Trägerwechsel im Schwabinger BürgerzentrumDas hat das Bellevue di Monaco mit der Seidlvilla vor

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Engagierte Bürger retteten die Seidlvilla 1970 vor dem Abriss.
Engagierte Bürger retteten die Seidlvilla 1970 vor dem Abriss. Catherina Hess

Das Bellevue di Monaco übernimmt am 1. April Münchens schönstes Bürgerzentrum: In der Seidlvilla in Schwabing will man keine Flüchtlingsarbeit, dafür mehr für die Soziokultur leisten. Was bedeutet das für die bisherigen Nutzer?

Von Michael Zirnstein

Die neuen Hausherren bekommen ein wahres Schmuckstück, sagt der alte Hausherr, Martin Kolb, der Vorstandsvorsitzende des Seidlvilla Vereins: eine Jugendstilvilla, erbaut von Emanuel Seidl 1905, am Nikolaiplatz im Herzen Schwabings, mit prächtigen Räumen und einem Gartenidyll. Dass es das Haus überhaupt noch gibt, liegt an engagierten Bürgern, die es 1970 vor dem Abriss durch einen Investor retteten. Sie verwandelten es peu à peu in Münchens wohl schönstes Bürgerzentrum, das seit 1987 vom Seidlvilla-Verein geleitet wird.

Bis jetzt. Der Verein hat im Juli 2025 die Stadt gebeten, den Nutzungsvertrag aufzulösen: Die finanzielle Lage sei trotz des ungekürzten Zuschusses vom Kulturreferat angespannt, und die Mitgliederschaft in die Jahre gekommen, erklärt Kolb.

Wer von 31. März an übernimmt, ist jetzt auch klar: „Bellevue di Monaco wird die Seidlvilla nahtlos mit Beginn am 1. April weiterführen“, sagt Kulturreferent Marek Wiechers sehr zufrieden mit der Lösung. Der Flüchtlingshilfe-Verein (ebenfalls Haus-Retter aus der Müllerstraße) hatte sich auf die Ausschreibung im September beworben. Jetzt ist man ein wenig vom plötzlichen Zuschlag überrumpelt, sagt Vorstandsmitglied Barbara Bergau. „Mit Hochdruck“ arbeite man nun an der Zukunft der Seidlvilla: „Finanzen, Personal, Programm.“ Ziel sei, sagt sie, „das alles smooth weiterläuft“.

Man wolle den „Schwung des Bellevue nach Schwabing mitnehmen“ und neue Akzente setzen: „Keine Flüchtlingsarbeit, sondern mehr Soziokultur“, erklärt Bergau das Konzept, „wir wollen viele Gruppen erreichen, die bisher weniger repräsentiert sind.“ Man denkt über ein gastronomisches Angebot nach. Auch sei man dabei, für die „Nachbarschaft Schwabing“, das Sozialprojekt des Seidlvilla-Vereins, dem das Sozialreferat den Zuschuss gestrichen hat, eine Lösung zu finden.

Martin Kolb freut sich auf die „eigenen Ideen vom Bellevue“. Er hofft aber auch, dass einige der bisherigen Nutzer mit ihren Angeboten bleiben können (es gibt hier etwa 2000 Veranstaltungen im Jahr). Als ausgemacht gilt schon, dass es mit der Reihe „Jazz+“, die seit 32 Jahren hier läuft, weitergeht. Auch der Seidlvilla-Verein soll bestehen bleiben. Ohne den finanziellen Druck sei ein neuer ehrenamtlicher Vorstand bereit, die Historie zu bewahren und das Haus weiter zu begleiten.

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