Schwul-lesbischer Gottesdienst in München Ein bisschen Frieden

"Die Kirche spielt sich als Verteidigerin der Menschenrechte auf, aber die Menschenrechte von Schwulen und Lesben bekämpft sie an vorderster Front": Schwule und lesbische Katholiken feiern in der Paulskirche gemeinsam Gottesdienst - trotz Angst vor Anfeindungen.

Von Sabrina Ebitsch

Es ist sehr still in St. Paul, das Brechen der Hostien hallt vom Hochchor durch das Kirchenschiff. Etwa 40 Gläubige sind gekommen, in Zweierreihen stehen sie zur Kommunion an. Von weit hinten dröhnt die Orgel. "Bei dir dürfen wir sein, wie wir sind", hatte der Pfarrer zuvor gebetet, "bei dir müssen wir uns nicht verstellen und uns nicht fürchten, denn du hast uns geschaffen."

"Wir wollten am Anfang mehrere Pfarrer dabei haben, damit sich der Druck besser verteilt", sagt Michael Brinkschröder, einer der Organisatoren der schwul-lesbischen Gottesdienste in der Kirche St. Paul an der Theresienwiese.

(Foto: Catherina Hess)

In diesem Gottesdienst ist das kein religiöser Gemeinplatz, kein rhetorisches Gebet, das im Genuschel der Gemeinde wie die Hostien im Mund zerfällt. Für die Gläubigen hier ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Gott sie so annimmt, wie sie sind. In der katholischen Kirche, der sie angehören und in der sie beten, gibt es immer noch viele, die anderer Meinung sind. Die ihre Lebensweise für falsch, wenn nicht gar widernatürlich halten.

Einmal im Monat treffen sich Schwule und Lesben zum Gottesdienst in St. Paul an der Theresienwiese. Sie kommen, weil sie so wenige sind, im Hochchor zusammen, ein wenig abgeschirmt von Hauptschiff. "Heiland, reiß die Himmel auf / Herab, herab vom Himmel lauf", singt die Gemeinde. "Zu wem will Gott kommen? Gehöre ich dazu?", fragt der Lektor zu Beginn der Messe.

Der Zwiespalt ist allgegenwärtig. Seit fast zehn Jahren gehört der schwul-lesbische Gottesdienst in München zu den pastoralen Angeboten der katholischen Kirche. Viele Anfragen bei Pfarreien blieben zunächst erfolglos, nur St. Stephan in Neuperlach sagte damals zu. Bis zur Fusion der dortigen Gemeinden, nach der die Gottesdienste dort keinen Platz mehr fanden. Also zog man nach St. Paul in die Innenstadt um.

Die regelmäßigen Gottesdienste seien nun mal ein fester Teil der Seelsorge in einer Großstadt, sagt Michael Brinkschröder, einer der Gründer und Organisatoren. Der Pfarrgemeinderat unterstützt sie.

Auch das Ordinariat legt ihnen keine Steine in den Weg: "Wir begrüßen es, wenn Menschen gemeinsam Eucharistie feiern", sagt Sprecher Bernhard Kellner. "Jeder Mensch ist angenommen." Kardinal Marx hatte im Interview mit der SZ im Sommer betont, Homosexuelle gehörten dazu (auch wenn er zugleich darauf verweist, dass sich der liebe Gott schon etwas dabei gedacht habe, als er Mann und Frau erschaffen hat).

In der Messe wird nach der hölzernen Anzeigetafel Lied 944 aus dem Gotteslob gesungen. Die Reihen im Hochchor sind fast vollbesetzt, die dunkle, kalte Jahreszeit zieht mehr Menschen in die Kirche, auch hier.