Die Alzheimer-Selbsthilfebewegung nahm ihren Anfang in München, 1986 wurde in der Stadt die erste regionale Alzheimer Gesellschaft Deutschlands gegründet. Inzwischen umfasst diese mehr als 120 Organisationen, eine der jüngsten ist die Alzheimer Gesellschaft Landkreis München. Deren Vorsitzender Jürgen Hoerner erklärt, was sein Verein leistet.
SZ: Warum engagieren Sie sich in Sachen Alzheimer?
Jürgen Hoerner: Ich bin in keiner Weise von der Krankheit betroffen, auch nicht im Angehörigenkreis, Gott sei Dank. Aber ich wollte als Pensionist etwas sozial Sinnvolles tun. Im Moment gibt es in Deutschland 1,5 Millionen Menschen mit Altersdemenz, in 20 Jahren werden es fast doppelt so viele sein. Das hat auch damit zu tun, dass die Menschen immer älter werden. Der Münchner Neurologe Hans Förstl sagt ja, dass wir alle dement werden, wenn wir nur alt genug werden. Und die Gesellschaft muss sich darum kümmern, dass diese Menschen ihre Würde behalten.
Und das tut Ihr Verein?
Unsere Arbeit besteht aus fünf Säulen: Einmal leisten wir Aufklärung durch Öffentlichkeitsarbeit. Dann gibt es die Beratung für Betroffene und Angehörige, was immer mehr wird. Wir betreuen die Kranken in sogenannten Herbstwind-Gruppen. Dort können sie unterhaltsame Stunden erleben und die Angehörigen werden entlastet. Wichtig ist auch: Wir schulen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Und schließlich initiieren wir noch Wohngemeinschaften für demenzkranke ältere Menschen, in denen diese selbstbestimmt und würdig leben können, aber ständig ambulante Betreuung haben. Zum Glück werden wir jetzt vom Landkreis München finanziell unterstützt, so dass wir auch schon festangestellte Mitarbeiter haben. Der Verein selbst besteht aus 110 Mitgliedern, die meisten sind Angehörige. Aber auch drei Gemeinden sind dabei.
Kommen denn auch die Menschen zu Ihnen, die glauben, erkrankt zu sein?
Eher selten. Meist sind es die Angehörigen, entweder weil die Diagnose da ist, oder weil sie befürchten, es könnte Alzheimer sein. Wir haben dafür zwei Gruppen, bei denen auch immer ein Arzt dabei ist, um medizinische Ratschläge geben zu können. Wir wollen Hilfe beim Helfen geben.
Wie soll man sich verhalten, wenn man mit einem Alzheimer-Patienten umgeht?
Da muss man immer die einzelne Situation betrachten. Aber wichtig ist, immer offen miteinander umzugehen und nichts zu verheimlichen, auch den Betroffenen gegenüber nicht. Wir können die Krankheit nicht verhindern, nur verzögern.
Was beeindruckt Sie an dieser Arbeit?
Ich war gerade bei einem Nachmittag mit einer Herbstwind-Gruppe. Da haben wir Lieder gesungen, für die wir ein Notenblatt brauchten. Die Teilnehmer kannten sie alle auswendig. Und sie lächeln und strahlen dabei. Das zu erleben, ist eindrucksvoll. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass es Spaß macht. Deshalb bemühe ich mich, dass wir mehr ehrenamtliche Helfer bekommen.
