Anfang Januar: die Zeit der guten Vorsätze. Wer sich jetzt nichts vornimmt, braucht während des restlichen Jahres gar nicht erst damit anzufangen, so zumindest das Gefühl. Dabei war es eher Zufall, dass die Idee von Malte Harenberg gerade jetzt so weit fertig wurde, dass er von einer Beta-Version sprechen kann: „Nächste Woche wird es definitiv noch mal anders aussehen als heute.“ Heißt: Noch ist nicht alles perfekt, aber testen kann man schon mal, ob das was für einen ist.
Die Rede ist von der digitalen Plattform „Gamifikator“, einem Self-Improvement-Tool, das persönliche Entwicklung mit spielerischen Elementen verbindet. Harenbergs Grundidee: „Viele Menschen scheitern bei Vorsätzen und langfristiger Veränderung, weil Motivation abstrakt und unsichtbar bleibt. Gamifikator macht Fortschritt sichtbar – durch Erfahrungspunkte, Level, Quests und Story-Elemente, ähnlich wie man es aus modernen Spielen kennt.“
Wie das funktioniert? Nun, Nutzer wählen einen Archetypen (etwa Krieger, Barde, Waldläufer, Magier, Paladin oder Druide) und entwickeln diesen durch echte Handlungen im Alltag weiter. Soweit die Theorie. Ob das in der Praxis funktioniert? Kann jeder für sich ausprobieren (unter https://gamifikator.de) und sich dazu auch einen nicht allzu engen Zeitrahmen stecken. „Echte Veränderung braucht Zeit“, sagt Harenberg, wer etwas anderes verspreche, lüge. Jedenfalls reagiert sein Konzept auf einen gesellschaftlichen Trend, denn die Nachfrage nach digitaler Selbstorganisation und Motivation steigt zusehends.
Wie kommt jemand, der im richtigen Leben als Logistikplaner bei BMW arbeitet, auf eine solche Idee? „Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema Selbstoptimierung und Gewohnheiten aufbauen“, sagt Harenberg, „ich glaube, dass man dadurch produktiver und ausgeglichener werden und auch den Sport besser vorantreiben kann.“ Er habe sich immer gefragt, warum er es nicht hinbekomme, regelmäßig Sport zu machen. „Ich wollte ein System schaffen, das funktioniert, ohne zu stressen, bei dem nicht nur Listen abgehakt werden. Heute ist Gamifikator das Spiel, das ich mir selbst damals gewünscht hätte.“
Wie sich die Story entwickelt, hat man selbst in der Hand
Harenberg ist beileibe nicht allein mit dem Thema Überwindung des inneren Schweinehundes. Man nimmt sich Ziele vor – und verliert sie wieder aus den Augen. Gamifikator sei entstanden, weil er glaube, „dass persönliche Entwicklung Spaß machen darf“, sagt der Gründer. Warum lese man ein Buch zu Ende oder schaue einen Film bis zum Schluss? „Weil da etwas ist, das auf mich wartet und von dem ich wissen will, was da noch passiert.“ Also habe er sich hingesetzt, ein Konzept erarbeitet und zu programmieren begonnen.

„Mach dein Leben zum Spiel“, lautet die Aufforderung. Durch die Erfüllung einzelner Ziele soll man „echten Fortschritt im Alltag“ erleben. Schritt eins: eine von sechs Klassen wählen (Achtsamkeit & Selfcare, Fitness & Energie, Produktivität, persönliche Entwicklung, Beziehungen & Kommunikation, Mindset Mastery und Produktivitäts-Engine).
Schritt zwei: sogenannte Quests annehmen, in der vorgegebenen Zeit erledigen und wie in einem Rollenspiel der persönlichen Story folgen. Je nachdem, ob man die gestellte Aufgabe erfüllt hat oder nicht, entwickelt sich die Story in die eine oder andere Richtung.
Schritt drei: Erfahrungspunkte sammeln und so schrittweise ohne Druck Ziele erreichen. Messbar wird der sich hoffentlich einstellende Fortschritt anhand der sogenannten Schattenflut, „die quasi die Welt überfällt“, wie Harenberg es ausdrückt und die es durch die erfüllten Aufgaben zu erhellen gilt.
Statt durch Druck sollten Ziele durch intrinsische Motivation erreicht werden. „Persönliche Entwicklung ist kein Wettbewerb, sondern ein Abenteuer“, findet der Entwickler. Geld kostet die spielerische Art der Selbstverbesserung nicht, erst später können „optionale Premium-Features dazukommen“, sagt der Erfinder, die Kernfunktionen blieben dagegen stets kostenlos.
Vorkenntnisse? Nicht nötig, nur die Bereitschaft, sich auf ein paar Aufgaben einzulassen, zum Beispiel „Nein sagen“, wenn einen etwas überfordert oder stresst. Oder: 15 Minuten Yoga am Morgen, 30 Minuten Zeit nehmen für ein Hobby, ohne sich ablenken zu lassen, 15 Minuten Stille oder mal vor 22 Uhr schlafen gehen. Derzeit gibt es Harenberg zufolge 156 verschiedene Aufgaben für alle sechs Klassen. Die Fantasy-Geschichten schreibt er selbst. „Da geht es um Spiegelwelten, die nicht so sind wie unsere und von der Schattenflut überrannt werden, von diesem dunklen Schimmer, der die Menschen träge, müde, lustlos und unmotiviert macht. Diese Schattenflut gilt es, mit den eigenen guten Taten zurückzudrängen.“
Und wenn das geschafft ist? Er habe da schon eine Idee, sagt Harenberg. Aber so weit sei er mit der Programmierung bisher nicht.


