Schwurgericht Freispruch für Obdachlosen

Ein Autodieb, der mit dem Besitzer des Wagens auf der Motorhaube durch die Stadt raste, ist am Freitag vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen worden. Das Schwurgericht am Landgericht München I verfügte stattdessen die Unterbringung des an Schizophrenie leidenden und somit schuldunfähigen Mannes in einer psychiatrischen Einrichtung.

Der 38-jährige Miroslav G. hatte die Tat gestanden und ein ungewöhnliches Motiv genannt: Er habe ins Gefängnis kommen wollen, es sei ja kalt gewesen, da habe er nicht erfrieren wollen, so der Obdachlose. Ende November 2014 hatte er vor einem Lieferservice in der Kapuzinerstraße einen Fiat Punto mit steckendem Schlüssel entdeckt. Er stahl den Wagen kurzerhand und fuhr los. An der nächsten Ampel holte ihn der 26-jährige Besitzer des Fiat ein und stellte sich davor. G. fuhr trotzdem los und lud den Lieferdienstmitarbeiter auf die Motorhaube auf. Mit ihm auf der Haube raste G. durch die Isarvorstadt, versuchte ihn abzuschütteln und krachte schließlich an der Paul-Heyse-Straße in ein anderes Auto. Wie durch ein Wunder erlitt der Autobesitzer nur Schürfwunden. Verteidiger Nicolas Frühsorger kündigte Revision an.