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Sendling:Blick auf die Gründerzeit

Ernst Dill, Politiker und Jurist, war viel im Einsatz als Bewahrer gewachsener Sendlinger Strukturen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Sendlinger Kulturschmiede widmet ihre neue lokale Ausstellung dem verstorbenen Stadtteilpolitiker Ernst Dill

Von Birgit Lotze, Sendling

Auf den alten Sendlinger Dorfkern haben einige Sendlinger besonders gut aufgepasst, gab es doch immer wieder städtische Interessen, die große Eingriffe in die Idylle auf dem Hügel befürchten ließen. Zwei Mal war er sogar massiv bedroht: Mitte der Siebzigerjahre sollte mit einem "Durchstich" des Sendlinger Bergs der Verkehr von der Lindauer Autobahn über den Mittleren Ring in die Lindwurmstraße und weiter zum Altstadtring geführt werden, Anfang der Achtzigerjahre plante die Stadt, die Stemmerwiese, die letzte große naturnahe Freifläche im alten Dorfkern, mit Wohnungen zu bebauen. Beide Male war der Widerstand aus Sendling massiv. Der Durchstich kam bekanntlich nicht, von der Stemmerwiese konnten die Sendlinger Aktivisten zumindest einen Teil retten.

Aus der damaligen Bürgerinitiative "Sendlinger Berg", wuchs die Sendlinger Kulturschmiede, die von Anfang an von Gabriele Duschl-Eckertsberger geprägt wurde. Sie will nun mit und in dem Stadtteilkulturzentrum eine spezielle Ausstellung zeigen, die sozusagen die eigene Gründerzeit berührt. An diesem Donnerstag, 29. April, 19 Uhr, wird sie in der Kulturschmiede an der Daiserstraße 22 eröffnet. Die Grundlage bildet eine Ausstellung "Wir alle sind München", die bereits 2018 zum 50-jährigen Bestehen des Münchner Forums konzipiert wurde. In Sendling wird sie dem vor einem halben Jahr verstorbenen Stadtteilpolitiker Ernst Dill gewidmet. Der langjährige Fraktionschef der SPD im Bezirksausschuss bekommt in der Ausstellung ein eigens gestaltetes "Dill-Kabinett".

Münchner Forum, die Sendlinger Kulturschmiede und Dill sind sozusagen Weggefährten. Gemeinsam ist ihnen, "das Bewusstsein zu fördern, in einem traditionsreichen Stadtteil zu leben, für dessen Erhaltung und Entwicklung es sich einzusetzen lohnt", erläutert Duschl-Eckertsberger. Dill, der Politiker und Jurist, war ein unermüdlicher Bewahrer des alten Sendlings, er wehrte sich engagiert gegen drohenden Abriss, Leerstand und gegen Gentrifizierung. "Sendling a posto war sein Credo", erinnert sich Duschl-Eckertsberger. Sein steter Einsatz für die Sortieranlage vor dem Westtor der Großmarkthalle ist auch vielen Neu-Sendlingern ein Begriff. In der Kulturschmiede, die sich ebenfalls für mehr Grün und die Erhaltung des alten Ortskerns stark machte, sieht man ihn als Verbündeten und das Münchner Forum als Partner - "immer auf unserer Seite", sagt Gabi Duschl-Eckertsberger.

In der Kooperation gelang einiges. Unter anderem wurde der Bebauungsplan Sendlinger Berg reduziert, die Erhaltung des Ortskerns als Ensembleschutzgebiet festgeschrieben, ebenso wurde die Großmarkthalle mit der vorgelagerten Sortieranlage unter Ensembleschutz gestellt.

Mit Franz Schiermeier, Autor der Wanderausstellung des Münchner Forums, wurde eine spezifische, der Kulturschmiede angepasste Auswahl getroffen. Der Fotograf Werner Resch, der Jahrzehnte den Blick von Ernst Dill umgesetzt und dokumentiert hat, hat Fotos beigesteuert, die im "Dill-Kabinett" aufgehängt sind. Ansehen kann man sich die Ausstellung bis zum 20. Mai ausschließlich nach persönlicher Terminvereinbarung. Dafür haben die Besucherin und der Besucher die Chance auf eine Planerläuterung durch Autor Franz Schiermeier, der die Ausstellung konzipiert hat, oder auf ein Zusammentreffen mit dem Fotografen Werner Resch. Zur Eröffnung erscheint ein Katalog mit einer Einführung von Detlev Straeter, dem Vorsitzenden des Münchner Forums. Anmelden kann man sich beim Münchner Forum unter der Telefonnummer 28 20 76.

© SZ vom 29.04.2021
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