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Schwanthalerhöhe:Zugabe in den Katakomben

Kulturkeller Westend

Gute Zeiten: Dass auch hier wieder Konzerte stattfinden können, davon träumen sie im Kulturkeller Westend zurzeit nur.

(Foto: Kulturkeller/privat)

Das Team vom Kulturkeller Westend will den Mietvertrag für den wichtigen Treff im Viertel unbedingt verlängern

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

"Welcome in den Katakomben" hat hier schon lang keiner mehr gesagt. Wie auch. Unter der Woche kann in dem mehr als 200 Jahre alten Bierkeller mit seinen wuchtigen Wänden weder das Theaterkollektiv context factory noch das Efa-Improtheater zum Spielen rein, genauso wenig wie der Verein der ionischen Inseln, der Verein der Makedonier in München oder der Essaloniten Nikotsavas. Kein Ton zu hören von der Formation Music for Education, und auch mit Kabarett-Programmen, den freitäglichen Jam-Sessions und der Akustik-Open-Mic-Session "Songs am Kaminfeuer" ist's in diesen lautlosen Corona-Zeiten Essig. Im Kulturkeller Westend an der Westendstraße 76 herrscht pandemische Stille.

Sobald aber im Land, der Stadt und also auch hier, im Untergrund, Kultur endlich wieder öffentlich stattfinden darf, sollen die Nachbarn Bühne und Vereinsräume wieder in Beschlag nehmen - und zwar weit über den Oktober 2022 hinaus. Denn dann endet nach 30 Jahren der Nutzungsvertrag mit der Stadt für die Träger des Treffpunkts, den Verein "Kultur- und Vereinskeller D'Schwanthalerhöh". Der müht sich gerade um eine Verlängerung.

"Wir brauchen Planungssicherheit und würden am liebsten wieder um 30 Jahre verlängern", sagt Anja Quast als Vorsitzende des Vereins. "Der Kulturkeller ist ein Kleinod im Viertel, ein Haus für viele, auch die vielen griechischen Vereine." Highlight der Veranstaltungen sei die wöchentliche Jam-Session: "Da kommen mal eine Handvoll Besucher, ein anderes Mal ist die Butze voll." 100 Gäste gingen maximal rein. Bei freiem Eintritt ist es möglich, sagt die Vorsitzende, abends auszugehen und ohne viel Stress Leute kennenzulernen. "Wenn man hier reinkommt und niemand kennt, ist man trotzdem gleich ein Teil von etwas." Begabte Hobbymusiker gehören ebenso zum Stammpublikum wie Profis. Mit dem Kulturreferat, sagen Quast und Gertrud Schatzlmayr vom Vorstand-Team unisono, sei die Kooperation vorzüglich. Und von der Stelle sei auch Unterstützung für die Weiterführung des Kellers signalisiert worden. Aber die Entscheidung über die weitere Vermietung der Immobilie an den Träger liege letztlich beim Kommunalreferat. "Und bei dem", sagt Schatzlmayr, "zieht sich die Antwort in die Länge." Das Team wisse nicht, woran es sei.

Deshalb ist dem Trägerverein jetzt auf Initiative der SPD im Viertel auch der Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe beigesprungen. In einem Antrag fordert er die Stadt auf, "umgehend die Verhandlungen zur Mietvertragsverlängerung aufzunehmen und zu erneuern. Der Kulturkeller sei, so die Argumentation, innerhalb der Stadtteilerneuerung 1980 als Bürgerhaus und Kulturzentrum der Bürgerschaft der Schwanthalerhöhe zur Nutzung überlassen worden. Der Trägerverein betreibe seither die Räumlichkeiten, die Institution habe sich zu einem wesentlichen Element des Kulturlebens im Quartier entwickelt. "Wir machen alles ehrenamtlich", sagt Quast, "weil unser Herz dafür schlägt." Der laufende Betrieb finanziere sich über Mitgliedsbeiträge und Fördermittel der Stadt.

Die Landeshauptstadt hat die Immobilie Westendstraße 76 selbst angemietet und die Räume dem Verein als Träger überlassen, wie Maren Kowitz, Sprecherin des Kommunalreferates mitteilt. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung sendet sie positive Zeichen an die Kulturleute: "Zeitnah", so die Behörden-Vertreterin, werde man wegen einer Vertragsverlängerung in Verhandlungen mit der Vermieterin treten. Das Kulturreferat habe sich für den entsprechenden Bedarf ausgesprochen, und "grundsätzlich handelt es sich hierbei um eine Angelegenheit zwischen dem Kulturreferat und dem Verein". Das Kommunalreferat sei lediglich als Vertragsdienstleister im Auftrag des Kulturreferats tätig.

Wenn eine Verlängerung durchgeht, so Quast und Schatzlmayr, würden sie gern auch einen barrierefreien Zugang zu den Räumen im Untergrund schaffen - und am liebsten die augenblickliche Corona-Ruhe nutzen und so schnell wie möglich damit anfangen.

© SZ vom 05.02.2021
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