Theater:Der Kitt unserer Gesellschaft

Oberbürgermeister Reiter eröffnet das neue Schwere Reiter und bekennt sich zur freien Szene.

Von Egbert Tholl, München

Über die Schönheit des Baus haben wir ja schon berichtet (SZ vom 16.9.), nun hat Oberbürgermeister Dieter Reiter das neue Schwere Reiter, Nukleus der freien Szene, eröffnet. Aber das geht natürlich nicht so en passant, erst muss Abschied genommen werden von der alten Spielstätte gleichen Namens, die noch ein paar Wochen weiter bespielt wird, dann als Ausweichort dienen soll und vielleicht, setzt sich die wundersame (und notwendige) Vermehrung Münchner Kulturbauten fort, selbst einmal seiner ganz eigenen Herrlichkeit entsprechend renoviert wird. Das neue Schwere Reiter ist ja als Interim gedacht, doch, so Architekt Lukas Mahlknecht: Es hält länger als zehn Jahre.

Also erst einmal ins alte, zur Begrüßung durch die Leiterinnen der Sparten, die paritätisch das Schwere Reiter bespielten und bespielen werden: Tanz (Ingrid Kalka, Micha Purucker), Theater (Judith Huber und Lea Ralfs vom Pathos), Musik (Christiane Böhnke-Geisse). Performativ angeleitet zieht man dann um und erhält in der Folge einen ersten Eindruck, was die neue Spielstätte kann: viel. KP Werani hat zur Eröffnung ein zart verästeltes Stück komponiert, das Pathos ein etwas rätselhaftes Manifest erstellen lassen, das, unterstützt von der Leistungsfähigkeit der LED-Lampen, zu Gehör gebracht wird, Moritz Ostruschnjak zeigt Szenen aus seiner Tanzproduktion "Yester: Now" mit umwerfenden Tänzern und Tänzerinnen, darunter das Energiewunder Magdalena Agata Wójcik.

Danach weiß man: Die Akustik ist sehr gut, für Stimmen fabelhaft, für Musik muss man noch ein bisschen mit den Vorhängen an der Wand experimentieren. Das alte Gebäude war in dieser Hinsicht ja ein absoluter Glücksfall, das neue kopiert es, der ehemaligen Kulturreferent Hans-Georg Küppers, der das alles auf den Weg brachte, ist glücklich. Glücklich ist auch Oberbürgermeister Dieter Reiter, der hofft, dass "Kultur weiterhin der Kitt unserer Gesellschaft bleibt". Von den postpandemischen Kürzungen bleibe, so betont er, die freie Szene verschont, da wird sogar ein bisschen aufgestockt, als "wichtiger Teil unserer Münchner Kulturgesellschaft".

© SZ/chj/arga
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