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Schwarzarbeit:Wieder Kontrolle auf BMW-Baustelle

Polizei und Zollfahnder haben die Baustelle des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) von BMW erneut abgeriegelt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Zum dritten Mal seit Baubeginn ist am Donnerstag die Baustelle für das neue Forschungs- und Innovationszentrum von BMW in München von Zollfahndern und Polizisten überprüft worden.
  • Die Beamten suchten erneut nach illegal Beschäftigten und gefälschten Ausweisdokumenten - und wurden auch erneut fündig.
  • BMW hat eine Sicherheitsfirma beauftragt, den Zutritt zur Baustelle zu kontrollieren.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur 50 Stunden hat am Donnerstag ein Großaufgebot von Polizei und Zoll die Baustelle des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) von BMW abgeriegelt. Die Fahnder suchten wie bereits am Dienstagmorgen nach illegal beschäftigten Arbeitern und nach gefälschten Pässen. Gegen 13.30 Uhr rückten Zollfahnder und etwa 80 Polizeibeamte an, umstellten die riesige Baustelle und durchkämmten bis zum frühen Abend das Gelände.

Am Dienstag hatten die Fahnder 22 Männer erwischt, die gefälschte Pässe hatten oder illegal in Deutschland arbeiten. Bei der morgendlichen Aktion hatten die Zollfahnder eigentlich gehofft, noch mehr Betrugsfälle aufzudecken, insgesamt kontrollierten sie mehr als 300 ausländische und knapp 100 deutsche Arbeiter. Doch anders als vermutet, befand sich beim Eintreffen der Beamten um 5.30 Uhr offenbar kein Arbeiter auf der Baustelle. Möglicherweise waren einige Leute vor der anstehenden Großkontrolle gewarnt worden. Am Donnerstag wurden 146 Arbeiter kontrolliert, die am Dienstag nicht angetroffen worden waren. Es habe zumindest "drei ausländerrechtliche Verstöße gegeben", sagte Patrizia Kaiser vom Hauptzollamt Rosenheim.

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Damit ist die 22 Fußballfelder große Baustelle zwischen Schleißheimer und Knorrstraße bereits zum dritten Mal seit Baubeginn im vergangenen Jahr überprüft worden. Bei der ersten Kontrolle kassierten die Fahnder mehr als ein Dutzend falsche EU-Pässe. Am Dienstag waren es nach SZ-Informationen gefälschte rumänische Pässe.

Viele Arbeiter werden offenbar über soziale Medien aus Moldau und anderen Nicht-EU-Staaten angeheuert. Eigentlich haben diese Arbeiter oft keine Arbeitsgenehmigung - anders als EU-Bürger, sie genießen Reise- und Arbeitsfreiheit in der Europäischen Union.

BMW betont, dass generell "jeder Auftragnehmer die gesetzliche und vertragliche Pflicht" habe, für sich und jeden Subunternehmer "alle Arbeiter in Bezug auf Personalien, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu überprüfen und den rechtmäßigen Einsatz sicherzustellen". Nach Angaben von BMW-Sprecher Jochen Frey hat der Autobauer zusätzlich eine Sicherheitsfirma beauftragt, die für die Baustellensicherheit zuständig sei. Baustellenausweise mit Foto würde ein Arbeiter nur nach Vorlage eines Ausweises oder Passes, einer Aufenthaltserlaubnis und einer Arbeitserlaubnis erhalten. "Ohne diesen Ausweis ist ein Betreten der Baustelle nicht möglich", so Unternehmenssprecher Frey.

Die falschen Pässe, die bei den Bauarbeitern gefunden wurden, sind womöglich professionell gefälscht worden. Beim Einsatz am Dienstag waren eigens Dokumentenprüfer der Münchner Polizei sowie Kriminalbeamte des Dezernats K 66 bei der Kontrolle dabei, um die Echtheit der vorgelegten Dokumente überprüften. Auf dem Bauabschnitt sind viele verschiedene Firmen tätig. Die Grundsteinlegung für das FIZ Future fand am 6. Oktober statt. Auf 157 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sollen im Münchner Norden noch in diesem Jahr insgesamt 5000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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