema F". Die Polizei sei ständig in Kontakt mit der Sicherheitsbehörde, dem KVR. Meist genüge es, dem Aufrufer die rechtlichen Folgen klarzumachen.

Bislang hat es in München keine Massenphänomene gegeben, bei der die Sicherheitsbehörden tätig wurden. Im KVR erinnert man an den Flashmob "Stehen, damit es weitergeht" - bislang die einzige über soziale Medien verbreitete Veranstaltung, die untersagt wurde. Der Grund, so das KVR: Wären wirklich Massen zu der Aktion zwischen den Weihnachtsmarktbuden am Marienplatz gekommen, wäre die Sicherheit gefährdet gewesen.

© SZ vom 10.03.2016/mmo
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